"Glaube hat mit Demokratie nichts zu tun"
Ex-Bundesminster Prof. Hans Apel (Protestant) hat dem Bonifatiuswerk ein (wie ich finde) sehr lesenswertes Interview über die Situation der Kirche(n) in Deutschland gegeben.
Das gesamte Interview ist hier zu finden: [URL=http://www.bonifatiuswerk.de/bonifatiuswerk/leseecke/interviews/2006_06_07_apel.php ]http://www.bonifatiuswerk.de/bonifatiuswerk/leseecke/interviews/2006_06_07_apel.php [/URL]
Einige Auszüge:
[...] [G]Deutschland ist Missionsland. In Ostdeutschland gehören fast 2/3 der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft mehr an. Wie können wir diese Entwicklung stoppen? [/G]
Selbst in Ostdeutschland erkenne ich Glaubensansätze, weil die Kinder der atheistischen Väter und Mütter doch nach neuen Antworten suchen. Aber insgesamt können wir für Deutschland nicht vermeiden, dass Kirche und Christentum in Minderheit gerät - wahrscheinlicher, längst in der Minderheit ist. Wir werden die Menschen nur dadurch zurückgewinnen, dass wir ganz persönlich als Christ mit Ihnen reden, alles andere ist hoffnungslos. [...]
[G] Das Glaubensbild der Menschen hat sich geändert. Man pickt sich das heraus, was einem gefällt. Kann eine solche "Patchwork-Religion" Halt und Orientierung geben?[/G]
Wir können Menschen nicht daran hindern "Patchwork-Religionen" für sich selbst zu wollen. Aber mein Eindruck ist, je mehr Kirche dem nachgibt, umso schwächer wird sie. Deswegen bin ich da ganz und gar mit dem derzeitigen Papst einer Meinung. Das Vorbild der Landeskirchen macht deutlich: wenn man diesen Weg der Anpassung geht, hat man endgültig verloren. Das heißt nicht, dass man auch überlegen muss, ob man nicht theologische Frontbegradigungen vornehmen kann. Nur eins ist für mich absolut klar: Wer den Weg der Anpassung an den Zeitgeist konsequent geht, der zerstört nicht nur Glauben und Kirche, sondern er bietet niemandem eine vernünftige Perspektive. [...]
[G]Frage: Hat die katholische Kirche den Vorteil, dass sie ein zentrales theologisches Amt, dass sie den Papst hat?[/G]
Davon bin ich fest überzeugt. Ich habe ein neues Buch geschrieben, dass demnächst erscheint. Dazu meinte der Lektor, eigentlich müsste ich katholisch werden, weil ich sie immer wieder lobe. Das werde ich nicht tun. Aber ich sehe in der Tat, ohne das zentrale Lehramt wäre die katholische Kirche genauso in Schwierigkeiten, wie die protestantischen Landeskirchen. Das ändert allerdings nichts daran, dass sie in Schwierigkeiten kommen wird, weil die Entwicklungen, die wir sehen, auch die katholische Kirche treffen werden. [...]
[G]Frage: Ökumene - das ist immer auch die Erfahrung des Trennenden. Wie beurteilen Sie als evangelischer Christ die Funktion und die Position des Papstes, jetzt ganz im speziellen auch des Papstes Benedikt XVI?[/G]
Mich interessiert nur am Rande, dass der derzeitige Papst ein Deutscher ist. Was mich sehr interessiert: alles, was er geschrieben hat, noch als Kardinal. Das ist von höchster Bedeutung für mich als Christ, aber auch für alle Christen. Er hat dort, wie ich finde, in einer klaren Position geschrieben, was Glaube ist, dass Glaube nicht Mehrheitsmeinung bedeutet. Er hat deutlich gemacht, wo die katholische Kirche steht. Er wird sicherlich für manche liberalen Katholiken, ein Ärgernis werden können. Das muss ihn aber überhaupt nicht stören, denn er ist der Fels. [...] Mein Eindruck ist, dass die Menschen auf dieser Erde, auf der sie leben, einen liebenden Vater haben wollen; sie wollen, dass dieser Vater ihnen hilft, dass er sie bewahrt vor allem Bösen, dass sie ihn ansprechen können, dass er zuhört, ob er das dann tut, was sie wünschen, ist seine Entscheidung. [...]