Wiederlesen macht Freude :-)
[C]Ich habe zwar zum Thema gerade nichts Neues zu bieten, aber beim Stöbern in meinem "B16-Privatarchiv" fand ich zwei ältere Gänswein-Artikel [G](August/September 2005)[/G], die ja vielleicht auch noch nicht jeder kennt.[/C]
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Hier kommt Artikel Nummer 1 (September 2005)
[G][DIM]12pt[=DIM]Monsignore im «Schaffhauserwald»[/DIM][/G]
[URL=http://www.bilder-hosting.de/show/45DIX.html][IMG]http://s2.bilder-hosting.de/img/45DIX.jpg[/IMG][/URL]
Bei 12 Familien mit dem Namen Gänswein in Riedern (D) erweist sich gleich der zweite Anruf als Treffer. Am Apparat ist Gertrud Gänswein. Sie holt ihren Sohn ohne Umschweife ans Telefon. «Kummed sie doch um halb elf», sagt Monsignore Gänswein in breitem Südbadisch. Ich erkundige mich, wie ich denn die Hardbuckstrasse 6 am besten finde? «Des könned Sie gar net verfehle», sagt er lachend.
Im 450-Seelen-Dorf Riedern am Wald hat Monsignore Gänswein während seines Urlaubs eine Woche lang den Dorfpfarrer vertreten. Grund seiner Heimreise aus der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo in den Südschwarzwald war die goldene Hochzeit seiner Eltern Albert (84) und Gertrud (74). Ihnen zelebrierte er zum Festtag in der St. Leodegarkirche in Riedern einen Gottesdienst.
Eigentlich habe er nur ein paar Tage bleiben wollen, aber der Heilige Vater habe ihm gleich zwei Wochen frei gegegeben. Diese nahm er nach all dem Stress seit der Papstwahl im April ganz gerne an. Gänswein, der von der Frühmesse bis zum Abendspaziergang an der Seite des Papstes ist, gilt als sein engster Vertrauter. Was die formalen Grenzen nie beseitigt habe: «Ich sage immer Heiliger Vater zu ihm.»
«Don Giorgio», wie er im Vatikan genannt wird, gilt auch als «der schöne Schatten des Papstes». Monsignore Gänswein. Das ist die Stimme aus dem Hintergrund, die auf Lateinisch den Engel des Herrn beantwortet.
Das Haus in Riedern ist ein altes Bauernhaus mit üppigen Hängegeranien an den Fenstern. Der hoch gewachsene, sportlich aussehende Mann im schwarzen Anzug mit Römerkragen heisst mich eintreten. Wir sitzen in der guten Stube. Eine Polstergruppe aus gelblichem Cordsamt, ein Salontisch aus den Sechzigerjahren und eine Bücherwand. Auf der Häkeltischdecke ein paar Fotos. Die Stubendecke ist niedrig: «Das Haus befindet sich in der der dritten Generation im Familienbesitz.» Georg Gänswein kam am 30. Juli 1956 als ältestes von fünf Kindern zur Welt. Im ehemaligen Schlafzimmer seiner Grosseltern hat er jetzt sein Zimmer. Sein Brevier betet er in der freien Natur, verbunden mit weiten Spaziergängen, auch im Schaffhauserwald.
Für die Fotos wählen wir den lieblichen Blumengarten seiner Mutter. Die goldenen Sonnenstrahlen des kalendarisch letzten Sommertages umspielen Geranien, Rittersporn, Dahlien, Margeriten und Astern. «Wie soll ich mich am besten hinstellen fürs Bild?», fragt, fast schüchtern, der hohe Kirchenmann, der noch am selben Nachmittag wieder zurück nach Rom fliegt.Vor drei Jahren holte ihn Kardinal Ratzinger, damals noch Chef der Glaubenskongregation, als Privatsekretär zu sich. Als er Papst wurde, nahm er Gänswein, der zwei Doktortitel innehat, mit in den Apostolischen Palast. Römische Medien schwärmen von ihm als dem «George Clooney des Vatikans. Gänswein lachend:«Ich wusste erst gar nicht, wer Clooney ist.» Auch wurde er, seiner Ähnlichkeit mit Richard Chamberlain wegen, schon mal als Lustobjekt der weiblichen Begierde abgehandelt, ja gar als «Dornenvogel» bezeichnet.
Doch Monsignore, der während seinem Studium sein Geld als Skilehrer am Feldberg verdiente, ist seit seiner Priesterweihe im Jahr 1984 für schwärmende Damen tabu und ein ernsthafter Theologe, der nur Gott in seiner täglichen Arbeit sucht.
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Und nun Artikel Nummer 2 (August 2005)
(Vorabwarnung für alle Fans: Der Autor scheint GG nicht allzu sehr zu mögen

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[G][DIM]12pt[=DIM]Wer ist Georg Gänswein?[/DIM][/G]
[G]WAS BRACHTE DEN SKILEHRER GÄNSWEIN DAZU, PRIESTER ZU WERDEN?[/G]
Georg Gänswein stammt aus dem Schwarzwald, aus Riedern genauer gesagt, einem 400-Seelen-Dorf südöstlich des Schluchsees. Der Vater ist Schmiedemeister; auf Georg folgen noch vier weitere Kinder; eine im Katholizismus verwurzelte, ins dörfliche Vereinswesen integrierte Familie. Die Kinder fahren Ski auf den Hängen des Hochschwarzwalds um das Dorf herum, Georg, sportlich durchtrainiert bis heute, sowieso. Während des Studiums arbeitete er als Jugend-Skilehrer, um Geld zu verdienen.
Aber Georg Gänswein ist kein "Spätberufener" - nicht einer also, der zuerst sein Glück in einem anderen Beruf sucht und sich später zum Priesterleben bekehrt. Zwar erwartet der Vater offenbar, dass sein Ältester den Betrieb übernimmt, aber er drängt ihn nicht, lässt ihn aufs Wirtschaftsgymnasium in Waldshut gehen, und schon während dieser Zeit bringen ihn Freunde, Pfarrer, Jesuitenpatres auf den Geschmack: Gleich nach dem Abitur 1976 tritt Georg Gänswein ins Freiburger Priesterseminar ein.
Erzbischof Oskar Saier erkennt bald den scharfen Intellekt des jungen Studenten; er lässt ihn für ein Jahr an die Jesuitenhochschule Gregoriana in Rom, und dann - nach der Priesterweihe 1984 und zwei Kaplansjahren in der Schwarzwaldstadt Oberkirch - schickt er Gänswein an die Universität München; eines Tages soll er "Offizial" werden, Leiter der kirchlichen Gerichtsbarkeit in der Erzdiözese Freiburg.
Doch dazu kommt es nicht. 1994 macht Saier den für seinen elegant-aufwändigen Lebensstil, seine Maßanzüge und seine "nur vom Feinsten" eingerichtete Wohnung bespöttelten Gänswein zum Domkapitular und zu seinem persönlichen Referenten. Doch die beiden - der eher schüchterne, vorsichtige Erzbischof und der forsche Gänswein - verkrachen sich ziemlich schnell. Es ist die Zeit, in der die südwestdeutschen Bischöfe Karl Lehmann (Mainz), Walter Kasper (Stuttgart) und eben Oskar Saier mit Kardinal Joseph Ratzinger in Streit geraten. Sie wollen bei der Glaubenskongregation ein Zugeständnis in einem brennenden Problem der Seelsorge erreichen: Wiederverheiratete Geschiedene sollen - so die theologisch bestens fundierte Anregung der drei - im Einzelfall, nach reiflicher Gewissensentscheidung zur Kommunion gehen dürfen.
Doch Ratzinger schickt eine autoritäre, scharfe Absage. Erzbischof Saier, ohnehin zittrig und ängstlich angesichts seines "Aufbegehrens", findet in seinem jungen Kirchenrechtler nicht die Unterstützung, die er gebraucht hätte. Er spürt vielmehr, dass Gänswein in dieser und in weiteren Fragen die dogmatisch unerbittliche Position Roms teilt; und so lässt Saier seinen Referenten schon ein Jahr später, liebend gerne, einem Ruf aus dem Vatikan folgen.
Für Gänswein folgt ein Jahr Sakramentenkongregation, dann der Wechsel als Sachbearbeiter für allerlei Deutsches zu Ratzinger in die Glaubensbehörde. Dort fällt er, aufwärts strebend, nicht nur durch Freundlichkeit auf. Mit Ratzingers Privatsekretär damals, Josef Clemens, soll Gänswein um die persönliche Nähe zum Chef gewetteifert haben. Im "Konradsblatt", der Wochenzeitung seiner Heimatdiözese Freiburg, spielt er seine römische, seine "höhere" Position aus und schickt barsch abkanzelnde Leserbriefe, sobald er Abweichungen von der reinen Lehre wittert. Im Jahr 2000 erschreckt die Freiburger sogar das Gerücht, Gänswein solle dem "schwachen, liberalen" Erzbischof Saier als "Wachhund aus Rom" zur Seite gestellt und dann auch Bischof werden.
2003 entscheidet Ratzinger anders. Er macht Gänswein zu seinem persönlichen Sekretär. Intellektuell und in der Gabe zu geschliffener Formulierung, heißt es, seien sich die beiden sehr nahe; Gänswein wird sogar noch für konservativer gehalten als sein Chef: Nicht umsonst hat ihn die Opus-Dei-Universität Santa Croce in Rom als Dozent verpflichtet.
[G]GÄNSWEIN GILT ALS THEOLOGE MIT UNGEWÖHNLICHER AUSSTRAHLUNG, AUCH AUF NICHTGLÄUBIGE. WAS ZEICHNET IHN MENSCHLICH AUS?[/G]
Italiens Frauenwelt ist hingerissen. Bunte Magazine präsentieren den Blonden mit den unwiderstehlich blauen Augen auf ihren Titelseiten; sie nennen ihn den "George Clooney der katholischen Kirche" und finden ihn "faszinierender als Hugh Grant". Sogar die "Weltwoche" aus der biederen Schweiz hält Gänswein für "unbestritten den schönsten Mann im Talar, der je im Vatikan zu sehen war".
Noch nie hat der Sekretär eines Papstes so eine Aufmerksamkeit erregt wie Georg Gänswein: sportlich, aktiver Tennisspieler und Skifahrer - Gran Sasso eben statt Feldberg -, schlank, hochgewachsen, ein Freund guten Essens und ein ungezwungener, locker plaudernder Tischgenosse auf stimmungsvollen Plätzen der römischen Altstadt. Vor drei Wochen ist Gänswein 49 Jahre alt geworden, aber er sieht jünger aus - schon gar nicht so verkniffen und grau wie sein Vorgänger Stanislaw Dziwisz, den das auf "bella figura" bedachte Rom 26 Jahre lang als Privatsekretär von Johannes Paul II. zu ertragen hatte.
[G]ER VERBRINGT DIE MEISTE ZEIT MIT DEM PAPST. WELCHEN ANTEIL HAT ER AN DESSEN BILD IN DER ÖFFENTLICHKEIT?[/G]
Stanislaw Dziwisz, Gänsweins Vorgänger, galt als "Zerberus" im "Appartamento" des Papstes. Je gebrechlicher Johannes Paul II. wurde, desto eifersüchtiger schirmte Dziwisz seinen väterlichen Freund ab. Er wachte über Aus- und Eingang; selbst hochrangige Kurienvertreter mussten erleben, dass Dziwisz ihnen an der Tür die Akten abnahm und sie gar nicht erst zum Papst vorließ. Ob der todkranke, stumme Johannes Paul II. sich zuletzt wirklich noch der Öffentlichkeit zeigen wollte oder ob sein Privatsekretär ihn vorgeführt hat, ist bis heute ungeklärt.
Für das Bild des Kirchenoberhaupts aber ist normalerweise nicht der Privatsekretär verantwortlich; das "designt" der Papst selbst (Johannes Paul II.) und - bei Benedikt XVI. am Anfang noch mehr - Pressesprecher Joaquin Navarro-Valls. Der Privatsekretär hat "nur" die Aufgabe, das Arbeitsleben des Papstes so zu organisieren, dass dieser in Brieffluten, Terminen, Audienzen oder Reisen nicht untergeht. Genau diese Aufgabe, dem Chef den Rücken frei zu halten und andere nach deutschen Effizienzvorstellungen arbeiten zu lassen, erledigt Gänswein nach bisherigem Anschein recht professionell - und mit höchster Diskretion: Aus dem "Appartamento" ist bisher noch nicht einmal seine Bestellung zum Privatsekretär nach außen gedrungen.
Andererseits gibt es Indizien dafür, dass das Zusammenspiel zwischen dem Staatssekretariat - der personell unveränderten, höchsten "politischen" Behörde des Vatikans - und dem neuen Papst noch nicht ohne Friktionen, Missverständnisse oder gar Definitionsgerangel funktioniert. Unter Johannes Paul II. wäre Staatssekretär Angelo Sodano kaum auf die Idee gekommen, einen außenpolitisch brisanten Meinungsschwenk auf eigene Faust zu vollziehen: Die Terroranschläge in London hatte er zunächst als "antichristlich" gebrandmarkt; ohne Rücksprache mit dem Papst hatte er die Erklärung bereits an die Presseagenturen versandt.
Johannes Paul II. hatte seinem Privatsekretär eine in der Kirchengeschichte einmalige Position verschafft: Damit Dziwisz sich, als Pole zumal, in der Kurienhierarchie behaupten konnte, ernannte er Dziwisz zum Erzbischof - Georg Gänswein steht rangmäßig noch weit darunter. Er ist erst "Monsignore".
[G]IM VATIKAN IST ER EINER DER JÜNGSTEN. WAS KANN AUS IHM NOCH WERDEN?[/G]
Nun ja, als Stanislaw Dziwisz päpstlicher Privatsekretär wurde, war er noch zehn Jahre jünger als Gänswein heute - wie auch Johannes Paul II. bei Amtsantritt sehr jung war: 58 Jahre gegenüber Benedikts 78 Jahren von heute. Dziwisz wurde nach dem Tod seines Chefs mit Krakau belohnt, einem der zwei bedeutendsten Bistümer seiner Heimat. Auch Gänswein ist noch jung genug, um in seiner jetzigen Position noch nicht das Ende seiner Karriere sehen zu müssen. Ob er im Vatikan bleibt oder später doch auf einen prestigeträchtigen deutschen Bischofsstuhl wechselt, wird vom nächsten Papst abhängen - aber auch davon, wie viele Freunde oder Feinde sich der nach außen freundliche, nach innen durchaus herrische bis barsche Schwarzwälder in der Kurie noch macht.<p><font class='xsmall'>[<i>Modificato da mona24 22/08/2006 13.59</i>]</font></p>