Neuerlicher Beitrag
Der nun folgende Beitrag aus der Feder Gabriellas fasst die Geschehnisse des Jahres 2005 in Rom zusammen, angefangen vom Osterfest 2005, über den Tod Johannes Pauls II., dessen Beerdigung, den Beginn des Konklaves und schließlich die Wahl des neuen Papstes und dessen Präsentation auf der Mittelloggia des Petersdoms:
ER WIRD SICH BENEDIKT (BENEDETTO) NENNEN
Das Rauschen der dunklen Kutte, die kaum sichtbare (??) Bewegung des zügigen Schrittes des Kardinals hallt quasi wieder unter den weiten Arkaden des stillen Kreuzganges. Dass scharlachrote, leicht schiefe Zucchetto hebt sich von seinen dichten, glatten Haaren ab. Vom Halbschatten des großen Gesichtes, von den robusten und leicht strengen Gesichtszügen stehen zwei Wasserspiegel heraus, lebhaft und aufmerksam.
Die Finger gebeugt und an das Kinn gelehnt, sticht nur das goldene Kreuz heraus, und der wertvolle Ring, den man an seinem Finger bewundern kann. Die elegante und aufrechte Körperhaltung kündet nichts von seinem Alter, lang ist die weiche Krümmung seines Rückens. Das hohe Band aus rotem Satin umschließt die Taille und, fällt gesittet an einer Seite herab, es verheddern sich unaufhörlich die langen Fransen im Rhythmus seines Gangs.
- Eure Eminenz …-
Mit heißer, unterdrückter Stimme die noch überzeugender wirkt, durch das die Gelassenheit des vertrauensvollen Tons antwortet der faszinierende deutsche Purpurträger mit höflicher Freundlichkeit.
Eine unvorhergesehene Sanftheit nimmt mich gefangen und tröstet mich an jenem Karfreitagabend.
Am Ostermorgen erleuchtet eine diesige Sonne den großen Platz.
Der Heilige Vater zelebriert dieses Mal nicht, er kann dies nie wieder tun.
Gekleidet in dieses blasse, vergoldete Kasel erkenne ich den Kardinal, der zusammen mit seinen Mitbrüdern auf dem Sagrato sitzt.
Die heutige Messe war enttäuschend. Der Segen, der sie abschloss, war eine Qual.
Seine Augen, die Spuren des ganzes Stresses und von wenig Schlaf aufwiesen, reflektierten das Grau der Wolken.
An jenem trüben Tag der traurigsten aller Liturgien, verlässt die Basilika die nicht-enden-wollende Theorie der Zelebranten: zwei lange Reihen roter Kasel, bizarr durcheinander gewirbelt durch den Wind, setzen sich zu beiden Seiten des Altars im Halbkreis nieder, den sie umrunden wie Tänzerinnen in einer zauberhaften Choreographie. Am Ende dieser langen Schlange erscheint endlich der Kardinaldekan.
Ich freue mich, ihn wieder zu sehen. Er setzt sich regungslos hin, und hat die Hände auf die Knie gelegt.
Sein Blick ist ernst, er wirkt in unerschütterlicher Weise gefasst, quasi abwesend, aber lebhaft und forschend, die dünnen Lippen geschlossen zu einer verbitterten Grimasse.
Es ist in Momenten wie diesem, dass die Schönheit seines Gesichts besonders stark zum Ausdruck kommt so intensiv und unwiderstehlich, unterwürfig und entwaffnend.
Stehend, beginnt er seine tadellose mitreißende Predigt vorzutragen:
Vom Akzent angefangen, in Kombination mit der Langsamkeit des Rhythmus’ des Vortrags, geht es fein abgestimmt über in einer unerwarteten und ermunternde Sanftheit der Stimme.
Mit der rechten Hand, die er erhoben hat unterstreicht er einige Passagen, während der Wind immer wieder die Seiten des Evangeliums durchblättert, das geöffnet auf dem Sarg aus Zypressenholz liegt. Wie in einem minutiös geplanten Spielfilm.
Immer wieder richtet sich sein Blick über die regenbogenfarbenen Transparente geradeaus über die unendliche Menge, die vor ihm steht. Wellen des Applauses und leidenschaftliche Ausrufe unterbrechen ihn immer wieder: die feinen Wimpern schlagen schnell während er respektvoll innehält und zuhört. Jetzt zeigt er mit erhobenem Zeigefinger in den Himmel. Vielfach in Großaufnahme und da er die großen Brillengläser trägt, sind seine schönen Augen immer wieder zu sehen, die sich so auszudehnen scheinen, als ob sie sich mit dem Himmel vermischen.
Die Ärmel des schwarzen Talars lugen aus dem weißen Oberteil hervor, am Arm die Uhr, während er den suggestiven und eintönigen Singsang [der Liturgie] in seinem Latein mit bayrischem Akzent flüstert. Die Haarsträhne zerzaust im Gesicht, hat er schließlich das Privileg, den Sarg seines großen Freundes mit Weihrauch zu ehren. Der despektierliche Wind schlägt das Buch endgültig zu.
Nach Tagen der Anspannung und der Trauer künden die großen Glocken, die nach dem letzten unerbittlichen Schlagen, seit Tagen still und unbeweglich geblieben waren, bieten genau diese Glocken nun alle ihre würdige bronzene Legierung auf, um die Große Freude anzukündigen.
Während die Minuten schier unendlich schienen, kommt eine Gemütesregung in mir hoch, der meinen ganzen Körper gefangen nimmt: die Herzschläge nehmen zu, und ich habe den Eindruck, dass mir der Atem fehlt und das mir das Herz bis zum Hals schlägt: Ich habe den Eindruck, als wollte das Herz zu meinen Ohren hinauskommen und zerbrechen in eine Unmenge leuchtend kleiner Stücke.
- HABEMUS PAPAM -
Der derbe und scharfe Klang seines schönen Nachnamens, voller Konsonanten, wird in die Luft hinein geworfen. … Mein Gott, er ist es!! Er ist es wirklich!!!
Ich wollte ihn ich wusste es und ich hatte so ein Gefühl! Herr, ich danke Dir.
Eine zuerst ungläubige, perplexe, Zufriedenheit verwandelt sich in eine immense Freude die so leidenschaftlich und übertrieben ist, aber die mich gefangen nimmt und bereits unbändig, und in befreiender Weise überschwänglich wird und mich dazu veranlasste, der göttlichen Vorsehung inbrünstig zu danken für all das, was er ihm gewährt hat.
Ich habe seine Auftritte verfolgt, ich habe ihn bewundert und ich habe ihn mir gewünscht.
Ich habe mit all meiner Kraft dafür gebetet, dass er gewählt werden würde, den Kandidaten meines Herzens, für den ich wollte, dass er den Preis erhält.
Er wird sich Benedetto / Benedikt nennen, ein schöner Name und reich an vertrauter Freude. Das gleiche, was ich mir für ihn gewünscht hatte.
Noch einige Sekunden und dann habe ich die viel erwartete Bestätigung vor mir: Da ist er. Da erscheint er, endlich gewählt, der Auserwählte, der sich auf der großen Loggia zeigt, die sich auf halber Höhe zwischen dem Himmel und der Erde befindet.
Ich erkenne ihn fast nicht. Er hat einen anderen Gesichtsausdruck, ein ungewöhnliches Lächeln. Er scheint ungläubig, aber bereit.
Seine Hände sind nicht mehr die eines Kardinals, aber sie müssen noch lernen, die eines Papstes zu werden. Und in unbeholfener Geste vor dem veränderten Gesichtsausdruck [beim Segen], unsicher und mit einem Ausdruck, den ich so von ihm nicht kenne. Sie versuchen sich zu erheben, die Handflächen in Richtung des Himmels, quasi um die Akklamation zu erbitten. Später nimmt er sie kreisförmig herunter, die Handflächen zeigen zur Erde hin, so als wollten sie die Geste ablehnen.
Zuerst, um die Unterbrochene Sequenz fortzusetzen. Die Arme hat er weit ausgestreckt, leicht gebogen / ökumenisch (??), und er führt sie später wieder wie in einer Umarmung zusammen.
Auch die Stimme erscheint mir so anders während seiner emotionalen, kurzen Ansprache. Er hat über den Schultern die gleiche Stola wie seine Vorgänger, von denen er die Sanftheit und die Kraft nimmt. Er hat nun auch deren Gewicht. Nun befindet er sich an ihrer Stelle.
Drei kleine Kreuzzeichen erfüllen würdig die Luft: - In nomine Patris et Filii et Spiritu(i)s Sancti.
Am späten Nachmittag eines Tages im April hat sich der einfache und demütige Arbeiter im Weinberg des Herrn auf diese Weise der Welt gezeigt.
Er ist der erste Papst des dritten Jahrtausends geworden.
Fest in der Umarmung durch die Menge, quasi eingeschüchtert, aber entschlossen, schreitet er gemächlich voran, feierlich wie eine Ikone eingehüllt in die Festlichkeit der prächtigen liturgischen Gewänder. Eine archaische Musik begleitet ihn.
Langsam, verändert sich sein Gesicht: Der mürrische Ausdruck löst sich endlich auf und ändert sich ein nie da gewesenes, breites, bezauberndes Lächeln.
Den rechten Arm erhoben, den rechten Handrücken geöffnet und fest im Gruß, vielleicht ist er selbst auch überrascht von seiner Zartheit, zeigt er die langen Finger des Pianisten, denen vor kurzem erst der neue Ring übergestreift wurde. Er scheint glücklich.
Es wiederholt sich die schon bekannte Szene, in sich der zahllose Hände nach ihm ausstrecken, nach ihm greifen, ihn berühren wollen, ihm applaudieren.
Bilder überschneiden sich mit anderen Bildern, Emotionen werden überwältig von anderen Emotionen, die Wahrnehmung wird quasi greifbar, während die durchsichtige Wässrigkeit (??) seiner Pupillen sich in einem Zucken zu einem großen blauen Tropfen vereinigt.
Ein instinktiver und zweideutiger Wunsch nach tiefgehendem physischem Kontakt, gleichsam feinfühlig und sinnlich, befremdlich wie auch beharrlich überkommt mich und ich würde ihn gerne ganz in den Arm nehmen ... Mich überkommt der herzzerreißende Wunsch nach einer Umarmung, ich habe den Wunsch ihm etwas zu sagen. Ich sehe ihn mit dem Rücken zugewandt wieder, die prächtige Tiara schwankend bei jeder kurzen Verbeugung: majestätisch und herrlich, gewährt er noch einige Kostproben seines liebenswerten Lächelns. Und scheu, während er sich auf den feierlichen Weg macht, der sein wunderbares und schreckliches Schicksal werden soll.
„Dir Benedetto, Bischof von Rom, Ruhm, Frieden und ein langes Leben.“
Aus tiefstem Herzen, Danke Joseph!
Herr, ich danke Dir.
Triest, im März 2005
Suor GABRIELLA.JOSEPHINE
Ordine Benedettino delle Suore delle Sante Coccole al Romano Pontefice
"OMNIA POSSUNT IN EO QUI ME CONFORTAT"
"BENEDIKT ICH LIEBE DICH"