Freund und Interpret des Papstes
Pater Stephan Horn − bis 1999 Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Passau − leitet den „Schülerkreis Joseph Ratzinger“, der sich demnächst wieder mit dem Papst in Castel Gandolfo trifft. (Foto: Piffer)
Der Salvatorianer- Pater Stephan Horn war in den siebziger Jahren Assistent Joseph Ratzingers. Im Vorfeld des Papst- Besuches in Bayern erzählt er von den menschlichen Seiten und theologischen Grundüberzeugungen Benedikts XVI.
von Karl Birkenseer
Als heuer Ende März die letzten sieben Salvatorianer-Patres Abschied vom Passauer Klosterberg nahmen, da war auch Pater Stephan Horn unter ihnen. Viele Menschen im Bistum wissen, dass der bald 72-jährige Schwabe bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Passau war. Nicht so vielen dürfte geläufig sein, dass Pater Stephan ein langjähriger Freund des jetzigen Papstes ist.
Zu Anfang der siebziger Jahre verfasste er seine Habilitationsschrift bei Joseph Ratzinger - damals Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Regensburg -, und von 1972 bis 1977 war er dessen wissenschaftlicher Assistent. Darüber hinaus leitet Stephan Otto Horn den vor gut 25 Jahren gegründeten „Schülerkreis“, dem heute noch 45 ehemalige Meisterschüler Ratzingers angehören, darunter der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. Kommenden Mittwoch hält Prof. Horn den Eröffnungsvortrag zu einer dreiteiligen Ringvorlesung in Passau, die unter dem Titel „Joseph Ratzinger - Benedikt XVI.: Der Papst und das Papsttum“ stattfindet.
Pater Stephan denkt gern an die Assistentenjahre in Regensburg zurück, an die „sehr große Freiheit“, die Professor Ratzinger im Gegensatz zu manch anderem Gelehrtenkollegen seinen Mitarbeitern ließ, an die „große Schlichtheit und Bescheidenheit“ des nur sieben Jahre älteren Lehrstuhlinhabers - Eigenschaften, „die etwas ganz Natürliches, gar nicht Anbiederndes hatten“. Auch wenn es zunächst eine Arbeitsbeziehung war, bei der Besuche im Haus des Professors in
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Darf ein Priester Schallplatten hören?
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Pentling die Ausnahme blieben, entstand „ein sehr persönliches Verhältnis zueinander, das im Lauf der Jahre zu einem freundschaftlichen Verhältnis geworden ist“.
Wie groß das gegenseitige Vertrauen gewesen sein muss, zeigt folgende Anekdote, die Pater Stephan erzählt: „Eines Tages - Professor Ratzinger wollte sich als musikalischer Mensch einen neuen Schallplattenspieler zulegen - hat er mich gefragt, ob das mit der Einfachheit des priesterlichen Lebens vereinbar sei. Ich habe das natürlich bejaht, aber es zeigt, dass er immer ein anspruchsloser Mensch gewesen ist.“
Als besonders wichtige Erfahrung empfand Stephan Horn schon damals, dass Ratzinger „Theologie nie bloß theoretisch gemacht hat, sondern dass immer die Eucharistie mit dabei war“. Bei den 14-tägigen Doktoranden-Kolloquien wurde deshalb nicht nur diskutiert, sondern regelmäßig auch die Heilige Messe gefeiert. Ort der Kolloquien war das Regensburger Priesterseminar, in dem Benedikt XVI. während seines Bayern-Besuchs dreimal übernachten wird - eine der vielen Stationen zwischen Marktl, München und Pentling, an denen der Papst an seine biographischen Wurzeln erinnert wird.
Wenn man den Theologen Horn danach fragt, was seiner Meinung nach das Wesentliche im Denken seines Lehrmeisters ist, dann nennt er drei Bereiche, die schon für den Regensburger Professor entscheidend waren, aber auch das Pontifikat des jetzigen Papstes prägen dürften: „Punkt 1: Joseph Ratzinger eröffnet den Zugang zur Kirche vor allem von der Eucharistie her - für ihn ist die Eucharistie der Brennpunkt der Kirche. Punkt 2: Seine Überzeugung, dass Glaube und Vernunft eine enge Beziehung zueinander haben. Deshalb versucht Benedikt XVI., mit Philosophie und Naturwissenschaft ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam eine tiefere Kultur wiederzufinden. Punkt 3 : Das ökumenische Anliegen, das er hat. Sowohl bei den Kirchen der Reformation als auch bei den Kirchen des Ostens wird er versuchen, die legitimen Eigenständigkeiten dieser Kirchen anzuerkennen, andererseits aber auch alte Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen, die es ermöglichen, die Einheit wiederzugewinnen.“
Das zweite dieser drei Hauptthemen im theologischen Denken Joseph Ratzingers wird auch das Treffen des „Schülerkreises“ vom 1. bis 3. September in Castel Gandolfo begleiten: Dann diskutieren die ehemaligen Ratzinger-Schüler zusammen mit dem Papst über „Schöpfung und Evolution“ - ein Thema, das durch den Streit um „Kreationismus“ und „Intelligent Design“ brandaktuell geworden ist. Eines der beiden Referate wird Kardinal Schönborn halten, der selbst - wie Stephan Horn betont, zu Unrecht - in den Verdacht geriet, den Kreationisten nahe zu
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„Er hält Schöpfung und Evolution für vereinbar“
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stehen. Ihnen wird vorgeworfen, einen naiven biblischen Schöpfungsglauben mit pseudowissenschaftlichen Theorien zu verbinden, um so die moderne Evolutionslehre zu widerlegen. „Der Papst tendiert keinesfalls in Richtung Kreationismus“, klärt Pater Stephan auf, „er ist vielmehr von der Vereinbarkeit von Schöpfung und Evolution überzeugt“. Benedikt XVI. hebe zwar sehr wohl darauf ab, „dass der Mensch sich einem schöpferischen Ja Gottes verdankt“, was das aber im einzelnen bedeute, müsse im Gespräch mit der Naturwissenschaft geprüft werden. Das zweite Referat in Castel Gandolfo wird deshalb Peter Schuster halten - er ist Professor für Theoretische Chemie an der Universität Wien und neuer Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Das Treffen des „Schülerkreises“ ist das zweite seiner Art in Castel Gandolfo. Vorher fanden die jährlichen Zusammenkünfte an verschiedenen Orten statt - zuletzt sieben Mal in der Nähe von Regensburg, weil der frühere Kardinal Ratzinger so zwanglos seinen Sommerurlaub mit den Belangen der Wissenschaft verbinden konnte. Nach der Papstwahl hatte Stephan Horn nicht gewusst, ob die Treffen des „Schülerkreises“ überhaupt fortgeführt werden würden, aber dann sprach Benedikt XVI. seinen ehemaligen Assistenten während der Generalaudienz am 26. April 2005 selbst darauf an - und Ende August war es tatsächlich so weit. Die anfängliche Befangenheit ob des neuen Amtes, so erzählt Pater Stephan, sei schnell überwunden gewesen, schließlich habe man an eine jahrzehntelange „außerordentliche Vertrautheit“ anknüpfen können - „jedenfalls stand dem Papst die Freude über das Treffen ins Gesicht geschrieben“.
www.pnp.de/nachrichten/ar...=pol&BNR=0
Wunderbar, das es ein zweites Treffen, des Schülerkreises gibt