Zur Heiligsprechung Frei Galvãos
Die Eucharistie, Quelle der Heiligkeit und Mitte der Evangelisierung:
Benedikt XVI. sprach ersten Brasilianer heilig
Frei Antônio de Sant’Ana Galvão OFM, Priester und Gründer des Frauenklosters „Recolhimento da Luz“ (1739-1822)
SAO PAULO, 11. Mai 2007 (ZENIT.org). Der dritte Tag der Apostolischen Reise Papst Benedikts XVI. fand seinen Höhepunkt in der Heiligsprechung von Frei Antônio de Sant’Ana Galvão OFM.
Frei Galvão wurde im Jahr 1739 in einer zutiefst gläubigen Familie geboren. Mit 13 Jahren begann er seine Ausbildung bei den Jesuitenpatres von Bahia, musste aber vier Jahre später aufgrund der Verfolgung des Jesuitenordens in den Franziskanerkonvent von Taubaté eintreten. 1762 empfing er die Priesterweihe. Frei Galvão, der sich aufgrund seiner tiefen Verehrung der Unbefleckten Empfängnis einen Namen machte, wurde zum Beichtvater und geistlichem Direktor von „Unserer Lieben Frau von der Empfängnis“ ernannt. Noch zu Lebzeiten erklärte ihn der Senat der Stadt São Paulo im Jahr 1798 zum „Mann des Friedens und der Nächstenliebe“. Frei Galvão starb am 23. Dezember 1822 in São Paulo und wurde in dem von ihm errichteten „Monasteiro da Luz“ bestattet.
Benedikt XVI. hob in seiner Predigt das wesentlich eucharistische Leben der Kirche hervor. Er würdigte die priesterliche Gestalt des Franziskanerpaters Frei Galvão, die ganz von der Nächstenliebe durchdrungen gewesen sei, und betonte, dass der neue Heilige in- und außerhalb der Ehe die Sehnsucht nach der Treue zu Gott wecke.
Benedikt XVI. hob mit einem Psalmwort an: „Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund“ (Ps 34,2). Gott sei für die Gnade der Heiligsprechung von Frei Antônio de Sant’Ana Galvão zu loben. Die Erhebung des ersten gebürtigen Brasilianers zur Ehre der Altäre erfülle ihn mit großer Freude. Der Heilige Geist habe durch Frei Galvão die Evangelisierung in viele Seelen eingeprägt. Sein gelebtes franziskanisches Charisma habe ihn als Verehrer der Unbefleckten Empfängnis Mariens, als deren Sohn und Knecht er sich betrachtet habe, zum glühenden Anbeter der Eucharistie gemacht, zum weisen und klugen Seelenführer.
Gott komme uns durch sein Wort und in den Sakramenten entgegen, besonders in der Eucharistie offenbart er sich. Die heilige Eucharistie enthalte „das ganze geistliche Gut der Kirche: Christus selbst, das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, vom Heiligen Geist lebendig gemacht wird. Sie spendet das Leben, weil sie den Menschen das Leben schenkt.“
Es sei Aufgabe des geweihten Dieners der Kirche, den Menschen den Glauben der Kirche beizubringen: durch die Vorbildlichkeit, mit der man die Riten vollziehe, die stets auf die eucharistische Liturgie als den Mittelpunkt des ganzen Werkes der Evangelisierung hinwiesen.
Beispielhaft sei Frei Galvão in seiner Bereitschaft zum Dienst am Menschen gewesen; diesen Dienst habe er vor allem durch die Vermittlung der Barmherzigkeit Gottes verwirklicht. Die Bekehrung der Sünder sei die „große Leidenschaft“ dieses neuen Heiligen gewesen.
Der Ruf seiner tiefen Nächstenliebe, die der Liebe Christi entstammte, sei grenzenlos gewesen, fuhr der Heilige Vater fort. Menschen aus ganz Brasilien seien zu ihm gekommen, um seinen Beistand zu erbitten. „Auch das Wirken der Kirche und der Christen in der Gesellschaft muss diese Inspiration vorweisen“, kommentierte Benedikt XVI. Alle pastoralen Initiativen, die auf das Soziale ausgerichtet sind, sollten diese Prägung in sich haben.
Der Papst erinnerte die Teilnehmer der Eucharistiefeier an das Leitthema der V. Generalskonferenz des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats: „Jünger und Missionare Jesu Christi sein, damit unsere Völker in ihm das Leben haben“, und bekräftigte, dass in Christus die Antworten auf die Herausforderungen enthalten seien, vor denen die Kirche und Lateinamerika stünden.
Frei Galvão habe die Wahrheit der Unbefleckten Empfängnis bekräftigt: Maria, „tota pulchra“, wolle das endgültige Siegel unserer Begegnung mit Gott sein. Gerade Frei Galvão habe ein besonderes Beispiel der Nachfolge hinterlassen, das in einer Zeit des Hedonismus sehr aktuell klinge: „Nimm mir eher das Leben, bevor ich deinen gebenedeiten Sohn, meinen Herrn, beleidige.“ Ein derartig kräftiges Wort sollte nach Worten des Heiligen Vaters zum gewöhnlichen Alltag jedes Christen gehören, unabhängig davon, ob er ein geweihtes oder nicht geweihtes Leben führe.
„Die Welt bedarf klarer Leben, heller Seelen, einfacher Denker, die sich weigern, als Geschöpfe betrachtet zu werden, die Gegenstand der Lust sind. Es ist notwendig, Nein zu sagen zu jenen Kommunikationsmitteln, die die Heiligkeit der Ehe und die Jungfräulichkeit vor der Ehe lächerlich machen.“
Die Mutter Gottes sei der beste Schutz gegen diese Übel, bekräftigte Benedikt XVI.; die Marienverehrung schütze und helfe dem Menschen in der Stunde der Versuchung.
Am Ende seiner Predigt erinnerte der Papst an seine Worte bei der Gebetsvigil auf dem Marienfeld bei Köln im Sommer 2005: „Nur von den Heiligen, nur von Gott her kommt die wirkliche Revolution, die grundlegende Änderung der Welt.“ So forderte Benedikt XVI. wieder dazu auf, heilig zu sein, wie Gott heilig ist.