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Kirsty1
Thursday, February 09, 2006 9:17 PM
Benedikt XVI.: "Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe"

Generalaudienz im Zeichen von Psalm 145

ROM, 8. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Mittwochvormittag in der Audienzhalle Paul VI. hilet. Der Heilige Vater betrachtete den zweiten Teil von Psalm 145, einem Danklied auf die Größe des Herrn, und betonte, dass Gott zuallererst ein fürsorglicher Vater und liebenwerter König sei, "der sich um seine Geschöpfe kümmert".



* * *



Der Herr stützt alle, die fallen,
und richtet alle Gebeugten auf.
Aller Augen warten auf dich
und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.

Du öffnest deine Hand
und sättigst alles, was lebt, nach deinem Gefallen.
Gerecht ist der Herr in allem, was er tut,
voll Huld in all seinen Werken.

Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe,
allen, die zu ihm aufrichtig rufen.
Die Wünsche derer, die ihn fürchten, erfüllt er,
er hört ihr Schreien und rettet sie.

Alle, die ihn lieben, behütet der Herr,
doch alle Frevler vernichtet er.
Mein Mund verkünde das Lob des Herrn.
Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig!



1. Der Liturgie folgend, die ihn in zwei Teile unterteilt, denken wir wieder über Psalm 145 nach, ein wunderbares Lied zu Ehren des Herrn, dieses liebenwerten Königs, der sich um seine Geschöpfe kümmert. Wir wollen jetzt den zweiten Teil betrachten, der aus den Versen 14 bis 21 besteht und in dem das Grundthema des ersten Abschnitts dieser Hymne wieder aufgenommen wird.

Es werden darin das Erbarmen, die Zärtlichkeit, die Treue und die Güte Gottes besungen, die sich auf die gesamte Menschheit erstrecken und jedes Geschöpf mit einbeziehen. Jetzt richtet der Psalmist sein Hauptaugenmerk auf die Liebe, die der Herr in besonderer Weise dem Armen und Schwachen vorbehält. Somit ist die göttliche Königswürde weder gleichgültig noch überheblich, wie es manchmal bei der Ausübung der menschlichen Macht geschehen kann. Gott bringt seine Königswürde zum Ausdruck, indem er sich vor den schwächsten und wehrlosesten Geschöpfen verneigt.

2. Tatsächlich ist er zuallererst ein Vater, der alle stützt, die fallen, und diejenigen wieder aufrichtet, die in den Staub der Demütigung gefallen sind (vgl. Vers 14). Die Lebenden sind folglich auf den Herrn hin ausgerichtet, gleichsam wie ausgehungerte Bettler, und er bietet ihnen als fürsorglicher Vater jene Nahrung an, die sie brauchen, um zu leben (vgl. Vers 15).

Über die Lippen des Beters kommt sodann ein Glaubensbekenntnis an die beiden göttlichen Eigenschaften schlechthin: Gerechtigkeit und Heiligkeit. "Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, voll Huld in all seinen Werken" (Vers 17). Im Hebräischen haben wir zwei typische Adjektive, um den Bund, der zwischen Gott und seinem Volk existiert, zu veranschaulichen: "saddiq" und "hasid". Sie bezeichnen die Gerechtigkeit, die vom Bösen retten und befreien will, und die Treue, die Zeichen der liebenswürdigen Größe des Herrn ist.

3. Der Psalmist stellt sich auf die Seite derer, die beschenkt worden sind und die er mit verschiedenen Ausdrücken beschreibt; mit Begriffen, die in der Praxis das Bild des wahren Gläubigen darstellen. Dieser ruft den Herrn im vertrauensvollen Gebet an, sucht ihn aufrichtigen Herzens (vgl. Vers 1 und "fürchtet" seinen Gott, indem er seinen Willen respektiert und seinem Wort folgt (vgl. Vers 19). Aber vor allem "liebt" er ihn und vertraut darauf, unter dem Mantel seines Schutzes und seiner Vertrautheit geborgen zu sein (vgl. Vers 20).

Das letzte Wort des Psalmisten ist in diesem Fall jenes, mit dem er seine Hymne begonnen hat: eine Einladung, Gott und seinen "Namen", das heißt seine lebendige und heilige Person, die in der Welt und in der Geschichte wirkt und heilt, zu loben und zu preisen. Ja, es handelt sich sogar um den Aufruf, dass jedes Geschöpf, das das Geschenk des Lebens empfangen hat, sich dem Lobpreis des Gläubigen anschließe: "Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig!" (Vers 21). Es ist eine Art ewiges Lied, das von der Erde zum Himmel emporsteigen soll, eine gemeinsame Feier der allumfassenden Liebe Gottes, Quelle des Friedens, der Freude und des Heils.

4. Wir wollen unsere Überlegungen abschließen, indem wir noch einmal zu diesem lieblichen Vers zurückkommen, in dem es heißt: "Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen" (Vers 1 . Dieser Satz lag Barsanuphios von Ghaza, einem Asketen, der um die Mitte des sechsten Jahrhunderts starb und von Ordensleuten, Klerikern und Laien aufgrund seiner Weisheit und seiner Urteilskraft aufgesucht wurde, besonders am Herzen.

Einem Schüler zum Beispiel, der den Wunsch äußerte, "die Ursachen für die verschiedenen Versuchungen zu erforschen, die ihn heimgesucht hatten", antwortete Barsanuphios: "Bruder Johannes, hab keine Angst vor den Versuchungen, die sich gegen dich erhoben haben, um dich auf die Probe zu stellen, denn der Herr lässt dich nicht ihr Opfer werden. Also, wenn eine dieser Versuchungen auftaucht, dann mühe dich nicht damit, herausfinden zu wollen, worum es sich handelt, sondern ruf laut den Namen Jesu: 'Jesus, hilf mir.' Und er wird dich erhören, denn 'der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe'. Lass dich nicht entmutigen, sondern lauf voller Leidenschaft, und du wirst das Ziel erreichen in Christus Jesus, unseren Herrn" (Barsanuphius und Johannes von Ghaza, "Epistolario", 39: "Collana di Testi Patristici", XCIII, Rom 1991, 109).

Und diese Worte des alten Priesters gelten auch für uns. In unseren Schwierigkeiten, Problemen und Versuchungen dürfen wir nicht nur eine theoretische Reflexion anstellen –
woher kommen sie? –, sondern müssen positiv reagieren, indem wir den Herrn anrufen, den lebendigen Kontakt mit dem Herrn aufrechterhalten. Mehr noch: Wir müssen laut den Namen des Herrn rufen: "Jesus, hilf mir!" Und wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns hört, weil er dem nahe ist, der ihn sucht. Lassen wir uns nicht entmutigen, sondern laufen wir stattdessen "mit Leidenschaft", wie dieser Priester sagt, und auch wir werden das Leben erlangen: Jesus, den Herrn.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Im Anschluss wandte sich der Heilige Vater den Pilgergruppen zu und grüßte sie. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Gott schenkt seine Liebe in besonderer Weise den Armen und Schwachen. Im Psalm 145 haben wir soeben gehört: "Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet die Gebeugten auf" (Vers 14). Gerade in dieser liebevollen Zuwendung zeigt Gott sich als König und Herr. Er ist allen nahe, die zu ihm rufen. Er ist der Vater, der für die Seinen sorgt, der seine Hand öffnet und ihnen Speise gibt.

Der Lobpreis der Werke des Herrn geht im Psalm einher mit dem Bekenntnis der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes. Gerecht ist der Herr, denn er heilt und rettet vom Bösen und ist seinem Volk treu. Alle, denen Gott seine Wohltaten erweist, sind aufgefordert, in das gemeinschaftliche Lob der universalen Liebe Gottes einzustimmen: "Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig" (Vers 21).

Gerne grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Ein ganz herzliches Grüß Gott sage ich meinen bayerischen Landsleuten, insbesondere der Delegation der Stadt Traunstein, die ihre Nähe zum Nachfolger Petri bekunden will. Mit Freude heiße ich auch die Jugendlichen aus den Ländern des Mitteleuropäischen Katholikentags willkommen, die unter der Führung des Wiener Erzbischofs nach Rom gepilgert sind.

Liebe Freunde, vertraut euer ganzes Leben auf die Hilfe des Herrn und bringt das Licht des Glaubens und die Liebe Gottes in eure Familien und zu euren Mitmenschen. Der Herr stärke euch heute und alle Tage mit seiner heiligen Gegenwart!



www.zenit.org/german/
Kirsty1
Friday, February 10, 2006 2:45 PM
Benedikt XVI. über Ehe, Familie und den Schutz des menschlichen Lebens

Ansprache an die Vertreter der römischen Stadt- und Landesverwaltung

ROM, 10. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache Benedikts XVI. an die politischen Vertreter und Mitarbeiter der Verwaltungseinrichtungen der Stadt und Provinz Rom sowie der Region Latium vom 12. Januar. Der Heilige Vater führte den Politikern, die ihn im Clementina-Saal des Apostolischen Palastes besucht hatten, mit Worten Johannes Pauls II. ihre enorme Verantwortung vor Augen und forderte sie auf, das menschliche Leben zu schützen sowie Ehe und Familie tatkräftig zu unterstützen. Die Achtung der Ehe, so Benedikt XVI., "ist wesentlich für das Wohl der Person und der Gesellschaft".



* * *



Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Freude empfange ich Sie zu dem traditionellen Glückwunschaustausch zu Beginn dieses neuen Jahres, das auch das erste meines Amtes als Bischof von Rom und als Hirt der Gesamtkirche ist. Dieser Anlass ist eine willkommene Gelegenheit, jene zwischen dem Nachfolger Petri und der Stadt Rom, ihrer Provinz und der Region Latium bestehenden Bande zu bekräftigen und zu stärken, die sich im Laufe der 2000-jährigen Geschichte entwickelt und gefestigt haben. Herzlich und hochachtungsvoll grüße ich den Präsidenten der Region Latium, Herrn Pietro Marrazzo, den Bürgermeister von Rom, Herrn Abgeordneten Walter Veltroni, und den Präsidenten der Provinz Rom, Herrn Enrico Gasbarra, und danke ihnen für die freundlichen Worte, die sie auch im Namen der von ihnen geleiteten Verwaltungsbehörden an mich gerichtet haben. Mit ihnen grüße ich auch die Präsidenten der jeweiligen Ratsversammlungen sowie alle, die sich hier eingefunden haben.

Vor allem ist es mir ein Bedürfnis, durch Sie allen Bürgern und Einwohnern Roms und Latiums meine Zuneigung und pastorale Sorge auszudrücken, wozu ich mir die Worte zu Eigen mache, die mein verehrter Vorgänger und Diener Gottes, Johannes Paul II., am 15. Januar 1998 bei seinem Besuch auf dem Kapitol gebrauchte: "Der Herr hat dir, Rom, die Aufgabe anvertraut, in der Welt 'prima inter Urbes', die 'Erste unter den Städten' zu sein, ein Leuchtturm der Zivilisation und des Glaubens. Sei auf der Höhe deiner ehrenvollen Vergangenheit, des Evangeliums, das dir anvertraut wurde, der Märtyrer und Heiligen, die deinen Namen groß gemacht haben. Öffne, Rom, die Reichtümer deines Herzens und deiner Jahrtausende alten Geschichte für Christus. Fürchte dich nicht, denn er wird deine Freiheit nicht einschränken und deine Größe nicht erniedrigen. Er liebt dich und möchte dich deiner zivilen und religiösen Berufung würdig machen, damit du weiterhin die Schätze des Glaubens, der Kultur und der Menschlichkeit an deine Söhne und Töchter und an die Menschen unserer Zeit austeilst" (in Osservatore Romano dt., Nr. 5, 30.1.1998, .

In den Monaten der Krankheit Johannes Pauls II. und im Augenblick seines Todes hat die Bevölkerung Roms und Latiums die Liebe des Papstes mit großer Tiefe und außerordentlicher und bewegender Deutlichkeit erwidert. Bei dem heutigen Anlass möchte ich Ihnen, verehrte Damen und Herrn, wie auch den Institutionen, die Sie vertreten, aufrichtig für Ihren Beitrag zum Empfang von Millionen von Menschen danken, die aus allen Teilen der Welt nach Rom gekommen sind, um dem verstorbenen Papst den letzten Gruß zu erweisen, und dann auch anlässlich meiner Wahl auf den Stuhl Petri.

In Wahrheit haben Rom und Latium, wie im Übrigen auch Italien und die gesamte Menschheit, in jenen Tagen ein zutiefst spirituelles Ereignis erlebt, eine Erfahrung des Glaubens und des Gebets, der Brüderlichkeit und der Wiederentdeckung jener spirituellen Güter, die unserem Leben Würde und tiefe Bedeutung verleihen. Eine solche Erfahrung darf auch im Bereich der bürgerlichen Gesellschaft, ihrer Aufgaben und zahlreichen Verantwortlichkeiten und Verbindungen nicht ohne Früchte bleiben. Insbesondere denke ich an den wichtigen und für die Formung und das Glück der Personen wie für die Zukunft der Gesellschaft entscheidenden Bereich der Familie.

Seit nunmehr drei Jahren hat die Diözese Rom die Familie in den Mittelpunkt ihres pastoralen Einsatzes gestellt, um ihr zu helfen, den in unserem kulturellen Kontext verbreiteten Ursachen für Krisen und Mutlosigkeit entgegenzutreten und sich mit Klarheit und Überzeugung ihres Wesens und ihrer Aufgaben bewusst zu werden. Wie ich am 6. Juni des vergangenen Jahres bei der Tagung sagte, die die Diözese diesen Themen gewidmet hat, sind "Ehe und Familie in Wirklichkeit keine soziologische Zufallskonstruktion, sie sind nicht das Ergebnis besonderer historischer und wirtschaftlicher Situationen. Im Gegenteil, die Frage der richtigen Beziehung zwischen Mann und Frau hat ihre Wurzeln im tiefsten Wesen des Menschseins und kann ihre Antwort nur von daher finden." Und weiter sagte ich: "Die Ehe als Institution ist also keine widerrechtliche Einmischung der Gesellschaft oder der Obrigkeit, die Auferlegung einer Lebensform von außen im privatesten Bereich des Lebens; sie ist vielmehr der wesenseigene Anspruch des Vertrags der ehelichen Liebe" (vgl. (Ansprache anlässlich der Pastoraltagung über "Familie und christliche Gemeinschaft: Bildung der Person und Weitergabe des Glaubens" der Diözese Rom). Hier handelt es sich nicht um besondere Normen der katholischen Moral, sondern um fundamentale Wahrheiten, die unsere gemeinsame Menschlichkeit betreffen: Ihre Achtung ist wesentlich für das Wohl der Person und der Gesellschaft.

Sie fordern somit auch Ihre Verantwortung als Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und Ihre normativen Kompetenzen in zweifacher Hinsicht heraus. Zum einen sind all jene Maßnahmen äußerst angebracht, die junge Paare bei der Bildung einer Familie und auch die Familie selbst bei der Zeugung und Erziehung der Kinder unterstützen: In diesem Zusammenhang denken wir unweigerlich an Probleme wie die Kosten für Unterkunft, Kinderkrippe und Kindergarten für die kleineren Kinder. Zum anderen ist es ein schwerer Fehler, den Wert und die Funktionen der rechtskräftigen, auf der Ehe gegründeten Familie zu verdunkeln und anderen Verbindungsformen unangemessene rechtliche Anerkennung zu gewähren, für die in Wirklichkeit keine effektive soziale Notwendigkeit besteht.

Gleiche Aufmerksamkeit und gleichen Einsatz erfordert der Schutz des beginnenden menschlichen Lebens: Wir müssen Sorge tragen, dass Schwangeren, die sich in schwierigen Situationen befinden, konkrete Hilfe zukommt, und es muss vermieden werden, Medikamente einzuführen, die in irgendeiner Form den Ernst der Abtreibung als einer Entscheidung gegen das Leben verbergen. In einer alternden Gesellschaft erhalten die Unterstützung alter Menschen und all die komplexen Probleme im Zusammenhang mit der Gesundheitsfürsorge der Bürger stets größere Bedeutung. Ich möchte Sie in Ihren Bemühungen auf diesen Gebieten bestärken und hervorheben, dass im Bereich des Gesundheitswesens die beständigen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen wie auch die Initiativen zur Kostendämpfung gefördert werden sollten, dabei aber am obersten Grundsatz der zentralen Bedeutung der kranken Person unbedingt festgehalten werden muss.

Ganz besondere Beachtung verdienen die zahlreichen Fälle psychischer Leiden und Erkrankungen, auch damit die Familien, die häufig mit sehr problematischen Situationen konfrontiert sind, eine angemessene Unterstützung erhalten. Erfreulich ist, dass sich in den letzten Jahren zwischen den öffentlichen Verwaltungen der Stadt Rom, der Provinz und der Region und den Einrichtungen des kirchlichen Volontariats verschiedene Formen der Zusammenarbeit entwickelt haben, zur Linderung der alten und neuen Armut, unter der bedauerlicherweise ein keineswegs geringer Teil der Bevölkerung und vor allem zahlreiche Einwanderer leiden.

Verehrte Damen und Herren, ich versichere Sie meiner Nähe und meines täglichen Gebets für Sie persönlich wie auch für Ihre verantwortungsvolle Arbeit. Möge der Herr Ihre guten Vorhaben erleuchten und Ihnen die Kraft geben, sie zu verwirklichen. Mit diesen Empfindungen erteile ich jedem von Ihnen von Herzen meinen Apostolischen Segen, den ich mit Freude auf Ihre Familien und diejenigen ausweite, die in der Stadt Rom und ihrer Provinz sowie in der ganzen Region Latium leben und arbeiten.




www.zenit.org/german/visu...?sid=84243
Kirsty1
Friday, February 10, 2006 4:53 PM




Benedikt XVI. hofft, dass die Olympischen Winterspiele zum Frieden in der Welt beitragen

Papstbotschaft an den Erzbischof von Turin

ROM, 10. Februar 2006 (Zenit.org).- "Mögen die bevorstehenden Olympischen Spiele für alle ein beredtes Zeichen für Freundschaft werden und dazu beitragen, die Beziehungen solidarischen Verständnisses zwischen den Völkern zu vertiefen", heißt es in der Botschaft, die Benedikt XVI. zum Auftakt der Olympischen Winterspiele Kardinal Severino Poletto, dem Erzbischof von Turin, zukommen ließ.

Angesichts der "zahlreichen Spannungen" in der heutigen Welt komme man nicht umhin, die Notwendigkeit dieser Dinge zu bemerken, stellt der Papst fest. Und er fügt hinzu, dass man gerade heute erkenne, wie sehr sich der Mensch danach sehnt, "eine Zukunft aufzubauen, die von wahrem Frieden gekennzeichnet ist".

Der Heilige Vater lädt in dem Schreiben vom 29. November 2005, das eine Art christliche Kurzbetrachtung des sportlichen Wettkampfs darstellt, alle Gläubigen dazu ein, die Olympischen Spiele 2006, die am Freitagabend mit einer mehrstündigen Zeremonie im Turiner "Stadio Olimpico" feierlich eröffnet werden, dahingehend zu nutzen, über das nachzudenken, was sich vom Sport auf den geistigen Wettkampf übertragen lasse. Dazu habe schon der Apostel Paulus die Christen von Korinth ermutigt.

Licht der Welt

Benedikt XVI. nimmt auch konkret Bezug auf die Olympische Fackel: "Für Christen verweist jedes Licht auf das Fleisch gewordene Wort, das Licht der Welt, das den Menschen in all seinen Dimensionen – Sport inbegriffen – erleuchtet. Mit Ausnahme der Sünde gibt es nichts Menschliches, das der Sohn Gottes, als er Fleisch annahm, nicht geschätzt hätte. Unter den verschiedenen menschlichen Tätigkeiten befindet sich die sportliche, die ebenfalls von Gott erleuchtet werden muss – durch Christus; damit die Werte, die er zum Ausdruck bringt, auf individueller wie auf gemeinschaftlicher Ebene gereinigt und erhöht werden."

Der Bischof von Rom gratuliert Kardinal Poletto dafür, dass er "einige Priester gebeten hat, passende geistliche Exerzitien zu leiten". Diese sind auf die konkreten Bedürfnisse der Sportler und all jener Menschen, die in der einen oder anderen Weise an der Olympiade teilnehmen, zugeschnitten. Das genaue Angebot findet man auf der Homepage der Erzdiözese Turin.

Der Heilige Vater wendet sich abschließend an die Unbefleckte Jungfrau Maria. Sie bittet er um ihre himmlische Fürsprache, "damit das Licht Christi, das sie mit ihrer ganzen Existenz auf vollkommene Weise widerspiegelt, den Geist all derer erleuchten möge, die auf unterschiedliche Weise an den Olympischen Spielen teilnehmen".









www.zenit.org/german/
Kirsty1
Tuesday, February 14, 2006 12:28 PM
Benedikt XVI. über die Freude, die Wahrheit und Glauben schenken

Ansprache an die Mitglieder der Kongregation für die Glaubenslehre

ROM, 14. Februar 2006 (Zenit.org).- Der Dienst am Glauben, den die Kirche leistet, in dem sie Zeugnis für Christus ablegt, ist zugleich "ein Dienst an der Freude", erklärte Benedikt XVI. am Freitag im Vatikan.

"Der Glaube ist für das Leben der Kirche von fundamentaler Bedeutung, weil das Geschenk, das Gott in der Offenbarung von sich selbst macht, wesentlich ist. Und dieses Sich-selbst-Schenken Gottes wird im Glauben angenommen", sagte der Heilige Vater in einer Ansprache an die 100 Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für die Glaubenslehre.

Wenn der Glaube seine zentrale Stellung im Leben verliert, fuhr der Papst fort, "dann verliert auch das Gewebe des kirchlichen Lebens seine ursprüngliche Lebhaftigkeit und verdirbt. Es verkommt dann zu einem sterilen Aktivismus und reduziert sich selbst zu einer politischen Kunstfertigkeit weltlichen Stils. Werden Wahrheit und Glaube mit Einfachheit und Entschlossenheit in den Mittelpunkt der christlichen Existenz gerückt, wird das Leben des Menschen von einer Liebe beseelt, die weder Pausen noch Grenzen kennt, wie ich es in meiner jüngsten Enzyklika 'Deus caritas est' gezeigt habe."

Wahrheit und Glaube schenkten eine tiefe innere Freiheit, betonte der Heilige Vater. "Jesus ist der Polarstern der menschlichen Freiheit: Ohne ihn verliert sie ihre Richtung, genauso wie die Freiheit ohne Kenntnis der Wahrheit verkommt, isoliert und reduziert wird auf den unfruchtbaren freien Willen. Mit Jesus erhält die Freiheit den Sinn ihrer Existenz zurück, erkennt, dass sie für das Gute geschaffen worden ist, und äußert sich in karitativen Taten und einem liebevollen Verhalten."

Die Freude des Glaubens, der Wahrheit und der Erlösung

Benedikt XVI. bekräftigte, dass Jesus Christus den Menschen befreit, um ihm die wahre Freude zu schenken: "Jesus Christ, der die Fülle der Wahrheit ist, zieht das Herz jedes Menschen an sich, macht es größer und erfüllt es mit Freude. Allein die Wahrheit kann in den Geist eindringen und ihn vollkommen froh machen. Diese Freude erweitert die Dimensionen des menschlichen Geistes, hebt ihn heraus aus den Ängsten des Egoismus und macht ihn fähig, authentisch zu lieben. Deshalb ist der Dienst am Glauben – das Zeugnis dessen, der die ewige Wahrheit ist – zugleich ein Dienst an der Freude. Und diese Freude ist es, die Christus in der Welt verbreiten möchte: die Freude des Glaubens an ihn, die Freude der Wahrheit, die durch ihn vermittelt wird, und die Freude der Erlösung, die von ihm kommt! Das ist die Freude, die das Herz fühlt, wenn wir niederknien, um Jesus im Glauben anzubeten."

Dank einer immer tieferen Kenntnis der Person Jesu "können wir den Männern und Frauen unserer Tage zeigen, dass der Glaube an Jesus nicht etwas ist, was für das Schicksal der Menschheit unbedeutend wäre, im Gegenteil: Er ist die Erfüllung all dessen, was wahrhaft menschlich ist." Nur aus einer solchen Perspektive heraus "werden wir imstande sein, dem suchenden Menschen überzeugende Antworten zu geben", stellte Benedikt XVI. fest. "Dieser Einsatz ist von entscheidender Bedeutung für die Verkündigung und die Weitergabe des Glaubens in der heutigen Welt. Der Evangelisierungsauftrag verlangt heute nach diesem Einsatz."



www.zenit.org/german/
Kirsty1
Thursday, February 16, 2006 3:52 PM
Publikationsdatum: 2006-02-16

Benedikt XVI. über die "wahren Lieblinge Gottes"

Generalaudienz im Zeichen des "Magnifikat"-Gesangs der Jungfrau Maria

ROM, 16. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache über das "Magnifikat" (Lk 1,46-55), mit der Papst Benedikt XVI. am Mittwoch die von Johannes Paul II. übernommene Katechesen-Reihe zu den Psalmen und Hymnen der Vesperliturgie beendete. "Wir dürfen ihn [Christus] nicht nur in unserem Herzen tragen, sondern müssen ihn der Welt bringen – damit auch wir Christus für unsere Zeit hervorbringen können", erklärte der Heilige Vater. "Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft, ihn mit dem Geist und der Seele Mariens zu preisen und Christus von Neuem in unsere Welt zu tragen.



* * *




Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.



Liebe Brüder und Schwestern!

1. Wir sind am Ende der langen Reise angelangt, die vor genau fünf Jahren von meinem geliebten Vorgänger, dem unvergesslichen Papst Johannes Paul II., begonnen wurde. Der große Papst wollte in seinen Katechesen die gesamte Abfolge der Psalmen und Cantica durchgehen, die das Gewebe der grundlegenden Gebete aus dem Stundengebet und der Vesper bilden. Am Ziel dieser Wallfahrt durch diese Texte angelangt, die wie eine Reise durch den Blumengarten des Lobes, der Anrufung, des Gebetes und der Kontemplation ist, wollen wir jetzt jenem Gesang Raum geben, der jede Vesperfeier besiegelt: dem "Magnifikat" (Lk 1,46-55).

Es ist ein Lied, das die Spiritualität der biblischen "anawim" offen legt, das heißt jener Gläubigen, die sich selbst als "Niedrige" erkannten – nicht nur wegen der Abneigung von jeder Vergötterung von Reichtum und Macht, sondern auch wegen der tiefen Demut des Herzens, frei von der Versuchung des Stolzes, offen für die erlösende göttliche Gnade. Das ganze "Magnifikat", das wir gerade in der Interpretation des Chors der Sixtinischen Kapelle gehört haben, ist durch diese "Niedrigkeit" charakterisiert, auf Griechisch "tapeinosis", womit eine Situation konkreter Demut und Armut gemeint ist.

2. Der erste Satz des Marienlieds (vgl. Lk 1,46-50) ist wie eine Art Sologesang, in dem die Solistin ihre Stimme zum Himmel erhebt, bis diese zum Herrn dringt. Es ist tatsächlich auffallend, wie oft hier die erste Person verwendet wird: "meine Seele, mein Geist, mein Retter; sie werden mich selig preisen, er hat Großes an mir getan…" Die Seele des Gebetes ist somit die Feier der göttlichen Gnade, die in das Herz und die Existenz von Maria Einzug gehalten und sie zur Mutter des Herrn gemacht hat. Wir hören die Stimme der Jungfrau, die genau auf diese Weise von ihrem Retter spricht, der große Dinge an ihrer Seele und an ihrem Leib vollbracht hat.

Die innere Struktur ihres Gebetsgesangs ist Lob, Danksagung, dankbare Freude. Aber dieses persönliche Zeugnis ist nicht einzelgängerisch und privat, bloß individualistisch, denn die Jungfrau und Mutter ist sich dessen bewusst, dass sie einen Auftrag hat, den sie für die Menschheit erfüllen muss, und dass ihr Leben in der Heilsgeschichte eingebettet ist. So kann sie sagen: "Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten" (Vers 50). Mit diesem Lobpreis auf den Herrn verleiht die Jungfrau ihre Stimme allen Geschöpfen, die nach ihrem "Fiat" erlöst worden sind und die in der Gestalt Jesu, geboren von der Jungfrau, das Erbarmen Gottes entdecken.

3. An diesem Punkt angelangt, entwickelt sich der poetische und spirituelle zweite Satz des "Magnifikat" (vgl. Verse 51-55). Es hat den Ton eines Chores, so als würden sich der Stimme Mariens die Stimmen der ganzen Gläubigengemeinschaft anschließen, die die überraschenden Entscheidungen Gottes feiern. Im griechischen Original des Lukasevangeliums finden wir sieben Verben im Aorist, die viele andere Taten bezeichnen, die der Herr andauernd in der Geschichte wirkt: Er vollbringt machtvolle Taten, zerstreut die Hochmütigen, stürzt die Mächtigen vom Thron, erhöht die Niedrigen, beschenkt die Hungernden mit seinen Gaben, lässt die Reichen leer ausgehen, nimmt sich Israels an.

In diesen sieben göttlichen Werken tritt der "Stil" offen zutage, an dem der Herr der Geschichte sein Verhalten inspiriert: Er stellt sich auf die Seite der Geringsten. Häufig bleibt sein Projekt unter dem opaken Terrain der menschlichen Wandels verborgen, in dem diejenigen, "die im Herzen voll Hochmut sind", "die Mächtigen sowie die Reichen triumphieren. Allerdings ist es bestimmt, dass sich seine geheime Stärke zum Schluss manifestiert, um zu zeigen, wer die wahren Lieblinge Gottes sind: Diejenigen, die seinem Wort treu sind, die Niedrigen, die Hungernden, sein Knecht Israel, das heißt die Gemeinschaft des Wortes Gottes, die – wie Maria – aus denjenigen besteht, die im Herzen arm, rein und einfach sind. Sie bilden diese 'kleine Herde', die dazu eingeladen ist, sich nicht zu fürchten, da es dem Vater Wohlgefallen bereitet, ihr sein Reich zu schenken (vgl. Lk 12,32). Auf diese Weise lädt uns dieses Lied dazu ein, uns dieser kleinen Herde anzuschließen und wirklich Glieder des Volkes Gottes zu sein – in der Reinheit und der Einfachheit des Herzens, in der Liebe Gottes.

4. Nehmen wir also die Einladung an, die der heilige Ambrosius in seinem Kommentar zum "Magnifikat" an uns richtet. Der große Kirchenlehrer mahnt: "Möge in jedem das Herz Mariens über den Herrn frohlocken, möge in jedem der Geist Mariens den Herrn lobpreisen; Ja, gemäß dem Fleisch hat Christus nur eine Mutter, gemäß dem Glauben bringen alle Seelen Christus hervor; jede einzelne nimmt tatsächlich das Wort Gottes in sich auf… Die Seele Mariens lobt den Herrn, und ihr Geist jubelt in Gott, denn mit ihrer Seele und mit ihrem Geist, die dem Vater und dem Sohn geweiht sind, betet sie mit frommer Liebe nur einen Gott an, aus dem alles hervorgeht, und nur einen Herrn, kraft dessen alle Dinge existieren" ("Kommentar zum Evangelium nach Lukas" – "Esposizione del Vangelo secondo Luca" –, 2,26-27: Saemo, XI, Mailand-Rom 1978, 169).

In diesem wundervollen Kommentar des "Magnifikat" vom heiligen Ambrosius beeindruckt mich immer dieses überraschende Wort: "Ja, gemäß dem Fleisch hat Christus nur eine Mutter, gemäß dem Glauben bringen alle Seelen Christus hervor; jede einzelne nimmt tatsächlich das Wort Gottes in sich auf." Auf diese Weise lädt uns der heilige Lehrer, der die Worte der Jungfrau interpretiert, dazu ein, dem Herrn eine Wohnstätte in unserer Seele und in unserem Leben anzubieten. Wir dürfen ihn nicht nur in unserem Herzen tragen, sondern müssen ihn der Welt bringen – damit auch wir Christus für unsere Zeit hervorbringen können. Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft, ihn mit dem Geist und der Seele Mariens zu preisen und Christus von Neuem in unsere Welt zu tragen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Im Anschluss begrüßte der Papst in verschiedenen Sprachen die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Mit den Psalmen und mit Liedern aus den Schriften des Neuen Testamentes richtet die Kirche allabendlich ihr Lob, ihren Dank und ihre Bitten an Gott. Diese münden in den Lobgesang Marias, das Magnifikat, ein, in dem auch die Stimme der "anawim", der Armen, erklingt, die im Verständnis des Alten Bundes weder den Götzen der Macht und des Reichtums, noch der Versuchung des Stolzes erliegen. Mit leeren Händen und mit offenem Herzen stehen sie vor dem Herrn, um von ihm die Fülle der Gnadengaben zu empfangen.

Maria lädt uns ein, in ihren Lobpreis der göttlichen Heilstaten einzustimmen: "Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten" (Lk 1,50). Der Allmächtige tritt den Kleinen zur Seite, um an ihnen und durch sie seine Kraft sichtbar zu machen. Deshalb soll auch in uns, wie der heilige Ambrosius sagt, der Geist Mariens weiterleben, der die Größe des Herrn preist. Denn in der Tat bringt jede Seele, die das Wort Gottes in dankbarer Freude aufnimmt, im Glauben fortwährend gute Werke hervor.

Von Herzen begrüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher, insbesondere die bayerische Abordnung des Sozialdienstes Katholischer Frauen, denen ich für ihren Dienst am Leben und am Menschen herzlich danke. Jeden Tag haben wir Grund, dem Herrn zu danken. Ein Herz, das vom frohen Lob Gottes erfüllt ist, erleuchtet auch die eigene Umgebung. Preist mit euren Worten und Taten Gottes Treue zu uns Menschen! Gottes Geist geleite euch auf euren Wegen.


www.zenit.org/german/
Kirsty1
Monday, February 20, 2006 7:35 PM
Benedikt XVI. über die Arbeit und das Wesen einer christlichen Arbeitervereinigung

Ansprache an die Mitglieder der Christlichen Arbeiterverbände Italiens (ACLI)

ROM, 20. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt VI. am 27. Januar anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der "Associazioni Christiane Lavoratori Italiane" (ACLI, "Christliche Arbeiterverbände Italiens") gehalten hat. Der Papst erinnerte seine Gäste im vatikanischen Clementina-Saal an ihre drei hauptsächlichen "Aufträge" und auch daran, dass die Arbeit ein "Weg zur persönlichen Heiligung" ist. Dadurch werde "der Mühe des Alltags die Perspektive einer echten Humanisierung zurückzugeben".



* * *



Verehrte Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Mitglieder der christlichen Arbeiterverbände Italiens!

Unsere heutige Begegnung findet aus Anlass des 60. Jahrestages der Gründung der christlichen Arbeiterverbände Italiens statt. Ich grüße den Präsidenten Luigi Bobba und danke ihm herzlich für die freundlichen Worte, die er an mich gerichtet hat und die mich wirklich berührt haben; ich grüße die anderen Verantwortlichen und jeden einzelnen von euch. Einen besonderen Gruß richte ich an die Bischöfe und Priester, die euch begleiten und Sorge tragen um eure geistliche Bildung.

Die Entstehung eures Verbandes geht auf den Weitblick und die Intuition Papst Pius XII. seligen Angedenkens zurück, der eine sichtbare und einflussreiche Präsenz der italienischen Katholiken in der Arbeitswelt schaffen wollte, wobei er sich der wertvollen Mitarbeit des damaligen Substituten des Staatssekretariats, Giovanni Battista Montini, bediente. Zehn Jahre später, am 1. Mai 1955, sollte derselbe Oberhirte dann das Fest des heiligen Josef des Arbeiters einführen, um allen Arbeitern der Welt den Weg zur persönlichen Heiligung durch die Arbeit zu weisen und so der Mühe des Alltags die Perspektive einer echten Humanisierung zurückzugeben. Auch heute appelliert das Thema der "Arbeit", die im Mittelpunkt rascher und komplexer Veränderungen steht, an das menschliche Gewissen und verlangt, das Wohl des einzelnen und der Gesellschaft, das die Orientierungsgrundlage für jede konkrete Entscheidung ist, nicht aus den Augen zu verlieren.

Auf dem Hintergrund dieser grundsätzlichen Treue zum ursprünglichen Plan Gottes möchte ich jetzt kurz mit euch und für euch die drei "Aufträge" oder "Treueversprechen" noch einmal betrachten, auf die ihr euch traditionell für eure verschiedenartigen Aktivitäten verpflichtet habt.

Das erste "Treueversprechen", das die ACLI ["Associazioni Christiane Lavoratori Italiane", "Christliche Arbeiterverbände Italiens", Anm. d. Red.] zu leben berufen sind, ist die "Treue zu den Arbeitern" . Der Mensch ist "das Maß, an dem die Würde der Arbeit gemessen wird" (Kompendium der Soziallehre der Kirche, 271). Aus diesem Grund hat das Lehramt immer auf die menschliche Dimension der Arbeit verwiesen und hat sie so zu ihrem wahren Zweck zurückgeführt, ohne dabei zu vergessen, dass das Gebot der Sonntagsruhe die Krönung der biblischen Lehre über die Arbeit ist. Die Forderung, dass der Sonntag nicht den Werktagen gleichgemacht werde, ist daher eine Entscheidung zugunsten der Zivilisation.

Vom übergeordneten Stellenwert der Ethik in Bezug auf die menschliche Arbeit lassen sich weitere Prioritäten ableiten: der Vorrang des Menschen gegenüber der Arbeit (vgl. Laborem exercens, 12), der Arbeit gegenüber dem Kapital (ebd.), der Bestimmung der Güter für alle gegenüber dem Recht auf Privatbesitz (ebd., 14): kurz gesagt, der Vorrang des Seins gegenüber dem Haben (ebd., 20). Diese Rangordnung der Prioritäten zeigt deutlich, dass der Bereich der Arbeit vollberechtigt zur anthropologischen Frage gehört. Heute tritt in dieser Hinsicht eine neue und nie dagewesene Kehrseite der mit dem Schutz des Lebens verbundenen sozialen Frage hervor. Wir leben in einer Zeit, in der Wissenschaft und Technik außergewöhnliche Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen bieten. Ein Missbrauch dieser Macht kann jedoch zu einer ernsten und irreparablen Bedrohung für das Leben selbst werden. Daher muss die Lehre des geliebten Johannes Paul II., der uns aufforderte, das Leben als den neuen Horizont der sozialen Frage zu betrachten, noch einmal bekräftigt werden (vgl. Enzyklika (Evangelium vitae, 20). Der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende und überall dort, wo es bedroht, verletzt oder mit Füßen getreten wird, ist vorrangige Pflicht, in der eine wahre Ethik der Verantwortlichkeit zum Ausdruck kommt, die sich folgerichtig auch auf alle anderen Formen der Armut, der Ungerechtigkeit und der Ausgrenzung erstreckt.

Der zweite Auftrag, zu dem ich euch Mut zusprechen möchte, ist – in Übereinstimmung mit dem Geist eurer Gründerväter – die "Treue zur Demokratie" , denn nur sie kann die Gleichheit und die Rechte aller gewährleisten. Demokratie und Gerechtigkeit stehen nämlich in einer Art gegenseitiger Abhängigkeit voneinander, die alle Menschen auffordert, sich verantwortungsvoll für den Schutz der Rechte jedes Menschen und besonders der Schwachen und Ausgegrenzten einzusetzen. Die Gerechtigkeit ist der Prüfstand für eine echte Demokratie. Unter diesen Voraussetzungen darf man nicht vergessen, dass die Suche nach der Wahrheit gleichzeitig die Bedingung ist, unter der eine echte Demokratie entstehen kann, die keine Scheindemokratie ist: "Eine Demokratie ohne Werte verwandelt sich, wie die Geschichte beweist, leicht in einen offenen oder hinterhältigen Totalitarismus" (Centesimus annus, 46). Daher sind wir aufgefordert, an einer immer größeren Konsensbildung um den Rahmen gemeinsamer Bezugspunkte herum zu arbeiten. Andernfalls läuft die Berufung auf die Demokratie Gefahr, zur reinen Formalität zu werden, die Differenzen andauern lässt und Problematiken verschärft.

Der dritte Auftrag ist die "Treue zur Kirche" . Nur eine herzliche und leidenschaftliche Verbundenheit mit dem Weg der Kirche kann die Identität schaffen, die notwendig ist, um in jedem Teil der Gesellschaft und der Welt präsent zu sein, ohne dabei den Geschmack und den Duft des Evangeliums zu verlieren. Es ist kein Zufall, dass die Worte, die Johannes Paul II. am 1. Mai 1995 an euch gerichtet hat – "Nur das Evangelium erneuert die ACLI" – heute noch wegweisend für euren Verband sind, da sie euch ermutigen, das Wort Gottes zum Lebensmittelpunkt des Verbandes zu machen und die Evangelisierung als festen Bestandteil eurer Sendung zu betrachten. Die Anwesenheit der Priester, die euch im geistlichen Leben begleiten, hilft euch darüber hinaus, die Beziehungen zur Ortskirche aufzuwerten und den Einsatz für die Ökumene und den interreligiösen Dialog zu verstärken.

Tragt als Laien und Angehörige eines christlichen Arbeiterverbandes stets Sorge um die Ausbildung eurer Mitglieder und Leiter, im Hinblick auf den besonderen Dienst, zu dem ihr berufen seid. Seid als Zeugen des Evangeliums und als Bauleute brüderlicher Verbundenheit in allen wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens mutig präsent.

Liebe Freunde, der rote Faden, der eure 60-Jahr-Feier durchzogen hat, war eine Neuinterpretation der traditionellen "Treueversprechen " in Anbetracht des vierten Auftrags, mit dem der verehrte Johannes Paul II. euch aufgerufen hat, "die Grenzen eurer Sozialarbeit zu erweitern" (Ansprache an die ACLI am 27. April 2002). Ein solches Bemühen um die Zukunft der Menschheit soll immer von christlicher Hoffnung beseelt sein. So werdet auch ihr als Zeugen des auferstandenen Christus, der Hoffnung für die Welt, dazu beitragen, der großen Tradition der christlichen Arbeiterverbände Italiens neue Dynamik zu verleihen und vom Heiligen Geist geleitet das Antlitz der Erde zu erneuern. Gott stehe euch bei, und die allerseligste Jungfrau Maria schütze euch, eure Familien und alle eure Initiativen. Mit Zuneigung segne ich euch und versichere euch meines besonderen Gedenkens im Gebet.

[Vom Heiligen Stuhl veröffentlichte deutsche Übersetzung des italienischen Originals]



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Kirsty1
Monday, February 20, 2006 7:36 PM
Der Heilige Vater lobt die humanitäre Arbeit der "Stiftung Johannes Paul II. für die Sahel-Zone"

Audienz im Vatikan

ROM, 20. Februar 2006 (Zenit.org).- Benedikt XVI. würdigte heute, Montag, die verschiedenen Projekte der "Stiftung Johannes Paul II. für die Sahel-Zone", die das Ziel besitzen, der Dürre, dem Wassermangel sowie der Ausbreitung von Wüsten entgegenzuwirken. Diese Hilfstätigkeiten lobte der Heilige Vater als eine konkrete Form, den betroffenen afrikanischen Völkern die Liebe Gottes zu bezeugen und den interreligiösen Dialog zu fördern.

Die 1994 von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufene Stiftung finanziert Ausbildungsprogramme und Entwicklungsprojekte, die darauf abzielen, der fortschreitenden Versteppung in der Sahel-Zone beizukommen. In den vergangenen Jahren wurden Projekte im Wert von mehr als 10 Millionen Euros finanziert.

Anlässlich der Audienz für die Mitglieder der Geschäftsführung der Stiftung erklärte der Heilige Vater, dass diese Institution der Verantwortung der Bischöfe der betroffenen afrikanischen Länder anvertraut sei. Die Finanzverwaltung wird vom Päpstlichen Rat "Cor Unum" übernommen, der den Bischof von Rom regelmäßig von den jeweiligen Unternehmungen in Kenntnis setzt.

"Die Stiftung hat sich vollständig zu einem Hilfswerk der Kirche entwickelt und durch die zahlreichen Projekte, die im Laufe von mehr als zwanzig Jahren verwirklicht worden sind, deutlich gemacht, dass die Liebe zum Nächsten – eine Aufgabe für jeden Gläubigen, aber auch für die ganze kirchliche Gemeinschaft – mit konkreten Taten ausgedrückt werden muss." In diesem Sinn ermutigte Benedikt XVI. die Vertreter der "Stiftung Johannes Paul II. für die Sahel-Zone", dieses "Werk der christlichen Brüderlichkeit" fortzusetzen, "das ein Dienst an jedem Menschen ist". Außerdem bezeichnete der Papst die Leistungen der von Karol Wojtyla initiierten Unternehmung als einen großen Beitrag zum interreligiösen Dialog und betonte, dass sie vor allem dazu beitrage, den Betroffenen und allen Menschen "die Liebe Gottes zu offenbaren". Deswegen sei sie "ein Bestandteil der Evangelisierungstätigkeit" der Kirche.

Die "Stiftung Johannes Paul II. für die Sahel-Zone" widmet sich vorwiegend der Ausbildung von Fachkräften und unterstützt unterschiedslos Angehörige aller religiösen Überzeugungen. Der Afrika-Sitz der Einrichtung befindet sich in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. 11,48 Prozent der etwas mehr als 12 Millionen Einwohner sind Katholiken, 50 Prozent sind Muslime.

Ein weiteres afrikanisches Land, dem die Stiftung Unterstützung gewährt, ist beispielsweise Níger. Dort ist der Katholikenanteil mit 0,18 Prozent verschwindend gering. 80 Prozent der rund 11, 6 Millionen Einwohner sind Muslime.



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Kirsty1
Tuesday, February 21, 2006 7:19 PM
Benedikt XVI. über den Primat Gottes im Leben des Christen und jedes Menschen

Predigt in der Annakirche (5. Februar 2006)

ROM, 21. Februar 2006 (Zenit.org).- Das "Zusammensein mit dem Vater" – die Quelle und der Mittelpunkt all dessen, was Jesus tut – ist auch für das Leben des Christen von vorrangiger Bedeutung, bekräftigte Papst Benedikt XVI. Anfang Februar in seiner Predigt für die Pfarrgemeinde der Annakirche im Vatikan. Jesus ist gekommen, um die Menschheit, "die am Fieber der Ideologien, der Idolatrien, der Gottvergessenheit erkrankt ist", zu heilen und sie an den Primat Gottes zu erinnern, den "Mittelpunkt des Glaubens und unseres Lebens". Wo Gott ausgeklammert werde, "dort wird auch der Mensch nicht mehr respektiert. Nur wenn der Glanz Gottes auf dem Antlitz des Menschen erstrahlt, ist der Mensch das Abbild Gottes." Die Gläubigen forderte der Heilige Vater auf, "Zeugen zu sein für den Gott des Lebens und der Liebe".



* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

Das Evangelium, das wir soeben gehört haben, beginnt mit einer sehr ansprechenden Begebenheit, die sehr schön, aber auch bedeutungsvoll ist. Der Herr geht zum Haus des Simon Petrus und des Andreas und findet die Schwiegermutter des Petrus fieberkrank vor; er nimmt sie an der Hand, richtet sie auf, und die Frau ist geheilt und beginnt, für sie zu sorgen. In diesem Ereignis zeichnet sich symbolisch die ganze Sendung Jesu ab. Jesus, der vom Vater kommt, begibt sich in das Haus der Menschheit, auf unsere Erde, und steht einer kranken, einer fieberkranken Menschheit gegenüber, die am Fieber der Ideologien, der Idolatrien, der Gottvergessenheit erkrankt ist. Der Herr reicht uns seine Hand, richtet uns auf und heilt uns. Und er tut dies in allen Jahrhunderten; er nimmt uns durch sein Wort an der Hand und löst so die Nebel der Ideologien, der Idolatrien auf. Er nimmt uns in den Sakramenten an der Hand, im Sakrament der Versöhnung heilt er uns durch die Lossprechung vom Fieber unserer Leidenschaften und unserer Sünden. Er gibt uns die Fähigkeit, aufzustehen und aufrecht vor Gott und den Menschen zu stehen. Und mit eben diesem Gehalt der Sonntagsliturgie begegnet uns der Herr, nimmt uns an der Hand, richtet uns auf und heilt uns immer wieder mit der Gabe seines Wortes, der Gabe seiner selbst.

Aber auch der zweite Teil dieser Begebenheit ist wichtig. Diese soeben geheilte Frau macht sich daran, für sie zu sorgen, sagt das Evangelium. Sie beginnt sofort zu arbeiten, sich anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, und vertritt so die vielen guten Frauen, Mütter, Großmütter und berufstätigen Frauen, die sich zur Verfügung stellen, aufstehen und anderen dienen, und die Seele der Familie, Seele der Pfarrgemeinde sind. Und wenn wir das Altarbild hier betrachten, dann sehen wir, dass sie nicht nur praktische Dienste verrichten: Die heilige Anna führt ihre große Tochter, die Jungfrau Maria, in die Heiligen Schriften ein, in die Hoffnung Israels, in der sie selbst zum Ort der Erfüllung werden sollte. Die Frauen sind auch die ersten Botinnen des Gotteswortes im Evangelium, sie sind wahre Evangelistinnen. Und es scheint mir, dass dieses Evangelium mit dieser so bescheiden anmutenden Begebenheit uns gerade hier in der Kirche der heiligen Anna Gelegenheit gibt, all den Frauen, die diese Pfarrgemeinde beseelen, tief empfundenen Dank auszusprechen, den Frauen, die Dienste in allen Bereichen verrichten, die uns immer wieder helfen, das Wort Gottes nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen kennen zu lernen.

Kehren wir zum Evangelium zurück: Jesus schläft im Haus des Petrus, aber am frühen Morgen, als es noch dunkel ist, steht er auf, geht hinaus, sucht einen einsamen Ort und betet. Und hier zeichnet sich der wahre Mittelpunkt des Geheimnisses Jesu ab. Jesus spricht mit dem Vater und erhebt seine menschliche Seele in der Gemeinschaft mit der Person des Sohnes, so dass die Menschennatur des Sohnes, die mit ihm vereint ist, im dreifaltigen Dialog mit dem Vater spricht; und so ermöglicht er auch uns das wahre Gebet. In der Liturgie betet Jesus mit uns, und wir beten mit Jesus und treten so in einen wirklichen Kontakt mit Gott, treten ein in das Geheimnis der ewigen Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit.

Jesus spricht mit dem Vater: Das ist die Quelle und der Mittelpunkt all dessen, was Jesus tut; wir sehen, dass sein Predigen, die Heilungen, die Wunder und schließlich das Leiden diesem Mittelpunkt entspringen, seinem Zusammensein mit dem Vater. Und so lehrt uns dieses Evangelium, was der Mittelpunkt des Glaubens und unseres Lebens ist: der Primat Gottes. Wo Gott nicht ist, dort wird auch der Mensch nicht mehr respektiert. Nur wenn der Glanz Gottes auf dem Antlitz des Menschen erstrahlt, ist der Mensch das Abbild Gottes, von einer Würde geschützt, die niemand mehr verletzen darf.

Der Primat Gottes. Wir sehen im Vaterunser, dass die ersten drei Bitten sich auf diesen Primat Gottes beziehen: dass der Name Gottes geheiligt werde, dass die Achtung des göttlichen Geheimnisses lebendig sei und unser ganzes Leben beseele; dass "das Reich Gottes komme" und "sein Wille geschehe" – das sind zwei verschiedene Seiten derselben Medaille, denn wo der Wille Gottes getan wird, da ist bereits der Himmel, beginnt auch auf Erden ein bisschen Himmel, und wo der Wille Gottes getan wird, ist das Reich Gottes gegenwärtig. Denn das Reich Gottes ist nicht eine Reihe von Dingen, das Reich Gottes ist die Gegenwart Gottes, die Vereinigung des Menschen mit Gott. Und zu diesem Ziel will Jesus uns führen.

Mittelpunkt seiner Verkündigung ist das Reich Gottes, das heißt Gott als Quelle und Mittelpunkt unseres Lebens, und er sagt uns: Gott allein ist die Erlösung des Menschen. Und wir können in der Geschichte des letzten Jahrhunderts sehen, dass in den Staaten, in denen Gott abgeschafft war, nicht nur die Wirtschaft zugrunde gerichtet wurde, sondern auch und vor allem die Seelen. Der sittliche Verfall, die Zerstörung der Würde des Menschen sind die entscheidenden Zerstörungen, und die Erneuerung kann nur aus der Rückkehr zu Gott kommen, also aus der Erkenntnis der zentralen Bedeutung Gottes. In diesen Tagen hat mir ein Bischof aus dem Kongo beim "Ad-limina"-Besuch gesagt: "Die Europäer geben uns großzügig viele Dinge, die für die Entwicklung nötig sind, aber sie sind unschlüssig, uns bei der Pastoralarbeit zu helfen; es scheint, dass sie die Pastoralarbeit für nutzlos halten, dass nur der technische und materielle Fortschritt wichtig sei. Aber das Gegenteil ist wahr", hat er gesagt, "wo es das Wort Gottes nicht gibt, dort funktioniert die Entwicklung nicht und zeigt keine positiven Ergebnisse. Nur wenn zuerst das Wort Gottes da ist, nur wenn der Mensch mit Gott versöhnt ist, dann kann es auch in den materiellen Dingen vorangehen".

Der Fortgang des Evangeliums bestätigt dies nachdrücklich. Die Apostel sagen zu Jesus: Komm zurück, alle suchen dich. Und er sagt: Nein, ich muss in die anderen Orte gehen, um Gott zu verkünden und um die Dämonen, die Kräfte des Bösen, zu vertreiben; dazu bin ich gekommen. Jesus ist nicht gekommen, um die Annehmlichkeiten des Lebens zu bringen, sondern er ist gekommen – im griechischen Text heißt es: "Ich bin vom Vater ausgegangen" –, um die entscheidende Voraussetzung unserer Würde zu bringen, um uns Gott zu verkünden, die Gegenwart Gottes, und so die Kräfte des Bösen zu besiegen. Diese Priorität macht er mit großer Klarheit deutlich: Ich bin nicht gekommen, um zu heilen – ich tue auch dies, aber als Zeichen –; ich bin gekommen, um euch mit Gott zu versöhnen. Gott ist unser Schöpfer, Gott hat uns das Leben, unsere Würde geschenkt – an ihn müssen wir uns in erster Linie wenden.

Und wie Pater Gioele erwähnt hat, begeht die Kirche in Italien heute den "Tag für das Leben". Die italienischen Bischöfe haben in ihrer Botschaft daran erinnern wollen, dass es eine vorrangige Pflicht ist, "das Leben zu achten", das ein "unveräußerliches" Gut ist: Der Mensch ist nicht Herr über das Leben; er ist vielmehr sein Bewahrer und Verwalter. Und unter dem Primat Gottes entsteht automatisch die Priorität, das menschliche Leben, das von Gott geschaffen wurde, zu verwalten und zu bewahren. Diese Wahrheit, dass der Mensch Bewahrer und Verwalter des Lebens ist, ist ein wesentlicher Punkt des Naturrechts, den die biblische Offenbarung ganz erhellt. Er ist heute ein "Zeichen, dem widersprochen wird" in Bezug auf die herrschende Mentalität. Es lässt sich einerseits allgemein ein umfassender Konsens über den Wert des Lebens beobachten, andererseits treffen jedoch, wenn man bei diesem Punkt, also der Frage nach der "Verfügbarkeit" oder der "Unveräußerlichkeit" des Lebens ankommt, zwei miteinander unvereinbare Mentalitäten aufeinander. Um es vereinfacht auszudrücken, könnten wir sagen: Der einen der beiden Mentalitäten zufolge liegt das menschliche Leben in der Hand des Menschen, während die andere erkennt, dass es in der Hand Gottes liegt. Die moderne Kultur hat zu Recht der Autonomie des Menschen und den irdischen Gegebenheiten großes Gewicht beigemessen und so eine Perspektive weiterentwickelt, die dem Christentum am Herzen liegt, die der Menschwerdung Gottes. Wenn aber, wie das Zweite Vatikanische Konzil deutlich gesagt hat, diese Autonomie dazu führt, zu glauben, "dass die geschaffenen Dinge nicht von Gott abhängen und der Mensch sie ohne Bezug auf den Schöpfer gebrauchen könne", dann ruft man dadurch ein starkes Ungleichgewicht hervor, "denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts" (Gaudium et spes, 36).

Es ist bedeutsam, dass das Konzilsdokument an der eben zitierten Stelle auch sagt, dass diese Fähigkeit, die Stimme und die Offenbarung Gottes in der Schönheit der Schöpfung zu erkennen, allen Gläubigen zu Eigen ist, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Wir können daraus schließen, dass der volle Respekt gegenüber dem Leben an den "religiösen Sinn" gebunden ist, an die innere Haltung, die der Mensch gegenüber der Realität einnimmt, die des Herrn oder die des Bewahrers. Übrigens leitet sich das Wort "Respekt" vom lateinischen Verb "respicere" – betrachten – ab, und bezeichnet eine Betrachtungsweise von Dingen und Personen, bei der man ihre Beschaffenheit wahrnimmt, ohne sich zum Herrn über sie zu machen, sondern sie rücksichtsvoll behandelt und für sie Sorge trägt. Letztendlich besteht die Gefahr, dass die Geschöpfe, wenn ihnen ihr Bezug zu Gott als transzendente Grundlage genommen wird, unter die Willkürherrschaft des Menschen fallen, der, wie wir sehen, mit ihnen Missbrauch treiben kann.

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns zusammen die Fürbitte der heiligen Anna für eure Pfarrgemeinschaft, die ich mit Zuneigung grüße, anrufen. Ich grüße insbesondere den Pfarrer, Pater Gioele, und danke ihm für die Worte, die er zu Anfang an mich gerichtet hat; ich grüße auch die Augustiner mit ihrem Generalprior; ich grüße Msgr Angelo Comastri, meinen Generalvikar für die Vatikanstadt, Msgr Rizzato, meinen Almosenpfleger, und alle Anwesenden, besonders die Kinder, Jugendlichen und alle diejenigen, die regelmäßig diese Kirche besuchen. Über alle möge die heilige Anna, eure himmlische Schutzpatronin, wachen und für jeden die Gabe erbitten, Zeuge zu sein für den Gott des Lebens und der Liebe.




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Kirsty1
Thursday, February 23, 2006 2:46 PM
Benedikt XVI. erklärt die Bedeutung der "Kathedra" Petri

Generalaudienz im Zeichen des päpstlichen Hirtenamtes

ROM, 22. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. heute, Mittwoch, am Festtag Kathedra Petri, gehalten hat. Die Kathedra Petri "meint wortwörtlich den festen Sitz des Bischofs, der in der Mutterkirche einer Diözese aufgestellt ist…, und sie ist Symbol für die Autorität des Bischofs".



* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

Die lateinische Liturgie feiert heute das Fest des Kathedra des heiligen Petrus. Es handelt sich um eine sehr alte Tradition, die in Rom seit dem Ende des vierten Jahrhunderts bezeugt ist, und mit der Gott für die Sendung, die dem Apostel Petrus und seinen Nachfolgern anvertraut worden ist, Dank gesagt wird. Die "Kathedra" meint wortwörtlich den festen Sitz des Bischofs, der in der Mutterkirche einer Diözese aufgestellt ist, die aus diesem Grund "Kathedrale" genannt wird, und sie ist Symbol für die Autorität des Bischofs und insbesondere für sein Lehramt, das heißt für die dem Evangelium gemäße Lehre, die er – als Nachfolger der Apostel – zu bewahren berufen ist und die er der christlichen Gemeinschaft weitergeben soll. Wenn der Bischof die Teilkirche, die ihm anvertraut worden ist, mit der Mitra und dem Bischofsstab in Besitz nimmt, nimmt er auf seiner Kathedra Platz. Von diesem Sitz aus leitet er als Lehrer und Hirte den Weg der Gläubigen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.

Was war dann die "Kathedra" des heiligen Petrus? Derjenige, der von Christus zum "Fels" erwählt wurde, auf dem die Kirche errichtet worden ist (vgl. Mt 16,1 , hat seinen Dienst in Jerusalem angetreten, nach der Auferstehung des Herrn und dem Pfingstfest. Der erste "Sitz" der Kirche war der Abendmahlsaal, und es ist wahrscheinlich, dass man in diesem Saal, wo auch Maria, die Mutter Jesu, zusammen mit den Jüngern betete, für Simon Petrus einen besonderen Platz reserviert hat. Später war der Sitz des Petrus Antiochia, eine Stadt, die am Orontes im antiken Syrien und in der heutigen Türkei liegt und in der damaligen Zeit nach Rom und Alexandrien in Ägypten die drittwichtigste Stadt des römischen Reiches war. Von dieser Stadt, die durch Barnabas und Paulus evangelisiert worden ist und in der die Jünger zum ersten Mal Christen genannt wurden (vgl. Apg 11, 26), war Petrus der erste Bischof. Tatsächlich sah das Martyrologium Romanum vor der Kalenderreform auch ein spezifisches Fest der Kathedra Petri in Antiochia vor. Von dort führte die göttliche Vorsehung Petrus nach Rom. Somit haben wir es mit einem Weg zu tun, der von Jerusalem, wo die Kirche entsteht, nach Antiochia führt, dem ersten Mittelpunkt der Kirche, die aus Heiden bestand und auch noch mit der Kirche, die von den Juden kam, verbunden war. Danach begab sich Petrus nach Rom, dem Mittelpunkt des römischen Reiches und Symbol der "Orbis" – jener "Urbs" ["Stadt", Anm. d. Übers.], die die "Orbis", Erde, bedeutet –, wo er mit dem Martyrium seine Laufbahn im Dienst des Evangeliums beendete. Aus diesem Grund hat der Sitz von Rom, dem damit die größte Ehre zuteil wurde, auch jenen Auftrag erhalten, der dem Petrus durch Christus übertragen wurde: allen Teilkirchen zu dienen, zur Erbauung und zur Einheit des ganzen Volkes Gottes.

Der Sitz von Rom wurde nach diesen Wanderungen des heiligen Petrus als Sitz des Nachfolgers Petri anerkannt, und die "Kathedra" des Bischofs von Rom repräsentierte die des von Christus dazu beauftragten Apostels, dessen ganze Herde zu weiden. Das bezeugen die ältesten Kirchenväter wie zum Beispiel der heilige Irenäus, Bischof von Lyon, der aber ursprünglich aus Kleinasien stammte. In seinem Traktat " Gegen die Häresien" beschreibt er die Kirche von Rom als die größte, älteste und bekannteste – "gegründet und errichtet in Rom durch die beiden ruhmreichen Apostel Petrus und Paulus". Und er fügt hinzu, dass "mit dieser Kirche wegen ihres besonderen Vorrangs notwendigerweise jede Kirche übereinstimmen muss, das heißt die Gläubigen, wo sie sich auch immer befinden" (III, 3, 2-3). Wenig später erklärt seinerseits Tertullian: "Diese Kirche von Rom ist gesegnet! Die Apostel vergossen für sie mit ihrem Blut die ganze Lehre" ("Prozessreden gegen die Häretiker", 36). Die Kathedra des Bischofs von Rom steht somit nicht nur für den Dienst an der römischen Gemeinde, sondern auch für die Leitungsaufgabe für das ganze Volk Gottes.

Die "Kathedra" des Petrus feiern, wie wir es heute tun, bedeutet also, ihr eine tiefe geistliche Bedeutung zuzuschreiben und in ihr ein bevorzugtes Zeichen der Liebe Gottes zu erkennen, dieses guten und ewigen Hirten, der seine ganze Kirche zusammenführen und sie auf dem Weg der Erlösung anführen will. Unter den zahlreichen Zeugnissen der Kirchenväter möchte ich gern jenes vom heiligen Hieronymus anführen, das einem seiner Briefe an den Bischof von Rom entnommen und besonders interessant ist, weil es die "Kathedra" Petri ausdrücklich erwähnt und sie als sicheren Hafen der Wahrheit und des Friedens darstellt. So schreibt Hieronymus: "Ich habe mich entschlossen, bei der Kathedra Petri anzufragen, dort, wo dieser Glaube ist, den der Mund des Apostels gerühmt hat; ich komme jetzt, um an jenem Ort Nahrung für meine Seele zu erbitten, wo ich das Kleid Christi erhalten habe. Ich folge keinem anderen Primat, sondern nur dem Primat Christi; deshalb setze ich mich mit deiner Heiligkeit in Verbindung, das heißt mit der Kathedra Petri. Ich weiß, dass auf diesem Fels die Kirche gebaut ist" ("Briefe" I, 15,1-2).

Liebe Brüder und Schwestern, in der Apsis der Basilika des heiligen Petrus befindet sich, wie ihr wisst, das Denkmal der Kathedra des Apostels, ein Werk Berninis aus dessen Blütezeit, verwirklicht in Form eines großen Thrones aus Bronze, der von den Statuen von vier Kirchenlehrern getragen wird. Zwei sind aus dem Westen – der heilige Augustinus und der heilige Ambrosius –, und zwei aus dem Osten – der heilige Johannes Chrysostomus und der heilige Athanasius. Ich lade euch ein, vor diesem anregenden Kunstwerk innezuhalten, das heute sogar mit Kerzen verziert bewundert werden kann, und ganz besonders für das Amt, das Gott mir anvertraut hat, zu beten. Ruft, wenn ihr den Blick vor dem Fenster aus Alabaster erhebt, das sich genau vor dem Bischofssitz befindet, den Heiligen Geist an, damit er den Dienst, den ich Tag für Tag an der ganzen Kirche leiste, stets mit seinem Licht und seiner Kraft tragen möge. Dafür und für eure nachsichtige Aufmerksamkeit danke ich euch von Herzen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Anschließend wandte sich der Papst an die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!
Die Kirche feiert heute das Fest Kathedra Petri. Sie dankt dabei Gott für die Sendung, die Jesus Christus, der Herr der Kirche, dem Apostel Petrus und seinen Nachfolgern übertragen hat. Die Kathedra in der Bischofskirche einer jeden Diözese ist Sinnbild der Autorität des Bischofs, insbesondere seines Lehramts, das in der treuen Bewahrung und Weitergabe der Botschaft des Glaubens besteht.

Der Apostel Petrus hat sein Leben im Dienst Christi hier in Rom mit dem Martyrium vollendet. Rom ist daher zu Recht der Sitz seiner Nachfolger. Schon die ältesten Kirchenväter bezeugen die Würde der Kathedra des Bischofs von Rom, dessen Hirtenamt sich auf die ganze Kirche erstreckt. Der heilige Irenäus von Lyon spricht unter anderem davon, dass mit der Kirche von Rom "wegen ihres besonderen Vorrangs notwendig jede Kirche übereinstimmen muss, das heißt die Gläubigen von überall". Die Kathedra Petri zu feiern besagt somit, ihr eine tiefe geistliche Bedeutung zuzuschreiben und in ihr ein bevorzugtes Zeichen der Liebe Gottes zu seinem heiligen Volk zu erkennen.

An diesem Festtag heiße ich euch, liebe Brüder und Schwestern aus dem deutschen Sprachraum, ganz herzlich willkommen. Besonders grüße ich die Pilger aus der Diözese Eisenstadt und die Teilnehmer an einem Seminar über das Papsttum aus Südtirol. Unterstützt mit eurem Gebet den Nachfolger Petri in seinem universalen Hirtendienst. Betet mit mir und für mich, dass der Heilige Geist mir mit seinem Licht und seiner Kraft in der Erfüllung meiner Mission stets beistehe. Dafür danke ich euch und dazu erbitte ich euch Gottes reichen Segen.




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Kirsty1
Thursday, February 23, 2006 2:47 PM
Benedikt XVI.: "Betet mit mir und für mich!"

Generalaudienz am Festtag Kathedra Petri

ROM, 22. Februar 2006 (Zenit.org).- Am Fest Kathedra Petri, das heute, Mittwoch, begangen worden ist, rief Papst Benedikt XVI. dazu auf, für ihn und seine Anliegen zu beten.

"Ich lade euch ein, vor diesem anregenden Kunstwerk [Kathedra Petri von Bernini im Petersdom, Anm. d. Red.] innezuhalten, das heute sogar mit Kerzen verziert bewundert werden kann, und ganz besonders für das Amt, das Gott mir anvertraut hat, zu beten", sagte der Heilige Vater zu den Tausenden von Gläubigen aus aller Welt, die aus Anlass der Generalaudienz in die Audienzhalle Paul VI. gekommen waren. "Ruft, wenn ihr den Blick vor dem Fenster aus Alabaster erhebt, das sich genau vor dem Bischofssitz befindet, den Heiligen Geist an, damit er den Dienst, den ich Tag für Tag an der ganzen Kirche leiste, stets mit seinem Licht und seiner Kraft tragen möge."

Vor dieser inständigen Bitte hatte Benedikt XVI. den Sinn des Festes Kathedra Petri eingehend erläutert: "Die 'Kathedra' meint wortwörtlich den festen Sitz des Bischofs, der in der Mutterkirche einer Diözese aufgestellt ist, die aus diesem Grund 'Kathedrale' genannt wird, und sie ist Symbol für die Autorität des Bischofs und insbesondere für sein Lehramt, das heißt für die dem Evangelium gemäße Lehre, die er – als Nachfolger der Apostel – zu bewahren berufen ist und die er der christlichen Gemeinschaft weitergeben soll. Wenn der Bischof die Teilkirche, die ihm anvertraut worden ist, mit der Mitra und dem Bischofsstab in Besitz nimmt, nimmt er auf seiner Kathedra Platz. Von diesem Sitz aus leitet er als Lehrer und Hirte den Weg der Gläubigen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe."

Die erste Kathedra Petri, erklärte dessen Nachfolger, war der Abendmahlssaal in Jerusalem, die zweite Antiochia (in der heutigen Türkei), wo der Apostel Petrus als erster Bischof wirkte, und schließlich – die dritte und endgültige – Rom. Aufgrund des Martyriums der Apostelfürsten Petrus und Paulus "hat der Sitz von Rom, dem damit die größte Ehre zuteil wurde, auch jenen Auftrag erhalten, der dem Petrus durch Christus übertragen wurde: allen Teilkirchen zu dienen, zur Erbauung und zur Einheit des ganzen Volkes Gottes."

Das Fest Kathedra Petri diene somit dazu, im Papsttum und seinem Leitungsamt "ein bevorzugtes Zeichen der Liebe Gottes zu erkennen, dieses guten und ewigen Hirten, der seine ganze Kirche zusammenführen und sie auf dem Weg der Erlösung anführen will".

An seine Landsleute sowie die Pilger aus Österreich und der Schweiz wiederholte Benedikt XVI. gegen Ende der Generalaudienz seine zuvor geäußerte Bitte, die er nun in andere Worte kleidete: "Unterstützt mit eurem Gebet den Nachfolger Petri in seinem universalen Hirtendienst. Betet mit mir und für mich, dass der Heilige Geist mir mit seinem Licht und seiner Kraft in der Erfüllung meiner Mission stets beistehe. Dafür danke ich euch und dazu erbitte ich euch Gottes reichen Segen."



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Kirsty1
Thursday, February 23, 2006 7:14 PM
Benedikt XVI.: "Ihr seid dazu berufen, Diener der Wahrheit zu sein"

Ansprache vor den Ständigen Diakonen der Diözese Rom

ROM, 23. Februar 2006 (Zenit.org).- "Liebe Diakone Roms: Wenn ihr die unendliche Liebe Gottes lebt und bezeugt, dann wird euer Amt immer der Erbauung der kirchlichen Gemeinschaft dienen", erklärte Papst Benedikt XVI. während einer Audienz für die Ständigen Diakonen der Diözese Rom.

Bei der Begegnung, die anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedereinführung dieses Amtes am 19. Februar im Vatikan stattgefunden hat, erinnerte der Heilige Vater seine Gäste daran, dass sie das "Erbe einer langen Tradition" weiterführen, deren leuchtendes und einzigartiges Vorbild der heilige Lorenz ist. Auch in der heutigen Zeit gebe es viele arme Menschen, um die man sich kümmern müsse. "Nehmt diese Brüder und Schwestern herzlich und bereitwillig auf", fuhr der Papst fort. "Durch euren Dienst werden sich auch die Armen als Teil der großen Familie der Kinder Gottes fühlen, die die Kirche ist."

Benedikt XVI. verwies auf das große Vorbild des Diakons: "Er, Christus, ist das Vorbild, auf das wir schauen sollen. Im Evangelium hat er seinen Jüngern gesagt, dass er nicht gekommen sei, "um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt 20,2 – und so müsse auch der Christ handeln. "Die Gemeinschaft mit Christus, die ihr durch das Gebet, das sakramentale Leben und insbesondere durch die eucharistische Anbetung pflegen sollt, ist von größter Bedeutung für die Ausübung eures Amtes." Nur durch die lebendige Verbundenheit mit Jesus könne der Diakon die Liebe Christi wahrhaftig bezeugen.

Der Bischof von Rom bedankte sich bei allen Diakonen für ihren hochherzigen Dienst an der Kirche, etwa bei der Taufvorbereitung oder in der Familienpastoral. "Viele von euch arbeiten in Büros, in Krankenhäusern und Schulen: Auch in diesem Umfeld seid ihr dazu berufen, Diener der Wahrheit zu sein. Wenn ihr das Evangelium verkündet, dann könnt ihr jenes Wort schenken, dass die Arbeit des Menschen und das Leid der Kranken zu erleuchten vermag. Dadurch werdet ihr auch den neuen Generationen helfen, die Schönheit des christlichen Glaubens zu entdecken. Auf diese Weise seid ihr Diakone der Wahrheit, die frei macht, und werdet die Einwohner dieser Stadt dazu führen, Christus zu begegnen. Wenn der Mensch den Erlöser in sein Leben aufnimmt, dann wird dieser für ihn zur Quelle einer tiefen Freude – einer Freude, die auch in den Augenblicken der Prüfung Frieden schenkt. Deshalb seid Diener der Wahrheit – damit ihr Boten der Freude sein könnt, die Gott jedem Menschen schenken möchte."

Nach Angaben des 2.400 Seiten umfassenden Päpstlichen Jahrbuchs 2006, das vor knapp einer Woche veröffentlicht wurde, sind weltweit 32.324 Ständige Diakone im Einsatz, rund vier Fünftel von ihnen in Nordamerika und Europa.


Benedikt XVI.: "Ihr seid dazu berufen, Diener der Wahrheit zu sein"

Ansprache vor den Ständigen Diakonen der Diözese Rom

ROM, 23. Februar 2006 (Zenit.org).- "Liebe Diakone Roms: Wenn ihr die unendliche Liebe Gottes lebt und bezeugt, dann wird euer Amt immer der Erbauung der kirchlichen Gemeinschaft dienen", erklärte Papst Benedikt XVI. während einer Audienz für die Ständigen Diakonen der Diözese Rom.

Bei der Begegnung, die anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedereinführung dieses Amtes am 19. Februar im Vatikan stattgefunden hat, erinnerte der Heilige Vater seine Gäste daran, dass sie das "Erbe einer langen Tradition" weiterführen, deren leuchtendes und einzigartiges Vorbild der heilige Lorenz ist. Auch in der heutigen Zeit gebe es viele arme Menschen, um die man sich kümmern müsse. "Nehmt diese Brüder und Schwestern herzlich und bereitwillig auf", fuhr der Papst fort. "Durch euren Dienst werden sich auch die Armen als Teil der großen Familie der Kinder Gottes fühlen, die die Kirche ist."

Benedikt XVI. verwies auf das große Vorbild des Diakons: "Er, Christus, ist das Vorbild, auf das wir schauen sollen. Im Evangelium hat er seinen Jüngern gesagt, dass er nicht gekommen sei, "um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt 20,2 – und so müsse auch der Christ handeln. "Die Gemeinschaft mit Christus, die ihr durch das Gebet, das sakramentale Leben und insbesondere durch die eucharistische Anbetung pflegen sollt, ist von größter Bedeutung für die Ausübung eures Amtes." Nur durch die lebendige Verbundenheit mit Jesus könne der Diakon die Liebe Christi wahrhaftig bezeugen.

Der Bischof von Rom bedankte sich bei allen Diakonen für ihren hochherzigen Dienst an der Kirche, etwa bei der Taufvorbereitung oder in der Familienpastoral. "Viele von euch arbeiten in Büros, in Krankenhäusern und Schulen: Auch in diesem Umfeld seid ihr dazu berufen, Diener der Wahrheit zu sein. Wenn ihr das Evangelium verkündet, dann könnt ihr jenes Wort schenken, dass die Arbeit des Menschen und das Leid der Kranken zu erleuchten vermag. Dadurch werdet ihr auch den neuen Generationen helfen, die Schönheit des christlichen Glaubens zu entdecken. Auf diese Weise seid ihr Diakone der Wahrheit, die frei macht, und werdet die Einwohner dieser Stadt dazu führen, Christus zu begegnen. Wenn der Mensch den Erlöser in sein Leben aufnimmt, dann wird dieser für ihn zur Quelle einer tiefen Freude – einer Freude, die auch in den Augenblicken der Prüfung Frieden schenkt. Deshalb seid Diener der Wahrheit – damit ihr Boten der Freude sein könnt, die Gott jedem Menschen schenken möchte."

Nach Angaben des 2.400 Seiten umfassenden Päpstlichen Jahrbuchs 2006, das vor knapp einer Woche veröffentlicht wurde, sind weltweit 32.324 Ständige Diakone im Einsatz, rund vier Fünftel von ihnen in Nordamerika und Europa.



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Kirsty1
Saturday, February 25, 2006 8:38 PM
Benedikt XVI. über die Aufgaben von Richter und Seelsorger bei Ehe-Nichtigkeitsverfahren

Ansprache an die Mitglieder der Römischen Rota (28. Januar 2006)

ROM, 24. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt VI. am 28. Januar anlässlich der Eröffnung des Gerichtsjahres an die Mitglieder des Apostolischen Gerichtshofes der Römischen Rota gerichtet hat.

Im Clementina-Saal des Apostolischen Palastes erinnerte der Heilige Vater daran, das das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe "zur Unversehrtheit des christlichen Mysteriums" gehört. Aus diesem Grund müsse die pastorale Sensibilität dahin führen, "dass man sich bemüht, den Ehe-Nichtigkeiten schon bei der Zulassung zur Trauung vorzubeugen, und darauf hinwirkt, dass die Eheleute gegebenenfalls ihre Probleme lösen und den Weg der Versöhnung finden." In ihrer zweifachen natürlichen und sakramentalen Dimension ist die Ehe "kein Gut, über das die Eheleute verfügen könnten, und ebenso wenig ist es möglich, in Anbetracht ihrer sozialen und öffentlichen Natur irgendeine Art von Selbsterklärung anzunehmen".



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Verehrte Richter, Offiziale und Mitarbeiter
des Apostolischen Gerichtshofs der Römischen Rota!

Fast ein Jahr ist vergangen seit dem letzten Treffen eures Gerichtshofs mit meinem geliebten Vorgänger Johannes Paul II., das den Abschluss einer langen Reihe von Begegnungen bildete. Von dem reichen Erbe, das er uns auch auf dem Gebiet des kanonischen Rechts hinterlassen hat, möchte ich heute die Aufmerksamkeit insbesondere auf die Instruktion Dignitas connubii lenken, die das Verfahren regelt, das bei Ehe-Nichtigkeitsprozessen zu beachten ist. Mit ihr wollte man eine Art Vademecum erarbeiten, das die auf diesem Gebiet geltenden Normen nicht nur zusammenfasst, sondern sie durch weitere Anordnungen bereichert, die für die rechte Anwendung der Normen notwendig waren. Der wichtigste Beitrag dieser Instruktion, die, wie ich wünsche, von den Mitarbeitern der kirchlichen Gerichtshöfe vollständig angewendet wird, besteht darin, aufzuzeigen, in welchem Maß und auf welche Weise in den Ehe-Nichtigkeitsverfahren die Normen angewendet werden müssen, die in den Kanones bezüglich des ordentlichen Streitverfahrens enthalten sind, unter Beachtung der vorgeschriebenen besonderen Normen für Personenstandssachen und Sachen des öffentlichen Wohls.

Wie ihr sehr gut wisst, übersteigt die den Ehe-Nichtigkeitsprozessen gewidmete Aufmerksamkeit immer mehr den Bereich der Spezialisten. Denn die kirchlichen Urteile auf diesem Gebiet wirken sich bei nicht wenigen Gläubigen auf die Möglichkeit aus, die eucharistische Kommunion empfangen zu können oder nicht. Gerade dieser vom Standpunkt des christlichen Lebens so entscheidende Aspekt erklärt, warum das Thema der Nichtigkeit der Ehe auch bei der jüngsten Bischofssynode über die Eucharistie wiederholt vorgebracht wurde. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, dass die in den Arbeiten der Synode zum Ausdruck gebrachte pastorale Sorge und der Geist der in Dignitas connubii gesammelten Rechtsnormen weit auseinandergehen, ja beinahe entgegengesetzt sind. Einerseits könnte es scheinen, als hätten die Synodenväter die kirchlichen Gerichtshöfe eingeladen, sich dafür einzusetzen, dass die nicht kanonisch getrauten Gläubigen so bald wie möglich ihre eheliche Situation regeln und wieder zum eucharistischen Mahl hinzutreten können. Anderseits hat es aber den Anschein, die kanonische Gesetzgebung und die jüngste Instruktion würden diesem pastoralen Antrieb Grenzen setzen, als sei es die Hauptsorge, die vorgesehenen juridischen Formalitäten zu erledigen, unter der Gefahr, die pastorale Zielsetzung des Verfahrens außer acht zu lassen. Hinter diesem Ansatz verbirgt sich eine behauptete Gegensätzlichkeit zwischen Recht und Pastoral im Allgemeinen. Ich möchte jetzt nicht erneut die Frage vertiefen, die schon Johannes Paul II. wiederholt, vor allem in seiner Ansprache an die Römische Rota von 1990 (Englisch) behandelt hat. Bei dieser ersten Begegnung mit euch will ich mich vielmehr auf das konzentrieren, was den grundlegenden Berührungspunkt zwischen Recht und Pastoral darstellt: die Liebe zur Wahrheit. Mit dieser Aussage schließe ich mich in geistiger Weise auch dem an, was euch mein verehrter Vorgänger in der Ansprache (Deutsch) vom vergangenen Jahr gesagt hat.

Der kanonische Ehe-Nichtigkeitsprozess ist im Wesentlichen ein Mittel, um die Wahrheit über das Eheband festzustellen. Sein konstitutives Ziel ist daher nicht, das Leben der Gläubigen unnötig zu verkomplizieren und ebenso wenig ihre Streitlust anzufachen, sondern nur der Wahrheit zu dienen. Im Übrigen ist das Institut des Prozesses im allgemeinen kein Mittel an sich, um irgendein Interesse zu verfolgen, sondern ein qualifiziertes Mittel, um der Verpflichtung zur Gerechtigkeit, jedem das Seine zu geben, nachzukommen. Der Prozess ist gerade in seiner Wesensstruktur ein Institut der Gerechtigkeit und des Friedens. Denn das Ziel des Prozesses ist die Erklärung der Wahrheit seitens eines unparteiischen Dritten, nachdem den Parteien gleiche Gelegenheit gegeben worden war, innerhalb eines angemessenen Zeitraums der Erörterung Argumente und Beweise vorzubringen. Dieser Austausch der Ansichten ist normalerweise notwendig, damit der Richter die Wahrheit erkennen und folglich das Verfahren nach Gerechtigkeit entscheiden kann. Jedes prozessuale System muss also darauf abzielen, die Objektivität, die Rechtzeitigkeit und die Wirksamkeit der richterlichen Entscheidungen sicherzustellen.

Auch auf diesem Gebiet ist die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft von grundlegender Bedeutung. Wenn der Prozess der rechten Vernunft entspricht, kann die Tatsache nicht verwundern, dass die Kirche das prozessuale Verfahren anwendet, um innerkirchliche Fragen rechtlicher Natur zu lösen. So hat sich eine nunmehr jahrhundertlange Tradition gefestigt, die in den kirchlichen Gerichten der ganzen Welt bis heute beibehalten wird. Man sollte sich auch vor Augen halten, dass das kanonische Recht in der Zeit des mittelalterlichen klassischen Rechts ganz erheblich dazu beigetragen hat, die Gestaltung des prozessualen Verfahrens selbst zu vervollkommnen. Seine Anwendung in der Kirche betrifft vor allem die Fälle, in denen, wenn die Streitfrage verfügbar ist, die Parteien eine Einigung finden könnten, die den Streit beilegt, was aber aus verschiedenen Gründen nicht geschieht. Die Anwendung des Prozessweges bei der Suche nach der Bestimmung dessen, was gerecht ist, zielt nicht darauf ab, die Konflikte zu verschärfen, sondern sie menschlicher zu machen, indem Lösungen gefunden werden, die den Erfordernissen der Gerechtigkeit objektiv angemessen sind. Natürlich genügt diese Lösung allein nicht, weil die Personen Liebe brauchen, aber wenn es unvermeidlich ist, ist sie ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung. Die Prozesse können sich dann auch um Sachverhalte drehen, die über die Verfügungsfähigkeit der Parteien hinausgehen, insofern sie die Rechte der ganzen kirchlichen Gemeinschaft betreffen. Gerade in diesen Bereich gehört der Prozess, der die Nichtigkeit einer Ehe erklärt. Denn die Ehe ist in ihrer zweifachen natürlichen und sakramentalen Dimension kein Gut, über das die Eheleute verfügen könnten, und ebenso wenig ist es möglich, in Anbetracht ihrer sozialen und öffentlichen Natur irgendeine Art von Selbsterklärung anzunehmen.

Hier ergibt sich von selbst die zweite Bemerkung. Kein Prozess ist streng gegen die andere Partei gerichtet, als ginge es darum, ihr einen ungerechten Schaden zuzufügen. Das Ziel ist nicht, jemandem ein Gut zu nehmen, sondern die Zugehörigkeit der Güter zu den Personen und den Institutionen zu bestimmen und zu schützen. Zu dieser für jeden Prozess gültigen Überlegung kommt im Fall der Ehe-Nichtigkeit noch eine weitere spezifische Überlegung hinzu. Hier gibt es kein zwischen den Parteien strittiges Gut, das der einen oder anderen Partei zuzusprechen wäre. Gegenstand des Prozesses ist hingegen, die Wahrheit zu erklären im Bezug auf die Gültigkeit oder Ungültigkeit einer konkreten Ehe, das heißt hinsichtlich einer Wirklichkeit, welche die Institution der Familie begründet und welche die Kirche und die zivile Gesellschaft im höchsten Maß betrifft. Deshalb kann man bekräftigen, dass in dieser Art von Prozessen die Adressatin des Antrags auf Erklärung die Kirche selbst ist. In Anbetracht der natürlichen Vermutung der Gültigkeit der formell geschlossenen Ehe bestellte mein Vorgänger Benedikt XIV., ein bedeutender Kanonist, den Bandverteidiger und machte dessen Beteiligung an besagten Prozessen zur Pflicht (vgl. Apostolische Konstitution Dei miseratione , 3. November 1741). Auf diese Weise wird die prozessuale Dialektik, die auf die Feststellung der Wahrheit ausgerichtet ist, in höherem Maße garantiert.

Das Kriterium der Suche nach der Wahrheit kann, ebenso wie es uns dazu anleitet, die Dialektik des Prozesses zu verstehen, auch dazu dienen, einen weiteren Aspekt der Frage zu erfassen: ihre pastorale Bedeutung, die von der Wahrheitsliebe nicht zu trennen ist. Denn es kann geschehen, dass die pastorale Liebe manchmal beeinträchtigt wird durch Haltungen, die den Menschen entgegenkommen wollen. Diese Haltungen scheinen pastoral zu sein, aber in Wirklichkeit entsprechen sie nicht dem Wohl der Personen und der kirchlichen Gemeinschaft; weil sie die Konfrontation mit der rettenden Wahrheit vermeiden, können sie sich geradezu als kontraproduktiv für die Heil bringende Begegnung eines jeden mit Christus erweisen. Das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe, das von Johannes Paul II. an dieser Stelle mit Nachdruck bekräftigt wurde (vgl. Ansprachen vom 21. Januar 2000 und vom 28. Januar 2002), gehört zur Unversehrtheit des christlichen Mysteriums. Heute müssen wir leider feststellen, dass diese Wahrheit mitunter im Gewissen der Christen und der Menschen guten Willens verdunkelt ist. Gerade aus diesem Grund ist der Dienst trügerisch, den man den Gläubigen und den nichtchristlichen Eheleuten in Schwierigkeiten anbietet, wenn man in ihnen, vielleicht auch nur implizit, die Tendenz verstärkt, die Unauflöslichkeit der eigenen Ehe zu vergessen. So läuft gegebenenfalls das Eingreifen der kirchlichen Behörde in den Nichtigkeitsverfahren Gefahr, als reine Kenntnisnahme eines Scheiterns zu erscheinen.

Die in den Ehe-Nichtigkeitsverfahren gesuchte Wahrheit ist jedoch keine abstrakte, vom Wohl der Personen losgelöste Wahrheit. Sie ist eine Wahrheit, die sich in den menschlichen und christlichen Weg jedes Gläubigen integriert. Es ist deshalb sehr wichtig, dass ihre Erklärung innerhalb eines vernünftigen Zeitraums erfolgt. Die göttliche Vorsehung weiß gewiss aus Bösem Gutes zu ziehen, auch wenn die kirchlichen Institutionen ihre Pflicht vernachlässigen oder Fehler begehen. Aber es ist eine dringende Pflicht, den Gläubigen das institutionelle Wirken der Kirche in den Gerichten immer näher zu bringen. Die pastorale Sensibilität muss dahin führen, dass man sich bemüht, den Ehe-Nichtigkeiten schon bei der Zulassung zur Trauung vorzubeugen, und darauf hinwirkt, dass die Eheleute gegebenenfalls ihre Probleme lösen und den Weg der Versöhnung finden. Eben dieses pastorale Feingefühl muss angesichts der tatsächlichen Situation der Personen auch dazu führen, die Wahrheit zu verteidigen und die Normen anzuwenden, die vorgesehen sind, um sie im Prozess zu schützen.

Ich hoffe, dass diese Überlegungen deutlich machen können, wie die Liebe zur Wahrheit die Institution des kanonischen Ehe-Nichtigkeitsprozesses mit dem wahren pastoralen Sinn verbindet, der diese Prozesse erfüllen soll. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, erweisen sich die Instruktion Dignitas connubii und die Sorgen, die in der letzten Synode vorgebracht wurden, als völlig übereinstimmend. Meine Lieben, diese Harmonie herbeizuführen ist die schwierige und faszinierende Aufgabe, für deren diskrete Erfüllung die kirchliche Gemeinschaft euch sehr dankbar ist. Mit dem herzlichen Wunsch, dass eure richterliche Tätigkeit zum Wohl all derer beitrage, die sich an euch wenden, und ihnen helfe in der persönlichen Begegnung mit der Wahrheit, die Christus ist, segne ich euch voll Dankbarkeit und Zuneigung.

[Vom Heiligen Stuhl veröffentlichte deutsche Übersetzung]




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Kirsty1
Monday, February 27, 2006 8:10 PM
Ansprache Benedikts XVI. an die Kranken

Heilige Messe am XIV. Welttag der Kranken im Petersdom (11. Februar 2006)

ROM, 27. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes (Frankreich), im Anschluss an die Heilige Messe im Petersdom gehalten hat.

Der Heilige Vater bezeichnete die Krankheit als ein Zeichen dafür, dass wir es alle nötig haben, vom Sohn Mariens erlöst zu werden. Die Jungfrau Maria habe sich in Lourdes als die Unbefleckte Empfängnis offenbart, "um die moderne Welt daran zu erinnern, dass die göttliche Gnade, die stärker ist als Sünde und Tod, den höchsten Stellenwert besitzt", betonte er. Jeder, der "im Namen der Liebe und im Stil der Liebe handelt" und den Kranken und Einsamen beisteht, leiste "einen wertvollen Beitrag zur Evangelisierung, denn die Verkündigung des Evangeliums braucht glaubwürdige Zeichen zu ihrer Untermauerung. Und diese Zeichen sprechen die Sprache der allumfassenden Liebe, eine Sprache, die alle Menschen verstehen."



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Liebe Brüder und Schwestern!

Mit großer Freude bin ich zu euch gekommen und danke euch für den herzlichen Empfang, den ihr mir bereitet habt. Ich richte meinen Gruß insbesondere an euch, liebe Kranke, die ihr hier in der Petersbasilika versammelt seid, und möchte ihn ausweiten auf alle Kranken, die unsere Begegnung über Radio und Fernsehen verfolgen, und auf diejenigen, die diese Möglichkeit nicht haben, die aber durch den Glauben und das Gebet mit uns in geistiger Weise eng verbunden und vereint sind.

Ich grüße Kardinal Camillo Ruini, der die Eucharistiefeier zelebriert hat, und Kardinal Francesco Marchisano, Erzpriester der Vatikanbasilika. Ich grüße alle weiteren hier anwesenden Bischöfe und Priester. Ich danke der "UNITALSI" ["Unione Nazionale Italiana Trasporto Ammalati a Lourdes e Santuari Internazionali", Italienischer Verband für den Transport von Kranken nach Lourdes und zu internationalen Wallfahrtsorten", Anm. d. Red.] und der "Opera Romana Pellegrinaggi" ["Römisches Pilgerwerk", Anm. d. Red], die diese Begegnung zusammen mit zahlreichen freiwilligen Helfern vorbereitet und organisiert haben. Meine Gedanken gehen auch auf die andere Seite unseres Planeten, nach Australien, wo in der Stadt Adelaide bereits vor einigen Stunden die Eucharistiefeier stattgefunden hat, die der Höhepunkt des Welttages der Kranken war und der mein Sondergesandter, Kardinal Javier Lozano Barragán, Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, vorgestanden hat.

Seit 14 Jahren wird der 11. Februar, der liturgische Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, auch als Welttag der Kranken begangen. Wir alle wissen, dass die selige Jungfrau bei der Grotte von Massabielle Gottes zärtliche Liebe zu den Leidenden offenbart hat. Diese zärtliche und fürsorgliche Liebe ist am Festtag Unserer Lieben Frau in Lourdes in der Welt besonders deutlich spürbar, da an diesem Tag in der Liturgie und besonders in der Eucharistie das Mysterium Christi, des Erlösers der Welt, dessen Erstlingsfrucht die Unbefleckte Jungfrau ist, erneut gegenwärtig wird. Als die allerseligste Jungfrau Maria sich Bernadette als die Unbefleckte Empfängnis offenbarte, da kam sie, um die moderne Welt daran zu erinnern, dass die göttliche Gnade, die stärker ist als Sünde und Tod, den höchsten Stellenwert besitzt, eine Tatsache, die die Welt damals zu vergessen drohte. Und so wurde der Ort ihrer Erscheinung, die Grotte von Massabielle in Lourdes, zu einem Anziehungspunkt für das ganze Gottesvolk und besonders für all jene, die sich belastet fühlen und Leid tragen in Körper und Geist.

"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen", hat Jesus gesagt (Mt 11,2 . In Lourdes wiederholt er durch die mütterliche Mittlerschaft Mariens immer wieder diese Einladung, die allen gilt, die sich mit Vertrauen dorthin begeben.

Liebe Brüder und Schwestern, zusammen mit meinen Mitarbeitern vom Päpstlichen Rat für die Pastoral im Krankendienst habe ich in diesem Jahr die Aufmerksamkeit besonders auf die Menschen lenken wollen, die mit psychischen und geistigen Krankheiten behaftet sind. "Geistige Gesundheit und Menschenwürde" war das Thema der Tagung, die in Adelaide stattgefunden hat und auf der gemeinsam wissenschaftliche, ethische und pastorale Aspekte vertieft worden sind. Wir alle wissen, dass Jesus dem Menschen in seinem ganzen Sein gegenübergetreten ist, um ihn vollständig zu heilen, an Körper, Psyche und Geist. Die menschliche Person ist in der Tat ein Ganzes, und ihre verschiedenen Dimensionen können und müssen unterschieden, dürfen aber nicht voneinander getrennt werden. So ist auch die Kirche stets entschlossen, die Personen als solche zu betrachten, und diese Einstellung zeichnet die katholischen Gesundheitseinrichtungen aus, ebenso wie den Arbeitsstil der Mitarbeiter im Krankendienst, die in ihnen tätig sind. In diesem Augenblick denke ich besonders an die Familien, die geistig kranke Menschen unter ihre Angehörigen zählen und die die Not und die verschiedenen Probleme, die diese Tatsache mit sich bringt, selbst erleben. Wir fühlen uns all diesen Situationen nahe, durch das Gebet und die zahllosen Initiativen, die die kirchliche Gemeinschaft überall auf der Welt ins Leben ruft, besonders dort, wo die Gesetzgebung mangelhaft ist, wo die öffentlichen Strukturen nicht ausreichen und wo Naturkatastrophen oder leider auch Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen schwere psychische Traumata bei den Menschen hervorrufen. Dies sind Formen der Armut, die die tätige Liebe Christi, des barmherzigen Samariters, auf den Plan rufen, ebenso wie die der Kirche, die untrennbar mit ihm vereint ist im Dienst an der Leid tragenden Menschheit.

Allen Ärzten, dem Pflegepersonal und den anderen im Krankendienst Tätigen sowie allen freiwilligen Helfern, die sich in diesem Bereich engagieren, möchte ich heute symbolisch die Enzyklika "Deus caritas est" überreichen, mit dem Wunsch, dass die Liebe Gottes immer in ihren Herzen lebendig sein und ihre tägliche Arbeit beseelen – die Projekten, Initiativen und vor allem ihren Umgang mit den kranken Menschen. Indem ihr, liebe Freunde, im Namen der Liebe und im Stil der Liebe handelt, leistet ihr auch einen wertvollen Beitrag zur Evangelisierung, denn die Verkündigung des Evangeliums braucht glaubwürdige Zeichen zu ihrer Untermauerung. Und diese Zeichen sprechen die Sprache der allumfassenden Liebe, eine Sprache, die alle Menschen verstehen.

Gleich wird die geistliche Atmosphäre von Lourdes geschaffen und die Beleuchtung der Basilika gelöscht werden. Wir werden unsere Kerzen entzünden als Symbol des Glaubens und der innigen Anrufung Gottes. Der Gesang des "Ave Maria" von Lourdes wird uns einladen, uns im Geiste zur Grotte von Massabielle zu begeben, um zu Füßen der Unbefleckten Jungfrau zu verweilen. Ihr wollen wir in tiefem Glauben unser menschliches Dasein darbringen, unsere Krankheiten, die ein Zeichen dafür sind, dass wir alle auf dem irdischen Pilgerweg es nötig haben, von ihrem Sohn Jesus Christus erlöst zu werden. Maria halte unsere Hoffnung wach, damit wir in Treue zur Lehre Christi uns erneut darum bemühen, unseren Brüdern und Schwestern in ihrer Krankheit beizustehen. Möge der Herr gewähren, dass niemand im Augenblick der Not allein und verlassen ist, sondern dass im Gegenteil jeder Mensch auch in Krankheit der menschlichen Würde entsprechend leben kann. Mit diesen Empfindungen erteile ich euch allen, den Kranken, den im Krankendienst Tätigen und den freiwilligen Helfern, von Herzen den Apostolischen Segen.

[Vom Heiligen Stuhl veröffentlichte deutsche Übersetzung des italienischen Originals]


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Kirsty1
Monday, March 06, 2006 7:25 PM
Benedikt XVI. über den Dienst der Nächstenliebe, die Aufgabe jedes Diakons



Ansprache an die Ständigen Diakone der Diözese Rom (18. Februar 2006)

ROM, 6. März 2006 (Zenit.org).- "Er, Christus, ist das Vorbild, auf das wir schauen sollen." Mit diesem Satz fasste Benedikt XVI. den Inhalt des gesamten christlichen Lebens zusammen, als er am 18. Februar im Clementina-Saal die Ständigen Diakone der Diözese Rom empfing. In seiner Ansprache betonte der Papst die Notwendigkeit der "Vereinigung mit Christus, die durch das Gebet, das sakramentale Leben und besonders die eucharistische Anbetung aufrechterhalten werden muss", sowie die Bereitschaft, "der Verkündigung des Evangeliums das konkrete Zeugnis des Liebesdienstes zur Seite zu stellen". Dieser Liebesdienst gehöre zum Wesen der Kirche, "ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst".



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Liebe römische Diakone!

Ich freue mich ganz besonders über die heutige Begegnung, die am 25. Jahrestag der Wiedereinführung des ständigen Diakonats in der Diözese Rom stattfindet. Ich grüße mit Zuneigung den Kardinalvikar, dem ich für die Worte danke, die er im Namen aller an mich gerichtet hat. Ich grüße auch Bischof Vincenzo Apicella, den ehemaligen Leiter des Diözesanzentrums für das ständige Diakonat, und Msgr Francesco Peracchi, den Delegaten des Kardinalvikars, der seit Jahren eure Ausbildung begleitet. Ich heiße jeden von euch sowie eure Familien sehr herzlich willkommen.

Der Apostel Paulus sagt in einem berühmten Abschnitt des Briefes an die Philipper: Christus "entäußerte sich und wurde wie ein Sklave" (Phil 2,7). Er, Christus, ist das Vorbild, auf das wir schauen sollen. Im Evangelium hat er zu seinen Jüngern gesagt, dass er nicht gekommen sei, "um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt 20,2 . Vor allem hat er beim Letzten Abendmahl, nachdem er den Aposteln erneut deutlich gemacht hatte, dass er unter ihnen sei "wie der, der bedient" (Lk 22,27), die demütige Geste vollzogen, die den Sklaven vorbehalten war: Er wusch den Zwölfen die Füße und gab seinen Jüngern so ein Vorbild, das sie im Dienst und in der Liebe zueinander nachahmen sollten.

Die Vereinigung mit Christus, die durch das Gebet, das sakramentale Leben und besonders die eucharistische Anbetung aufrechterhalten werden muss, ist sehr wichtig für euren Dienst, damit durch ihn wirklich die Liebe Gottes bezeugt werden kann. In der Enzyklika "Deus caritas est" habe ich geschrieben: "Liebe kann 'geboten' werden, weil sie zuerst geschenkt wird" (14). Liebe Diakone, nehmt mit Freude und Dankbarkeit die Liebe an, die der Herr euch gegenüber empfindet und die er in euer Leben ausgießt, und gebt großzügig all das an die Menschen weiter, was ihr umsonst empfangen habt. Die Kirche von Rom blickt auf eine lange Tradition im Dienst an den Armen der Stadt zurück. In den letzten Jahren sind neue Formen der Armut aufgetreten: Viele Menschen haben nämlich den Sinn des Lebens verloren und besitzen keine Wahrheit, auf der sie die eigene Existenz aufbauen könnten; viele Jugendliche haben das Verlangen, Menschen zu begegnen, die es verstehen, ihnen zuzuhören und sie in schwierigen Lebenslagen zu beraten. Neben der materiellen Armut begegnen wir auch geistlicher und kultureller Armut. Unsere Diözese, die sich der Tatsache bewusst ist, dass die Begegnung mit Christus "unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt" (Deus caritas est, 1), schenkt dem Thema der Weitergabe des Glaubens besondere Aufmerksamkeit.

Liebe Diakone, ich danke euch für die Dienste, die ihr so großherzig in vielen Pfarrgemeinden Roms leistet, wobei ihr euch besonders der Tauf- und der Familienpastoral widmet. Indem ihr das Evangelium Christi lehrt, das euch vom Bischof am Tag eurer Weihe übergeben wurde, helft ihr den Eltern, die um die Taufe für ihre Kinder bitten, das Geheimnis des göttlichen Lebens, das uns geschenkt wurde, und das Geheimnis der Kirche, der großen Familie Gottes, zu vertiefen, während ihr den Verlobten, die den Wunsch haben, das Sakrament der Ehe zu empfangen, die Wahrheit über die menschliche Liebe verkündet und ihnen dabei erklärt: "Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt" (Deus caritas est, 11). Viele von euch gehen beruflichen Tätigkeiten in Büros, Krankenhäusern und Schulen nach: An diesen Orten seid ihr dazu berufen, Diener der Wahrheit zu sein. Durch eure Verkündigung des Evangeliums werdet ihr das Wort weitergeben können, das die Arbeit des Menschen und das Leiden der Kranken zu erhellen und ihnen Sinn zu verleihen vermag, und ihr werdet den jungen Generationen helfen, die Schönheit des christlichen Glaubens zu entdecken. Ihr werdet auf diese Weise Diakone der Wahrheit sein, die frei macht, und werdet die Bewohner dieser Stadt zur Begegnung mit Jesus Christus führen. Den Erlöser im eigenen Leben aufzunehmen ist für den Menschen Quelle tiefer Freude, einer Freude, die auch in Momenten der Prüfung Frieden schenken kann. Seid daher Diener der Wahrheit, um Boten der Freude zu sein, die Gott jedem Menschen schenken will.

Es genügt jedoch nicht, den Glauben nur mit Worten zu verkünden, denn, wie der Apostel Jakobus in Erinnerung ruft, ist der Glaube "für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat" (Jak 2,17). Es ist daher notwendig, der Verkündigung des Evangeliums das konkrete Zeugnis des Liebesdienstes zur Seite zu stellen, und dieser "ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität … sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst" (Deus caritas est, 25). Der Liebesdienst gehörte von Anfang an zum diakonischen Dienst: die sieben Diakone, von denen die Apostelgeschichte berichtet, wurden gewählt, um sich dem Dienst an den Tischen zu widmen. Ihr seid als Glieder der Kirche von Rom Erben einer langen Tradition, die im Diakon Laurentius eine einzigartig schöne und leuchtende Gestalt besitzt. Viele Arme, die oft aus Ländern kommen, die weit von Italien entfernt liegen, klopfen an die Türen der Pfarrgemeinden, um notwendige Hilfeleistungen zur Überwindung schwieriger Momente zu erbitten. Nehmt diese Brüder und Schwestern mit großer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft auf, versucht, ihnen so weit wie möglich in ihren Bedürfnissen zu helfen, und denkt dabei immer an die Worte des Herrn: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40). Ich bringe denjenigen unter euch, die sich tagtäglich im Verborgenen darum bemühen, auf diese Weise die Nächstenliebe zu bezeugen, meine Dankbarkeit zum Ausdruck. Durch euren Dienst spüren nämlich auch die Armen, dass sie zu jener großen Familie der Kinder Gottes gehören, die die Kirche ist.

Liebe römische Diakone, möge euer Dienst, in dem ihr die grenzenlose Liebe Gottes lebt und bezeugt, stets dem Aufbau der Kirche als Gemeinschaft dienen. In eurer Arbeit werdet ihr von der Liebe und vom Gebet eurer Familien getragen. Eure Berufung ist eine besondere Gnade für euer Familienleben, das auf diese Weise berufen ist, sich immer mehr zu öffnen, um dem Willen des Herrn und den Bedürfnissen der Kirche zu entsprechen. Der Herr vergelte auch die Hilfsbereitschaft, mit der eure Ehefrauen und Kinder euch bei eurem Dienst an der ganzen kirchlichen Gemeinschaft zur Seite stehen.

Maria, die demütige Magd des Herrn, die der Welt den Erlöser geschenkt hat, und der Diakon Laurentius, der den Herrn so sehr geliebt hat, dass er sein Leben für ihn hingegeben hat, mögen euch stets durch ihre Fürbitte begleiten. Mit diesen Empfindungen erteile ich von Herzen einem jeden von euch den Apostolischen Segen, den ich gerne ausweite auf alle, die euch nahestehen, und all jene, denen ihr in eurem Dienst begegnet.


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Kirsty1
Wednesday, March 08, 2006 7:57 PM
Der Weg zu einem lebendigen Glauben: Offenheit, Einheit mit der Kirche

Ansprache Benedikts XVI. an den römischen Klerus

ROM, 8. März 2006 (Zenit.org).- "Wir müssen Tag für Tag diese unsere Gemeinschaft mit der Heiligen Kirche und so mit dem Wort Gottes vertiefen", diesen Rat gab der Heilige Vater den Priestern und Diakonen, die er am 2. März im Vatikan empfing. In seiner Ansprache wies er ihnen den Weg zu einem tiefen, lebendigen Glauben und ging dabei auch auf einen wesentlichen Unterschied zum islamischen Glauben ein: die Mitwirkung des Menschen.

"Wie kommt man zu einem lebendigen Glauben, zu einem wirklich katholischen Glauben, zu einem konkreten, lebhaften, wirksamen Glauben? Der Glaube ist in letzter Instanz eine Gabe. Folglich ist die erste Bedingung, sich etwas schenken zu lassen, nicht selbstgenügsam zu sein, nicht alles alleine zu machen – weil wir es nicht können. Die Bedingung ist, uns im Bewusstsein dafür zu öffnen, dass der Herr wirklich schenkt.

Offenheit

Mit scheint, dass dieser Gestus der Offenheit auch der erste Gestus des Gebets ist: offen zu sein für die Gegenwart des Herrn und seine Gabe. Das ist auch der erste Schritt dazu, etwas empfangen zu können, das wir nicht von uns aus machen und das wir nicht haben können, wenn wir es von uns allein aus machen wollen. Dieser Gestus der Offenheit, des Gebets – 'Schenke mir Glauben, o Herr' – muss mit unserem ganzen Sein verwirklicht werden. Wir müssen in diese Bereitschaft eintreten, die Gabe zu akzeptieren und uns von der Gabe in unserem Denken, in unseren Gefühlen, in unserem Willen durchdringen zu lassen."

Diesbezüglich erachtete es Benedikt XVI. für notwendig, einen "wesentlichen Punkt" zu unterstreichen: "Keiner glaubt nur im Ausgang von sich allein. Wir glauben immer in und mit der Kirche. Das Credo ist immer ein geteilter Akt, ein Sich-einfügen-Lassen in eine Gemeinschaft des Weges, des Lebens, des Wortes, des Denkens. Wir 'machen' den Glauben nicht, in dem Sinn, dass es in erster Linie Gott ist, der ihn gibt. Wir 'machen' den Glauben auch nicht in dem Sinn, dass er nicht von uns erfunden werden muss. Wir müssen uns sozusagen in die Gemeinschaft des Glaubens, in die Gemeinschaft der Kirche fallen lassen.

Glauben ist in sich ein katholischer Akt. Glauben ist Teilnahme an dieser großen Sicherheit, die im lebenden Subjekt der Kirche gegenwärtig ist. Nur so können wir auch die Heilige Schrift in der Verschiedenheit einer Lesung verstehen, die sich über tausend Jahre hinweg entwickelt hat. Sie ist eine Schrift, weil sie ein Element ist, Ausdruck des einzigen Subjekts – des Volkes Gottes – das in seiner Pilgerschaft immer dasselbe Subjekt ist. Es ist natürlich ein Subjekt, das nicht von alleine spricht. Es ist ein von Gott geschaffenes Subjekt – der klassische Ausdruck ist: es ist 'inspiriert' –; ein Subjekt, das empfängt, dann übersetzt und dieses Wort mitteilt.

Einheit mit der Kirche

Diese Synergie ist sehr wichtig. Wir wissen, dass der Koran nach dem islamischen Glauben wörtlich von Gott gegebenes Wort ist, ohne menschliche Vermittlung. Der Prophet hat damit nichts zu tun. Er hat es nur aufgeschrieben und mitgeteilt. Es ist reines Wort Gottes. Während für uns Gott mit uns in Gemeinschaft tritt, uns mitarbeiten lässt, dieses neue Subjekt schafft. Sein Wort wächst und entwickelt sich in diesem Subjekt. Dieser menschliche Teil ist wesentlich, und er gibt uns auch die Möglichkeit zu sehen, wie die einzelnen Worte wirklich Wort Gottes nur in Einheit mit der ganzen Schrift im lebendigen Subjekt des Volkes Gottes werden.

Das erste Element ist also die Gabe Gottes. Das zweite ist die Teilnahme am Glauben des pilgernden Volkes, die Kommunikation in der Heiligen Kirche, die ihrerseits das Wort Gottes empfängt, das der Leib Christi ist, beseelt vom lebenden Wort, vom göttlichen Logos. Wir müssen Tag für Tag diese unsere Gemeinschaft mit der Heiligen Kirche und so mit dem Wort Gottes vertiefen. Es sind nicht zwei einander entgegensetzte Dinge, so dass ich sagen könnte: Ich bin mehr für die Kirche oder ich bin mehr für das Wort Gottes.

Nur vereint ist man in der Kirche, ist man Teil der Kirche, wird man Mitglied der Kirche, lebt man vom Wort Gottes, das die Kraft des Lebens der Kirche ist. Wer vom Wort Gottes lebt, kann dies nur tun, weil es lebendig und vital in der lebendigen Kirche ist."



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Kirsty1
Wednesday, March 08, 2006 7:57 PM
Publikationsdatum: 2006-03-08

Benedikt XVI. über die Aufgaben des christlichen Unternehmers

Ansprache an die Mitglieder der Christlichen Union der Arbeitgeber und Leitenden (4. März 2006)

ROM, 8. März 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Samstag vor den Mitgliedern der Christlichen Union für Arbeitgeber und Leitende ("Unione Cristiana Imprenditori e Dirigenti", UCID) in der Audienzhalle Paul VI. gehalten hat.

Der Heilige Vater riet seinen Gästen, mit dem heiligen Josef Umgang zu pflegen und ihn nachzuahmen, tätige Nächstenliebe zu üben sowie persönliche Verantwortung, aber auch die Familie zu fördern. Hierbei handle es sich um Werte, "die leider auch aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten oft Gefahr laufen, von den Unternehmern, denen eine gefestigte moralische Inspiration fehlt, nicht befolgt zu werden. Darum ist der Beitrag all derer unentbehrlich, die aus ihrer christliche Erziehung schöpfen, die nie als einfach gegeben angesehen werden darf, sondern immer genährt und erneuert werden muss."



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Herr Kardinal,
liebe Freunde der Christlichen Union der Arbeitgeber und Leitenden!

Ich freue mich, Sie zu empfangen und jeden von Ihnen freundlich zu begrüßen. Ein besonderer Gedanke gilt Kardinal Ennio Antonelli, der die gemeinsamen Gefühle interpretiert hat. Ich danke ihm für sein Grußwort wie auch dem Vorsitzenden des UCID für die freundlichen Worte, mit denen er unsere Begegnung eingeleitet hat, indem er die Motivationen und den Stil sowohl Ihres persönlichen Einsatzes als auch des Einsatzes der Vereinigung präsentierte. In besonderer Weise hat mich die von Ihnen geäußerte Absicht beeindruckt, eine Ethik zu erstreben, die über die einfache professionelle Deontologie hinausgeht – selbst wenn im aktuellen Kontext auch das schon nicht wenig wäre. Dies hat mich an den Bezug zwischen Gerechtigkeit und Nächstenliebe denken lassen, dem ich eine spezifische Reflexion im zweiten Teil der Enzyklika "Deus caritas est" (26-29) gewidmet habe.

Der Christ ist dazu berufen, immer die Gerechtigkeit zu suchen. Er trägt aber in sich den Schub der Liebe, die über reine Gerechtigkeit hinausgeht. Der von den christlichen Laien von der Mitte des 19. Jahrhunderts an bis heute verwirklichte Weg hat sie zum Bewusstsein gebracht, dass die Werke der Nächstenliebe nicht an die Stelle des Einsatzes für die soziale Gerechtigkeit treten dürfen. Die Soziallehre der Kirche und vor allem die Aktivität vieler Zusammenschlüsse christlicher Inspiration wie die Ihrige zeigen, wie weit die kirchliche Gemeinschaft bei diesem Argument gekommen ist. In diesen letzten Zeiten, dank auch des Lehramtes und des Zeugnisses der römischen Pontifices, und vor allem dank des geliebten Papstes Johannes Pauls II., ist es in uns allen klarer geworden, wie Gerechtigkeit und Nächstenliebe die beiden untrennbaren Aspekte des einzigen sozialen Engagements des Christen sind.

Es kommt in besonderer Weise den gläubigen Laien zu, für eine gerechte Ordnung in der Gesellschaft zu wirken, indem sie in erster Person am öffentlichen Leben teilnehmen und mit den anderen Bürgern in persönlicher Verantwortung zusammenarbeiten (vgl. Deus caritas est, 29). Gerade indem sie das tun, sind sie von der 'sozialen Nächstenliebe' beseelt, die sie auf die Personen als Personen, auf die Situationen größerer Schwierigkeit und Einsamkeit, und auch auf die nicht materiellen Bedürfnisse aufmerksam macht (vgl. ebd., 28b).

Vor zwei Jahren wurde dank des Päpstlichen Rates "Justitia et Pax" das Kompendium der Soziallehre der Kirche veröffentlicht. Es handelt sich um ein formatives Instrument, das umso nützlicher gerade für all diejenigen ist, die die Absicht haben, sich vom Evangelium in ihrer Arbeit und professionellen Tätigkeit leiten zu lassen. Ich bin sicher, dass es Gegenstand einer aufmerksamen Prüfung auch Ihrerseits gewesen ist, und wünsche mir, dass es für jeden von Ihnen und für die lokalen Abteilungen der UCID zu einem steten Bezugspunkt bei der Prüfung der Fragen, bei der Ausarbeitung von Projekten, bei der Suche nach Lösungen für die komplexen Probleme der Welt der Arbeit und der Wirtschaft wird. In der Tat ist es gerade dieser Bereich, in dem Sie einen unverzichtbaren Teil Ihrer Mission als christliche Laien und somit Ihres Weges zur Heiligkeit verwirklichen.

Ich habe zudem mit Interesse das "Papier der Werte" der Jugend der UCID gesehen, und bin erfreut über den positiven Geist und den Geist des Vertrauens in die menschliche Person, der es beseelt. Jedem "Ich glaube" fügt es ein "Ich verpflichte mich" hinzu. Es zielt so auf die Kohärenz zwischen einer starken Überzeugung und einer ihr folgenden operativen Anstrengung. Im Besonderen habe ich das Vorhaben zu würdigen gewusst, jede Person entsprechend dem zu werten, was sie geben kann, entsprechend ihrer Talente, so dass jede Form der Ausnützung gemieden wird. Dasselbe gilt für die Wichtigkeit, die der Familie zuerkannt wird, und für die persönliche Verantwortung. Es handelt sich um Werte, die leider auch aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten oft Gefahr laufen, von den Unternehmern, denen eine gefestigte moralische Inspiration fehlt, nicht befolgt zu werden. Darum ist der Beitrag all derer unentbehrlich, die aus ihrer christliche Erziehung schöpfen, die nie als einfach gegeben angesehen werden darf, sondern immer genährt und erneuert werden muss.

Liebe Freunde, in wenigen Tagen feiern wir das Fest des heiligen Josef, des Patrons der Arbeiter. Mit Sicherheit ist in der Geschichte Ihrer Vereinigung seine Verehrung immer gegenwärtig gewesen. Meinerseits, der ich auch seinen Namen trage, bin ich heute froh, auf ihn nicht nur als himmlischen Schutzpatron und Fürsprecher für jede Ihrer wohlverdienten Initiativen verweisen zu können, sondern vorher noch auf ihn als Vertrauten Ihres Gebets, Ihres üblichen, sicher von Befriedigungen und Enttäuschungen gezeichneten Engagements, Ihrer täglichen und, so würde ich sagen, hartnäckigen Suche nach der Gerechtigkeit Gottes in den menschlichen Dingen. Gerade der heilige Josef wird Ihnen helfen, die anspruchsvolle Mahnung Jesu in die Praxis umzusetzen: "Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit" (Mt 6,33) Es stehe Ihnen auch immer die Jungfrau Maria zusammen mit den großen Zeugen der sozialen Nächstenliebe bei, die mit ihrer Lehre und ihrer Handlung das Evangelium der Nächstenliebe verbreitet haben. Es begleite Sie schließlich der Apostolische Segen, den ich Ihnen, die Sie hier anwesend sind, aus ganzem Herzen erteile und gern auf alle Mitglieder und Familienangehörige ausdehne.




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Kirsty1
Sunday, March 12, 2006 11:00 AM
Benedikt VI.: "Der afrikanische Kontinent ist die große Hoffnung der Kirche"

Begegnung Benedikts XVI. mit dem römischen Klerus

ROM, 10. März 2006 (Zenit.org).- Für den Heiligen Vater besteht die "große Verantwortung" der Christen in Europa heute darin, dem afrikanischen Kontinent zu Hilfe zu eilen. Diese Hilfeleistung könne allerdings "nur aus jenem Glauben heraus entstehen, der jenseits menschlicher Trennungen universale Liebe entstehen lässt", erklärte Benedikt XVI. am 2. März in der "Aula delle Benedizioni" im Vatikan.

Bei dem Treffen des Papstes mit dem Klerus der Diözese Rom, das jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit stattfindet, analysierte Benedikt XVI. die Situation der Kirche in Afrika. "Der afrikanische Kontinent ist die große Hoffnung der Kirche. In den letzten Monaten habe ich den größten Teil der afrikanischen Bischöfe anlässlich ihres Ad-limina-Besuchs empfangen. Es war für mich sehr erbauend und auch tröstend, Bischöfe von theologisch und kulturell hoch stehendem Niveau zu sehen; Bischöfe, die voller Eifer und wirklich von der Freude des Glaubens beseelt sind. Wir wissen, dass diese Kirche in guten Händen ist, dass sie aber dennoch leidet, weil sich die Nationen noch nicht ausgebildet haben."

Der Bischof von Rom erinnerte daran, dass "gerade das Christentum" für die Ausbildung der europäischen Nationen mit ihren großen Sprach- und Kulturregionen verantwortlich und an der Entstehung echter "Räume des Friedens" maßgeblich beteiligt war, "auch wenn dann diese großen, einander entgegen gesetzten Räume des Friedens eine neue Art von Krieg geschaffen haben, die es vorher nicht gab".

In Afrika seien es heute – ähnlich wie früher in Europa – die unterschiedlichen Volksstämme, die das Leben der Nationen prägten, fuhr Benedikt XVI. fort. "Die Kolonialmacht hat dann Grenzen auferlegt, innerhalb derer sich jetzt Nationen bilden müssen. Aber es gibt noch diese Schwierigkeit, sich in einem großen Zusammenschluss wieder zu finden", eine Einheit zu werden, demokratische Regierungsformen einzuführen und sich darüber hinaus "den andauernden kolonialistischen Missbräuchen zu widersetzen".

Der Papst beklagte, dass Afrika heute "seitens der großen Mächte noch immer Gegenstand des Missbrauches" sei. "Viele Konflikte hätten nicht die uns bekannten Formen angenommen, wären dahinter nicht die Interessen der großen Mächte gestanden." Aber der Heilige Vater habe von den afrikanischen Bischöfen auch erfahren, dass die katholische Kirche inmitten all dieser Verwirrung der große "einende Faktor" sei.

"In vielen Situationen, jetzt vor allem nach dem großen Krieg in der Demokratischen Republik Kongo, ist die Kirche die einzige Realität geblieben, die funktioniert", erklärte Benedikt XVI. Die Kirche schenke den notwendigen Beistand und unterstütze die Verwirklichung eines friedlichen Miteinanders. Somit leiste die Kirche in Afrika auch auf politischer Ebene einen nicht zu unterschätzenden Dienst, weil sie die Menschen nach den Auseinandersetzungen und den Hassausbrüchen im Geist der Versöhnung zusammenführe und ihre zerbrochene Gemeinschaft wiederherstelle. "Viele haben mir gesagt, dass gerade in solchen Situationen das Sakrament der Buße als Kraft der Versöhnung von großer Bedeutung ist und dass es in diesem Sinn auch gespendet werden muss."

Abschließend rief der Heilige Vater dazu auf, den Menschen in Afrika bei ihrer Suche nach Frieden zu helfen. "Ich wollte mit einem Wort sagen, dass Afrika ein Kontinent großer Hoffnung, großen Glaubens, bewegender kirchlicher Wirklichkeiten, eifriger Priester und Bischöfe ist. Aber es ist immer auch ein Kontinent, der nach den Zerstörungen, die wir aus Europa hingebracht haben, unsere brüderliche Hilfe braucht. Und diese kann nur aus jenem Glauben heraus entstehen, der jenseits menschlicher Trennungen universale Liebe entstehen lässt.

Das ist unsere große Verantwortung in dieser Zeit. Europa hat seine Ideologien, seine Interessen exportiert. Mit der Mission hat es aber auch den Faktor Heilung exportiert.

Heute haben wir noch mehr die Verantwortung, dass auch wir einen eifrigen Glauben besitzen: einen Glauben, der sich mitteilt, der den anderen helfen will, der sich wohl bewusst ist, dass den Glauben geben nicht heißt, eine Kraft der Entfremdung einzuführen, sondern die wahre Gabe zu schenken, deren der Mensch bedarf, gerade auch um Geschöpf der Liebe zu sein."



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Kirsty1
Tuesday, March 14, 2006 7:00 PM


Publikationsdatum: 2006-03-14

Der erste Dienst des Christen ist die Verkündigung: Ansprache Benedikts XVI. an die Teilnehmer des Kongresses zum 40. Jahrestag des Konzilsdekrets "Ad gentes"

"Die Verkündigung und die Bezeugung des Evangeliums sind der erste Dienst, den die Christen einer jeden Person und dem gesamten Menschengeschlecht erweisen können, da sie dazu berufen sind, allen die Liebe Gottes mitzuteilen"

ROM, 14. März 2006 (Zenit.org).- Am Samstagvormittag empfing Papst Benedikt XVI. die Teilnehmer eines Kongresses, der anlässlich des vierzigsten Jahrestags des Konzilsdekrets "Ad gentes" über die Missionstätigkeit der Kirche im Vatikan stattgefunden hatte. Der Kongress war von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und der Päpstlichen Universität Urbaniana veranstaltet worden.

Bei der Eröffnung der Arbeiten am 9. März unterstrich der Präfekt der angeführten Kongregation, Kardinal Crescenzio Sepe, dass die Berufung zur Mission im Licht der "prophetischen Weisungen" des Konzilsdekrets alle Glieder der Kirche, Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, betreffe. Alle Christen müssten sich, so der Kardinal, mit den neuen Herausforderungen der modernen Zeit – der Globalisierung, der Inkulturation und dem Dialog – auseinandersetzen.

In seiner Ansprache vor den Kongressteilnehmern erklärte Benedikt XVI., dass mit der Approbation des Dekrets am 7. Dezember 1965 der Mission der Kirche ein erneuter Impuls gegeben worden sei. "Die theologischen Grundlagen sind besser herausgearbeitet worden; ebenso ihr Wert und ihre Aktualität angesichts der Veränderungen in der Welt und der Herausforderungen, vor die die Modernität die Verkündigung des Evangeliums stellt." Die Kirche habe "ein noch klareres Bewusstsein der ihr innewohnenden missionarischen Berufung erlangt, indem sie in ihr ein konstitutives Element ihrer eigenen Natur erkannte." Die Verkündigung und die Bezeugung des Evangeliums "sind der erste Dienst, den die Christen einer jeden Person und dem gesamten Menschengeschlecht erweisen können", betonte der Heilige Vater. Die Christen seien dazu berufen, "allen die Liebe Gottes mitzuteilen, die sich in Fülle im einzigen Erlöser der Welt, Jesus Christus, gezeigt hat".

Dem folgend berief sich Benedikt XVI. auf die "ursprüngliche Wurzel der Mission der Kirche", das heißt auf das "trinitarische Leben Gottes, aus dem die Bewegung der Liebe entspringt, die sich aus den göttlichen Personen über die Menschheit ergießt". Die Aufgabe der Kirche ist es, bekräftigte der Papst, "unaufhörlich diese göttliche Liebe dank der Handlung des Leben spendenden Heiligen Geistes zu vermitteln".

Benedikt XVI zitierte seine Enzyklika "Deus caritas est" (19) und bekräftigte, es sei der Heilige Geist, der das Leben der Gläubigen verwandelt und sie von der Knechtschaft der Sünde und des Todes befreie. Die Menschen würden auf diese Weise "dazu befähigt, die barmherzige Liebe Gottes zu bezeugen, der aus der Menschheit in seinem Sohn eine einzige Familie machen will".

Benedikt XVI. erinnerte daran, "dass auch die christliche Gemeinschaft unserer Epoche im Gehorsam gegenüber dem Gebot Jesu, der seine Jünger aussandte, das Evangelium allen Völkern zu predigen, sich zu den Männern und Frauen des dritten Jahrtausends gesandt fühlt, um sie die Wahrheit der frohen Botschaft erkennen zu lassen und ihnen so den Weg des Heils zu eröffnen". Dies sei nicht etwas "Fakultatives", fügte er hinzu. "Es ist die eigentliche Berufung des Volkes Gottes; eine Pflicht, die ihm durch den Auftrag des Herrn Jesus Christus selbst zukommt."

Von Anfang an erscheine der Bereich der so genannten "misso ad gentes" auf bemerkenswerte Weise "erweitert und nicht nur auf der Grundlage geographischer oder juridischer Überlegungen bestimmbar. Die wahren Adressaten der missionarischen Tätigkeit des Volkes Gottes sind in der Tat nicht nur die nicht-christlichen Völker und die weit entfernten Länder, sondern auch die sozio-kulturellen Bereiche und vor allem die Herzen."

Die Verwirklichung des Missionsauftrags gebiete "Geduld und Weitblick, Mut und Demut, das Hören auf Gott und wachsame Unterscheidung der Zeichen der Zeit", fuhr Benedikt XVI. fort. Sie erfordere es, "denselben Weg zu gehen, den Christus gegangen ist: den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienstes, des Opfers seiner selbst – bis hin zum Tod auf dem Kreuz, das er besiegt hat".

In diesem Sinn rief der Papst aus: "Ja! Die Kirche ist dazu berufen, der Menschheit unserer Zeit zu helfen, indem sie einzig Christus vertraut, sich von seinem Wort erleuchten lässt und ihn nachahmt, wenn sie sich großzügig den Brüdern schenkt." Die Kirche "ist das Instrument in seinen Händen. Deshalb tut sie, so viel sie kann, im Bewusstsein, dass es immer der Herr ist, der wirkt." Aus diesem Grund hätten die Missionare auch in der jüngsten Zeit ihr Leben für das Evangelium hingegeben. "Ihr Opfer möge zu einem neuen Frühling gereichen, der reich an apostolischen Früchten für die Evangelisierung ist."










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Kirsty1
Thursday, March 16, 2006 1:54 PM
Publikationsdatum: 2006-03-15

Benedikt XVI.: "Wir können nicht Jesus ohne jene Wirklichkeit haben, die er geschaffen hat und in der er sich mitteilt"

Erste Generalaudienz im Zeichen der Verbundenheit von Christus und Kirche

ROM, 15. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. heute, Mittwoch, während der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom gehalten hat. Der Papst eröffnete eine neue Katechesenreihe über die Beziehung zwischen Christus und seiner Kirche und betonte, dass beide nicht voneinander zu trennen zu sind.



* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

Nach der Katechesenreihe über die Psalmen und Cantica aus den Laudes und den Vespern möchte ich die kommenden Begegnungen am Mittwoch dem Geheimnis des Bezugs zwischen Christus und der Kirche widmen und diese aus der Erfahrung der Apostel heraus betrachten, im Licht des ihnen anvertrauten Auftrags. Die Kirche ist auf dem Fundament der Apostel als Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe errichtet worden. Über die Apostel gelangen wir bis zu Jesus selbst. Die Kirche hat begonnen, sich herauszubilden, als einige Fischer aus Galiläa auf Jesus trafen, sich von seinem Blick, seiner Stimme und seiner herzlichen und kräftigen Einladung erobern ließen: "Folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen" (Mk 1,17; Mt 4,19). Mein geliebter Vorgänger Johannes Paul II. hat der Kirche zu Beginn des dritten Jahrtausends vorgeschlagen, das Antlitz Christi zu betrachten (vgl. Novo millennio ineunte, 16 ff.). Indem ich mich in dieselbe Richtung bewege, möchte ich in der Katechesenreihe, die wir heute beginnen, zeigen, wie sich gerade das Licht dieses Antlitzes auf dem Antlitz der Kirche widerspiegelt (vgl. Lumen gentium, 1) – trotz der Grenzen und der Schatten unserer zerbrechlichen und sündigen menschlichen Beschaffenheit. Nach Maria, dem reinen Widerschein des Lichts Christi, sind es die Apostel, die uns mit ihrem Wort und ihrem Zeugnis die Wahrheit über Christus übergeben. Ihre Sendung steht allerdings nicht isoliert da, sondern sie ist in ein Geheimnis der Gemeinschaft integriert, die das ganze Volk Gottes mit einschließt und sich schrittweise verwirklicht, vom Alten zum Neuen Bund.

In diesem Sinn muss gesagt werden, dass die Botschaft Jesu vollkommen missverstanden wird, wenn man sie vom Kontext des Glaubens und der Hoffnung des auserwählten Volkes trennt: Wie Johannes der Täufer, sein unmittelbarer Vorläufer, wendet sich Jesus zuallererst an Israel (vgl Mt 15,24), um es in der eschatologischen Zeit, die mit ihm angebrochen ist, "zu sammeln". Und wie die Predigt des Johannes, so ist auch die Verkündigung Jesu zugleich Aufruf der Gnade und Zeichen des Widerspruchs und des Gerichts für das gesamte Volk Gottes. Daher strebt Jesus von Nazaret vom ersten Augenblick seines Heilswirkens an danach, das Volk Gottes zu sammeln und es zu reinigen. Auch wenn seine Verkündigung stets ein Aufruf zur persönlichen Bekehrung ist, zielt er in Wirklichkeit ständig auf die Konstitution des Volkes Gottes ab, das er zu sammeln und zu erlösen gekommen ist. Daher stellt sich die individualistische Interpretation, die von der liberalen Theologie zu Christi Verkündigung des Reiches Gottes vorgelegt wird, als einseitig und bar jeden Fundaments heraus. Sie wurde im Jahr 1900 vom großen liberalen Theologen Adolf von Harnack in seinen Vorlesungen über Das Wesen des Christentums auf folgende Weise zusammengefasst: "Das Reich Gottes kommt, insofern es in einzelnen Menschen kommt, Zugang zu ihrer Seele findet, und sie es aufnehmen. Das Reich Gottes ist gewiss die Herrschaft Gottes, aber es ist die Herrschaft des heiligen Gottes in den einzelnen Herzen" (Das Wesen des Christentums, Dritte Vorlesung). In Wirklichkeit ist dieser Individualismus der liberalen Theologie eine typische moderne Betonung: In der Perspektive der biblischen Tradition und im Horizont des Judentums, in die sich das Werk Jesu in seiner ganzen Neuheit stellt, wird klar, dass die ganze Sendung des Fleisch gewordenen Sohnes eine gemeinschaftliche Zielsetzung hat: Er ist gerade dafür gekommen, die zerstreute Menschheit zu einen; er ist gerade deshalb gekommen, um die zerstreute Menschheit zu sammeln, um das Volk Gottes zusammenzuführen.

Ein offensichtliches Zeichen für diese Absicht des Nazareners, die Gemeinschaft des Bundes zu sammeln, um in ihr die Erfüllung der den Vätern gemachten Verheißungen zu offenbaren, die immer von Einberufung, Einigung und Einheit sprechen, ist die Einsetzung der zwölf Apostel. Wir haben das Evangelium über diese Einsetzung der Zwölf gehört. Ich lese noch einmal den Hauptteil vor: "Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er erwählt hatte, und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte, damit sie predigten und mit seiner Vollmacht Dämonen austrieben. Die Zwölf, die er einsetzte, waren…" (Mk 3,13-16; vgl. Mt 10,1-4; Lk 6,12-16). Am Ort der Offenbarung, auf dem "Berg", setzt Jesus mittels einer Initiative, die absolutes Bewusstsein und Bestimmtheit erkennen lässt, die Zwölf ein, damit sie mit ihm zusammen Zeugen und Verkündiger des Kommens des Reiches Gottes seien. Über die Geschichtlichkeit dieses Rufes gibt es keinen Zweifel; nicht allein aufgrund des hohen Alters und der Vielzahl der Beweise, sondern auch aus dem einfachen Grund, dass in ihnen der Name von Judas, des verräterischen Apostels, aufscheint – trotz der Schwierigkeit, die diese Anwesenheit für die im Entstehen begriffene Gemeinschaft bedeuten konnte. Die Zahl Zwölf, die offensichtlich die zwölf Stämme Israels in Erinnerung ruft, offenbart bereits die Bedeutung der prophetisch-symbolischen Handlung, die in dieser neuen Initiative der Wiedergründung des heiligen Volkes mit eingeschlossen ist. Da das System der zwölf Stämme längst untergegangen war, richtete sich die Hoffnung Israels auf dessen Wiedererrichtung als Zeichen des Kommens der eschatologischen Zeit (man denke an das Ende des Buches Ezechiel: 37,15-19; 39,23-29; 40-48). Indem er die Zwölf erwählte, sie in eine Lebensgemeinschaft mit ihm einführte und ihnen an seiner Sendung Anteil gab, das Reich Gottes mit Wort und Tat zu verkünden (vgl. Mk 6,7-13; Mt 10,5-8; Lk 9,1-6; Lk 6,13), wollte Jesus sagen, dass jene endgültige Zeit angebrochen ist, in der sich das Volk Gottes von Neuem bildet – das Volk der zwölf Stämme, das jetzt ein allumfassendes Volk wird, seine Kirche.

Allein durch ihre Existenz werden die Zwölf, die von verschiedener Herkunft sind, für ganz Israel zum Aufruf, dass es sich bekehre und sich im Neuen Bund, der vollen und vollkommenen Erfüllung jenes alten, sammeln lasse. Dass er ihnen während des Abendmahles, vor seiner Passion, den Auftrag anvertraute, sein Gedächtnis zu feiern, zeigt, wie Jesus in den Personen seiner zwölf Führer der ganzen Gemeinschaft den Auftrag übergeben will, inmitten der Geschichte Zeichen und Werkzeug der eschatologischen, in ihm begonnen Zusammenkunft zu sein. In einem gewissen Sinn können wir sagen, dass gerade das Letzte Abendmahl der Gründungsakt der Kirche ist, denn er schenkt sich selbst und schafft auf diese Weise eine neue Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, die mit ihm selbst gemeinschaftlich verbunden ist. In diesem Licht versteht man, warum der Auferstandene ihnen – zusammen mit der Ausgießung des Heiligen Geistes – die Macht der Vergebung der Sünden überträgt (vgl. Joh 20,23). Die zwölf Apostel sind so das eindeutigste Zeichen für den Willen Jesu in Bezug auf die Existenz und die Sendung seiner Kirche, die Garantie, dass es zwischen Christus und der Kirche keinerlei Widerspruch gibt: Sie sind untrennbar – trotz der Sünden der Menschen, die die Kirche bilden. Und daher ist mit der Intention Christi ein Slogan, der vor einigen Jahren Mode war, vollkommen unvereinbar: "Jesus ja, Kirche nein." Dieser individualistisch ausgesuchte Jesus ist ein Phantasie-Jesus. Wir können nicht Jesus ohne jene Wirklichkeit haben, die er geschaffen hat und in der er sich mitteilt. Zwischen dem Fleisch gewordenen Sohn Gottes und seiner Kirche gibt es eine tiefe, untrennbare und geheimnisvolle Kontinuität, kraft derer Christus heute in seinem Volk gegenwärtig ist. Er ist immer ein Zeitgenosse von uns; er ist immer ein Zeitgenosse in der Kirche, die auf dem Fundament der Apostel errichtet worden ist, er ist lebendig in der Nachfolge der Apostel. Seine Gegenwart in der Gemeinde, in der er selbst sich uns immerfort schenkt, ist der Grund unserer Freude. Ja, Christus ist mit uns, das Reich Gottes kommt.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Im Anschluss verlas der Heilige Vater in verschiedenen Sprachen eine Zusammenfassung seiner Katechese. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Mit der heutigen Audienz möchte ich eine neue Reihe von Katechesen beginnen, die das Geheimnis der Beziehung zwischen Christus und der Kirche zum Gegenstand unserer Betrachtung machen. Wir alle wissen: Die Kirche ist als Gemeinschaft im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe auf dem Fundament der Apostel gegründet, jener Männer also, die von Jesus selbst auserwählt worden sind. Die Apostel haben den Auftrag erhalten, die in Christus geoffenbarte Wahrheit durch die Zeiten weiterzugeben. Von ihnen übernimmt die Kirche die Aufgabe, das Antlitz Jesu allen Generationen immer neu erstrahlen zu lassen (vgl. Enzyklika "Novo millennio ineunte", 16).

"Jesus setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte..." (Mk 3, 14). Die Zahl der Apostel erinnert an die zwölf Stämme Israels. Den Zwölfen vertraut Christus die Heilssendung der Kirche an. In seinem Namen sollen sie die Menschen sammeln und retten; sie sollen Boten und Zeugen des Reiches Gottes sein, das sich schon hier zu verwirklichen beginnt.

Beim Letzten Abendmahl beauftragt Jesus die Apostel, sein Gedächtnis zu feiern. In Einheit mit ihnen und ihren Nachfolgern sind alle Gläubigen Zeichen und Werkzeug jener eschatologischen Gemeinschaft, die in Gott ihren Ursprung hat. Der auferstandene Herr Jesus Christus verleiht den Aposteln die Macht, Sünden zu vergeben. Er selbst macht sich zur Garantie dafür, dass die Kirche als solche niemals von ihm getrennt wird. Zwischen dem Mensch gewordenen Gottessohn und seiner Kirche besteht daher eine tiefe Einheit, kraft derer Christus auch heute gegenwärtig ist – in seinem heiligen Volk und besonders in den Nachfolgern der Apostel.

[In seinen Grußworten appellierte der Heilige Vater an die Pilger deutscher Sprache, ihre Hilfsbereitschaft im Alltag unter Beweis zu stellen:]

Mit diesen Gedanken heiße ich euch, liebe Pilger und Besucher deutscher Sprache herzlich zu dieser Audienz willkommen. Jeder von uns kann und soll zum Aufbau echter Gemeinschaft unter den Menschen beitragen. Tragt den Geist der Versöhnung und der Hilfsbereitschaft in eure Lebenswelt hinein und erleuchtet eure Umgebung mit dem Licht der Hoffnung und der Liebe! Der allmächtige Gott erhalte und führe euch auf seinen Wegen.

Euch allen einen gesegneten und frohen Tag!




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Kirsty1
Friday, March 17, 2006 2:56 PM
Publikationsdatum: 2006-03-17

Ansprache Benedikts XVI. am IV. Europäischen Studententag (11. März 2006)

"Schöpft die göttliche Liebe aus dem Herzen Christi"

ROM, 17. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Samstag, dem 11. März, anlässlich der Marienandacht mit den Universitätsstudenten in der Audienzhalle Paul VI. im Vatikan gehalten hat.

An diesem Tag wurde unter dem Motto "Christlicher Humanismus – der Weg für eine neue Kooperation zwischen Europa und Afrika" der IV. Europäische Studententag begangen.



* * *



Liebe Universitätsstudenten!

Nach Beendigung des Rosenkranzgebetes richte ich mit großer Freude meinen herzlichen Gruß an euch alle, die ihr hier im Vatikan und gleichzeitig in Madrid, Nairobi, Owerri, Abidjan, Dublin, Salamanca, München, Fribourg, St. Petersburg und Sofia sowie in Antananarivo und Bonn versammelt seid. Zusammen mit euch grüße ich die verehrten Hirten, die gemeinsam mit euch über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind und euer Gebet leiten. Dies ist ein schönes Zeichen der Gemeinschaft der katholischen Kirche. Ich danke auch dem Chor und dem Orchester sowie den verschiedenen Körperschaften, die an diesem Ereignis mitgearbeitet haben: dem Vatikanischen Fernsehzentrum, Radio Vatikan, Telespazio, dem Außenministerium und dem Ministerium für Universität und Forschung, der Provinz Rom und der Stadt Rom.

Diese Marienandacht, die Papst Johannes Paul II. sehr ans Herz gewachsen war, schlägt Brücken der Brüderlichkeit zwischen den europäischen Universitätsstudenten, die heute Abend verlängert werden bis ins Innere des großen afrikanischen Kontinents hinein, damit die Gemeinschaft unter den neuen Generationen wachsen und die Kultur der Liebe sich ausweiten möge. Aus diesem Grund möchte ich die Freunde, die in Afrika mit uns verbunden sind, besonders herzlich umarmen und in diese Umarmung alle geliebten afrikanischen Völker einschließen.

[Anschließend wandte sich der Heilige Vater an die verschiedenen Sprachgruppen und sagte auf Spanisch:]

Liebe Universitätsstudenten, die ihr in Madrid und Salamanca versammelt seid! Die Jungfrau Maria möge euch helfen, unter euren Freunden und Kommilitonen Zeugnis für die Liebe Gottes abzulegen.

[Auf Englisch:] Meine lieben in Nairobi, Owerri und Dublin versammelten Freunde, möge Maria, Sitz der Weisheit, euch lehren, in eurem Studium und in eurem Leben stets Wahrheit und Liebe miteinander zu verbinden!

[Auf Deutsch:] Liebe junge Freunde in München und in Bonn! Schöpft die göttliche Liebe aus dem Herzen Christi und bringt sie in konkreten Werken des Dienstes an euren Brüdern und Schwestern zum Ausdruck. Dabei begleite und helfe euch die Jungfrau Maria!

[Auf Französisch:] Liebe Studenten in Fribourg und Abidjan! Folgt unter der mütterlichen Führung Marias stets Jesus auf dem Weg der Liebe, indem ihr aus eurem Leben ein großzügiges Geschenk macht.

[Auf Russisch:] Liebe Freunde in St. Petersburg! Die Heilige Mutter Gottes begleite euren Bildungsweg, damit ihr eure berufliche Tätigkeit von christlicher Liebe beseelt beginnen könnt.

[Auf Bulgarisch:] Liebe Studenten in Sofia! Gott ist Liebe: Diese Grundwahrheit des christlichen Glaubens erhelle stets euer Studium und euer ganzes Leben.

[Auf Italienisch:] Liebe Freunde, gleich werde ich euren Vertretern meine Enzyklika "Deus caritas est" überreichen. Auf diese Weise möchte ich sie symbolisch allen Studenten in Europa und Afrika überreichen mit dem Wunsch, dass die Grundwahrheit des christlichen Glaubens – Gott ist die Liebe – den Weg eines jeden von euch erhellen und sie durch euer Zeugnis auf eure Studienkollegen ausstrahlen möge. Diese Wahrheit über die Liebe Gottes, die Ursprung, Sinn und Ziel des Universums und der Geschichte ist, ist von Jesus Christus durch sein Wort und sein Leben offenbart worden, vor allem durch das Ostergeschehen: durch seinen Tod und seine Auferstehung. Sie liegt der christlichen Weisheit zugrunde, die wie Sauerteig jede menschliche Kultur zum Wachsen bringen kann, damit diese das Beste aus sich herausholen und zum Heranwachsen einer gerechteren und friedlicheren Welt beitragen kann.

Liebe Studenten, während ich euch die Enzyklika übergebe, lege ich euch auch meine Botschaft zum XXI. Weltjugendtag ans Herz, den wir am kommenden Palmsonntag feiern werden. Diese Botschaft habe ich der großen Bedeutung gewidmet, die das Wort Gottes besitzt, und deshalb habe ich ihren Titel dem Vers des 119. Psalms entnommen, der lautet: "Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade."

Zur Vorbereitung auf den Palmsonntag lade ich euch zum traditionellen Treffen für alle Jugendlichen ein, das am Nachmittag des 6. April, dem Donnerstag vor dem Palmsonntag, auf dem Petersplatz stattfinden wird. Wir werden das Pilgerkreuz entgegennehmen, das aus Köln kommt, und werden fast genau ein Jahr nach seinem Tod uns mit dankbarem Herzen an meinen großen Vorgänger Johannes Paul II. erinnern.

Maria, Sitz der Weisheit, erwirke für euch in dieser Fastenzeit eine tiefe geistliche Erneuerung, damit ihr stets zur Ehre Gottes leben und ihm euer Studium darbringen könnt. Daher versichere ich euch, dass ich auch weiterhin in meinen Gebeten an euch denken werde, während ich euch alle und eure Angehörigen von Herzen segne.


[© Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana]




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Kirsty1
Thursday, March 23, 2006 1:55 PM
Publikationsdatum: 2006-03-22

Benedikt XVI. Der Apostel ist dazu da, die Völker in der Einheit der Liebe Gottes zu vereinigen

Generalaudienz: Fortsetzung des Katechesenzyklus "Christus und die Kirche"

ROM, 22. März 2006 (ZENIT.org).- Vor Tausenden von Gläubigen aus aller Welt verdeutlichte Benedikt XVI. heute, Mittwoch, während der Generalaudienz, was einen wahren Jünger Jesu ausmacht.

Anhand jener Evangeliumsstellen, in denen von der Berufung der ersten Jünger die Rede ist, führte der Heilige Vater seiner Zuhörer von der Tatsache, dass die Kirche "auf dem Fundament der Apostel und Propheten errichtet" worden ist und Jesus Christus zum "Schlussstein" hat, hinein in den vertrauten Umgang der ersten Jünger mit dem Meister.

"Sie waren Menschen, die das Reich Gottes erwarteten und voller Sehnsucht danach verlangten, den Messias kennen zu lernen, dessen bevorstehendes Kommen angekündigt worden war", erklärte er. Und ihnen habe der Hinweis des Johannes des Täufers genügt, "der in Jesus auf das Lamm Gottes zeigt, auf dass in ihnen der Wunsch nach einer persönlichen Begegnung mit dem Meister entstehe."

Einen ersten Ausdruck dieses inneren Verlangens sei "der Wortwechsel im Gespräch Jesu mit den ersten beiden künftigen Aposteln" gewesen. "Auf die Frage: 'Was wollt ihr?', antworten sie ihm mit einer anderen Frage: 'Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du?' Die Antwort Jesu ist eine Aufforderung: 'Kommt und seht.' Kommt, um sehen zu können: So beginnt das Abenteuer der Apostel – als eine Begegnung von Menschen, die sich einander gegenüber öffnen. Es beginnt für die Jünger ein direktes Kennen des Herrn. Sie sehen, wo er wohnt und beginnen, ihn zu kennen."

Der Papst bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass die Jünger Jesu nicht "Verkünder einer Idee", sondern vielmehr "Zeugen einer Person" seien. "Ehe sie ausgesandt werden, um das Evangelium zu verkünden, müssen sie bei Jesus 'bleiben' und mit ihm eine persönliche Beziehung eingehen. Auf dieser Grundlage wird die Evangelisierung nichts anderes sein als die Verkündigung dessen, was erlebt wurde; die Aufforderung, einzutreten in das Geheimnis der Gemeinschaft mit Christus."

Jesus habe seinen Jünger "in die ganze Welt" gesandt, ja "bis an die Grenzen der Erde. Und diese Sendung geht weiter. Der Auftrag des Herrn, die Völker in der Einheit seiner Liebe zu vereinigen, dauert an. Das ist unsere Hoffnung und das ist auch unser Auftrag: zu dieser Universalität, zu dieser wahren Einheit im Reichtum der Kulturen in Gemeinschaft mit unserem wahren Herrn Jesus Christus beizutragen."

Im Anschluss an diese zweite Katechese über die untrennbare Verbundenheit von Jesus und seiner Kirche, in der Benedikt XVI. das Thema "Die Apostel – Zeugen und Gesandte Christi" beleuchtet hatte, wandte er sich den Pilgergruppen zu, die auf dem Petersplatz zusammengekommen waren.

Seine Landsleute begrüßte er mit folgenden Worten: "Herzlich heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Besonders grüße ich die Ortsgemeinschaft von Rottach-Egern zusammen mit der Gebirgsschützenkompanie Tegernsee.

Als Getaufte sind wir hineingenommen in die Mission unseres Herrn Jesus Christus. Wir sind seine Jünger und Gesandten in der Welt von heute. Werdet nicht müde, Zeugnis für Christus abzulegen und durch Wort und Tat das Evangelium zu verkünden. Dabei stärke und helfe euch der Heilige Geist."





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Kirsty1
Thursday, March 23, 2006 1:56 PM
Benedikt XVI.: "Der Auftrag des Herrn, die Völker in der Einheit seiner Liebe zu vereinigen, dauert an"

Generalaudienz zum Thema "Die Apostel – Zeugen und Gesandte Christi"

ROM, 22. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. heute während der Generalaudienz in Rom gehalten hat. Vor Tausenden von Pilgern setzte der Heilige Vater die Katechesenreihe über die tiefe Beziehung zwischen Jesus und seiner Kirche fort, die er vor genau einer Woche eröffnet hatte. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand heute das Thema "Die Apostel – Zeugen und Gesandte Christi".



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Liebe Brüder und Schwestern,

der Brief an die Epheser zeigt uns die Kirche als einen Bau, der "auf dem Fundament der Apostel und Propheten errichtet" und dessen "Schlussstein Christus Jesus selbst" ist (vgl. Eph 2,20). In der Offenbarung des Johannes kommt die Rolle der Apostel, insbesondere jene der Zwölf, in der eschatologischen Perspektive des himmlischen Jerusalems noch klarer zum Ausdruck, das als Stadt dargestellt wird, deren Mauern zwölf Grundsteine besitzen, auf denen "die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes" stehen (Offb 21,14). Die Evangelien stimmen darin überein, wenn sie davon berichten, dass sich die ersten Schritte des Dienstes Jesu nach der durch den Täufer in den Wassern des Jordan empfangenen Taufe durch die Berufung der Apostel auszeichneten.

Nach den Berichten von Markus (1,16-20) und Matthäus (4,18-22) ist die Szene der Berufung der ersten Apostel der See von Galiläa. Jesus hat vor kurzem damit begonnen, das Reich Gottes zu verkündigen, als sein Blick auf zwei Brüderpaare fällt: Simon und Andreas, Jakob und Johannes. Es sind Fischer, die mit ihrer alltäglichen Arbeit beschäftigt sind. Sie werfen die Netze aus und räumen sie auf. Aber ein anderer Fischfang erwartet sie. Jesus ruft sie mit Entschiedenheit, und sie folgen ihm bereitwillig: Nunmehr werden sie "Menschenfischer" sein (vgl. Mk 1,17; Mt 4,19). Lukas steht in derselben Tradition, legt aber eine ausführlichere Schilderung vor (5,1-11). Sie zeigt den Glaubensweg der ersten Jünger, indem präzisiert wird, dass die Einladung zur Nachfolge an sie ergangen ist, nachdem sie die erste Predigt Jesu gehört und die ersten von ihm vollbrachten Wunderzeichen erfahren hatten. Besonders der wunderbare Fischfang stellt den unmittelbaren Kontext dar. Er ist Symbol für die ihnen anvertraute Mission der Menschenfischer. Das Schicksal dieser "Gerufenen" wird von da an auf das Innerste mit dem Schicksal Christi verbunden sein. Der Apostel ist ein Gesandter, vorher aber ist er ein "Experte" Christi.

Gerade dieser Aspekt wird durch den Evangelisten Johannes von der ersten Begegnung Jesu mit den künftigen Aposteln an hervorgehoben. Hier ist die Szene eine andere: Das Treffen spielt sich am Ufer des Jordan ab. Die Gegenwart der künftigen Apostel, die wie Jesus auch aus Galiläa gekommen sind, um die Erfahrung der von Johannes gespendeten Taufe zu erleben, wirft Licht auf ihre geistliche Welt. Sie waren Menschen, die das Reich Gottes erwarteten und voller Sehnsucht danach verlangten, den Messias kennen zu lernen, dessen bevorstehendes Kommen angekündigt worden war. Es genügt ihnen der Hinweis des Johannes des Täufers, der in Jesus auf das Lamm Gottes zeigt (vgl. Joh 1,36), auf dass in ihnen der Wunsch nach einer persönlichen Begegnung mit dem Meister entstehe. Der Wortwechsel im Gespräch Jesu mit den ersten beiden künftigen Aposteln ist sehr ausdrucksstark. Auf die Frage: "Was wollt ihr?", antworten sie ihm mit einer anderen Frage: "Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du?" Die Antwort Jesu ist eine Aufforderung: "Kommt und seht" (vgl. Joh 1,38-39). Kommt, um sehen zu können: So beginnt das Abenteuer der Apostel – als eine Begegnung von Menschen, die sich einander gegenüber öffnen. Es beginnt für die Jünger ein direktes Kennen des Herrn. Sie sehen, wo er wohnt und beginnen, ihn zu kennen. Sie werden in der Tat nicht Verkünder einer Idee sein dürfen, sondern Zeugen einer Person. Ehe sie ausgesandt werden, um das Evangelium zu verkünden, müssen sie bei Jesus "bleiben" (vgl. Mk 3,14) und mit ihm eine persönliche Beziehung eingehen. Auf dieser Grundlage wird die Evangelisierung nichts anderes sein als die Verkündigung dessen, was erlebt wurde; die Aufforderung, einzutreten in das Geheimnis der Gemeinschaft mit Christus (vgl. 1 Joh 13).

Zu wem werden die Apostel gesandt werden? Im Evangelium scheint Jesus seine Sendung nur auf Israel zu beschränken: "Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt" (Mt 15,24). Auf analoge Weise scheint er die den Zwölfen anvertraute Mission zu definieren: "Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Mt 10,5f). Eine gewisse moderne, rationalistisch inspirierte Kritik hat in diesen Worten das Fehlen eines universalistischen Bewusstseins des Nazareners gesehen. In Wirklichkeit sind sie im Licht seiner besonderen Beziehung zu Israel, der Gemeinschaft des Bundes, in der Kontinuität der Heilsgeschichte zu verstehen. Der messianischen Erwartung entsprechend sollten die göttlichen, direkt an Israel gerichteten Verheißungen in Erfüllung gehen, wenn Gott selbst – durch seinen Erwählten – sein Volk gesammelt hätte, wie es ein Hirte mit der Herde tut: "Ich will meinen Schafen zu Hilfe kommen. Sie sollen nicht länger eure Beute sein… Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden und er wird ihr Hirt sein. Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein" (Ez 34,22-24). Jesus ist der eschatologische Hirt, der die verloren gegangenen Schafe des Hauses Israels sammelt und sich auf die Suche nach ihnen begibt, weil er sie kennt und liebt (vgl. Lk 15,4-7 und Mt 18,12-14; vgl. auch die Gestalt des Guten Hirten in Joh 10,11ff.). Durch diese "Sammlung" wird das Reich Gottes allen Völkern verkündet: "So zeige ich unter den Völkern meine Herrlichkeit. Alle Völker sehen, wie ich mein Strafgericht abhalte, sie sehen, wie ich meine Hand auf sie lege" (Ez 39,21). Und Jesus folgt diesem prophetischen Leitfaden. Der erste Schritt ist die "Sammlung" des Volkes Israel, damit so alle Völker, die zur Sammlung in der Gemeinschaft mit dem Herrn berufen sind, sehen und glauben können.

Auf diese Weise arbeiten auch die Zwölf, die geholt wurden, um an derselben Sendung Jesu teilzunehmen, mit dem Hirten der letzten Zeiten zusammen, indem vor allem auch sie zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels gehen, das heißt sich an das Volk der Verheißung wenden, dessen Sammlung das Zeichen des Heils für alle Völker ist, der Beginn der Universalisierung des Bundes. Weit entfernt davon, der universalistischen Öffnung des messianischen Wirkens des Nazareners zu widersprechen, wird die anfängliche Beschränkung der Sendung Jesu und der Zwölf auf Israel auf diese Weise zum wirksamsten prophetischen Zeichen. Nach der Passion und der Auferstehung Christi wird dieses Zeichen geklärt: Der universale Charakter der Sendung der Apostel wird ausdrücklich. Christus wird die Apostel "in die ganze Welt" aussenden (Mk 16,15), "zu allen Völkern" (Mt 28,19; Lc 24,47, "bis an die Grenzen der Erde " (Apg 1, . Und diese Sendung geht weiter. Der Auftrag des Herrn, die Völker in der Einheit seiner Liebe zu vereinigen, dauert an. Das ist unsere Hoffnung und das ist auch unser Auftrag: zu dieser Universalität, zu dieser wahren Einheit im Reichtum der Kulturen in Gemeinschaft mit unserem wahren Herrn Jesus Christus beizutragen.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen; © Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana. Anschließend verlas der Papst eine Zusammenfassung seiner Katechese und begrüßte in mehreren Sprachen die Gläubigen. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Berufung der Apostel, auf deren Fundament die Kirche erbaut ist (vgl. Eph 2, 20), kennzeichnet in allen vier Evangelien den Beginn des Wirkens Jesu. Der Herr richtet einen entschiedenen Anruf an die ersten Jünger, die ihm bereitwillig folgen. Indem sie sich auf den Weg des Glaubens begeben, gelangen die Berufenen zu einer innigen Kenntnis der Person Jesu. Ehe sie ausgesandt werden, müssen die Jünger eine persönliche Beziehung zu ihm aufbauen. Die Apostel sind "Gesandte", aber als solche vorher "Experten" Christi – Zeugen der Botschaft und des Lebens Jesu. Das Evangelium verkünden heißt daher, das zu verkünden, was sie selbst erfahren haben; es bedeutet, die Menschen einzuladen, in das Geheimnis der Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem Herrn, einzutreten.

Die Sendung Christi und der Zwölf, die an ihr teilhaben, ist universal. Zunächst nimmt sie das Bundesvolk Israel in den Blick. Die Sammlung Israels durch Jesus, den verheißenen Hirten, wird zum Zeichen des Heils für alle Völker. Dies wird nach der Auferstehung Christi deutlich: Der Herr sendet die Apostel in die ganze Welt hinaus, zu allen Menschen und Völkern.

Herzlich heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Besonders grüße ich die Ortsgemeinschaft von Rottach-Egern zusammen mit der Gebirgsschützenkompanie Tegernsee.

Als Getaufte sind wir hineingenommen in die Mission unseres Herrn Jesus Christus. Wir sind seine Jünger und Gesandten in der Welt von heute. Werdet nicht müde, Zeugnis für Christus abzulegen und durch Wort und Tat das Evangelium zu verkünden. Dabei stärke und helfe euch der Heilige Geist.


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Kirsty1
Saturday, March 25, 2006 2:25 PM
Publikationsdatum: 2006-03-24

Predigt Benedikts XVI. beim Konsistorium: Der Welt verkünden, dass Gott die Liebe ist

"Ich zähle auf Euch, liebe Brüder Kardinäle, damit es gelingt, dass das Prinzip der Liebe ausstrahlen kann"

ROM, 24. März 2006 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat heute, Freitag, bei seinem ersten ordentlichen Öffentlichen Konsistorium 15 kirchlichen Würdenträgern die Kardinalswürde verliehen. Er erinnerte sie daran, dass jede Autorität in der Kirche im "Dienst für die anderen" bestehe. "Jetzt habt Ihr einen weiteren Grund, nach derselben Gesinnung zu streben und diese Gesinnung von neuem zu erleben, die den fleischgewordenen Sohn Gottes dazu geführt hat, sein Blut als Buße für die Sünden der ganzen Menschheit zu vergießen. Ich zähle auf Euch, verehrte Brüder!"



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Verehrte Brüder Kardinäle, Patriarchen und Bischöfe,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Brüder und Schwestern!

In dieser Vigil zum Hochfest der Verkündigung des Herrn gibt das fastenzeitliche Klima der Buße einem Fest Raum, denn heute wird das Kardinalskollegium um fünfzehn neue Mitglieder erweitert. Ich begrüße vor allem Euch, verehrte Brüder, mit inniger Herzlichkeit, die Ihr mir die Freude zuteil werden lasst, Euch zu Kardinälen zu kreieren, während ich Erzbischof William Joseph Levada für die Empfindungen und Gedanken danke, die er im Namen von Euch allen soeben zum Ausdruck gebracht hat. Ich freue mich, die anderen Herrn Kardinäle, die verehrten Patriarchen, Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen sowie die zahlreichen Gläubigen begrüßen zu dürfen, insbesondere die Familienangehörigen, die gekommen sind, um sich im Gebet und mit christlicher Freude um die neuen Purpurträger zu sammeln. Mit besonderer Dankbarkeit heiße ich die geehrten Vertreter der Regierungen und des zivilen Lebens willkommen, die verschiedene Nationen und Institutionen vertreten. Das öffentliche Ordentliche Konsistorium ist ein Ereignis, das mit großer Beredsamkeit die universale Natur der Kirche offenbart: Sie ist bis in den letzten Winkel der Welt verbreitet, um allen die Frohe Botschaft Christi, des Heilands, zu verkünden. Der geliebte Johannes Paul II. feierte neun Konsistorien und trug auf diese Weise maßgeblich dazu bei, das Kardinalskollegium entsprechend jenen Leitlinien zu erneuern, die das Zweite Vatikanische Konzil und der Diener Gottes Paul VI. vorgelegt hatten. Auch wenn sich im Lauf der Jahrhunderte viele Dinge in Bezug auf das Kardinalskollegium gerändert haben, so doch nicht Substanz und Wesen dieser wichtigen kirchlichen Institution. Ihre antiken Wurzeln, ihre geschichtliche Entwicklung und ihre heutige Zusammensetzung machen sie zu einer Art "Senat", der dazu berufen ist, eng mit dem Nachfolger Petri in der Erfüllung jener Aufgaben zusammenzuarbeiten, die mit seinem universalen apostolischen Dienst verbunden sind.

Das Wort Gottes, das soeben verlesen wurde, versetzt uns in die Vergangenheit. Zusammen mit dem Evangelisten Markus sind wir zum Ursprung der Kirche gegangen, im Besonderen zum Ursprung des petrinischen Dienstes. Mit den Augen des Herzens haben wir wieder unseren Herrn Jesus gesehen, auf dessen Lob und Herrlichkeit die Handlung, die wir im Begriff sind zu vollziehen, ganz ausgerichtet ist – seinem Lob und seiner Herrlichkeit ist sie geweiht. Jesus hat uns Worte gesagt, die uns an jene Definition des römischen Pontifex denken lassen, die der heilige Gregor der Große so schätzte: "Servus Servorum Dei" ["Diener der Diener Gottes", Anm. d. Übers.]. Tatsächlich: Jesus erklärt den zwölf Aposteln, dass sie die Autorität in völlig anderer Weise ausüben sollen als die "Mächtigen der Völker", und er beschreibt diese Weise als Dienst: "Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener (Διάκονος sein; und wer bei euch der erste sein will, soll der Sklave (Δουλος aller sein" (Mk 10,43-44). Die totale und großzügige Verfügbarkeit im Dienst für die anderen ist das Unterscheidungsmerkmal dessen, der in der Kirche Autorität besitzt – weil so der Menschensohn gehandelt hat, der nicht gekommen ist, "um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mk 10,45). Obwohl er Gott ist – nein, gerade weil er von seiner Gottheit dazu getrieben wird – hat er die Gestalt des Dieners angenommen – "formam servi" –, wie es der Christushymnus im Philipperbrief auf so wunderbare Weise zum Ausdruck bringt (vgl. Phil 2,6-7).

Der erste "Diener der Diener Gottes" ist also Jesus, und nach ihm und mit ihm vereint sind es die Apostel; und unter diesen in besonderer Weise Petrus, dem der Herr die Verantwortung anvertraut hat, seine Herde zu führen. Es ist Aufgabe des Papstes, als erster der Diener aller zu werden. Das Zeugnis einer derartigen Haltung geht klar aus der ersten Lesung hervor, die eine Mahnung Petri an die "Presbyter" und die Ältesten der Gemeinde enthält (vgl. 1 Petr 5,1). Es handelt sich um eine Ermahnung aus voller Autorität heraus. Diese kommt dem Apostel deshalb zu, weil er Zeuge der Leiden Christi, des Guten Hirten, gewesen ist. Man spürt, dass die Worte Petri aus seiner persönlichen Erfahrung des Dienstes an der Herde Gottes herrühren. In erster Linie und noch mehr gründen sie aber in der direkten Erfahrung der Verhaltensweise Jesu: der Erfahrung seiner Art, bis zur Aufopferung seiner selbst zu dienen; der Erfahrung seiner Selbsterniedrigung bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz – allein im Vertrauen auf den Vater, der ihn zur rechten Zeit erhöht hat. Petrus ist wie Paulus im Innersten von Christus "ergriffen" worden – "comprehensus sum a Christo Iesu" ("Ich bin von Christus Jesus ergriffen worden", vgl. Phil 3,12) – und wie Paulus kann er die Ältesten mit voller Autorität ermahnen, weil nicht mehr er es ist, der lebt; es ist Christus, der in ihm lebt – "vivo autem iam non ego, vivit vero in me Christus" ("Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir", Gal 2,20).

Ja, verehrte und liebe Brüder, was der Apostelfürst sagt, kommt in besonderer Weise dem zu, der dazu berufen ist, den Kardinalspurpur zu tragen: "Eure Ältesten ermahne ich, da ich ein Ältester bin wie sie und ein Zeuge der Leiden Christi und auch an der Herrlichkeit teilhaben soll, die sich offenbaren wird" (1 Petr 5,1). Dies sind Worte, die in ihrer wesentlichen Struktur auf das Ostergeheimnis verweisen, das gerade in diesen Tagen der Fastenzeit auf besondere Weise in unseren Herzen gegenwärtig ist. Der heilige Petrus bezieht sie auf sich selbst, insofern er "Ältester wie sie" (συμπρεσβύτερος ist. Damit gibt er zu verstehen, dass der Älteste der Kirche aufgrund der Erfahrung, die er im Lauf der Jahre sammeln konnte, und aufgrund der in Angriff genommenen und bestandenen Prüfungen in besonderer Weise auf die innere Dynamik des Ostergeheimnisses "abgestimmt" sein muss. Wie oft, verehrte Brüder, die Ihr nun die Kardinalswürde erhalten werdet, haben Euch diese Worte Anlass zur Meditation gegeben haben, Euch geistlich angespornt, den Spuren des gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu folgen! Sie werden eine weitere und anspruchsvolle Bestätigung in dem finden, was die neue Verantwortung von Euch verlangen wird. Ihr werdet dazu berufen sein, in noch engerer Verbindung mit dem Nachfolger Petri in der Erfüllung seines besonderen kirchlichen Dienstes zusammenzuarbeiten. Das wird für Euch eine intensivere Teilnahme am Geheimnis des Kreuzes und der Leiden Christi bedeuten. Dies wird Euch ermöglichen, in größerer Fülle aus den Quellen der Gnade zu schöpfen und ihre wohltätigen Früchte wirksamer um Euch herum zu verbreiten.

Verehrte und liebe Brüder, ich möchte den Sinn dieser Eurer neuen Berufung in jenem Wort zusammenfassen, das ich in den Mittelpunkt meiner ersten Enzyklika gestellt habe: "caritas". Es verbindet sich auch gut mit der Farbe des Kardinalsgewands. Der Purpur, den Ihr tragt, möge immer Ausdruck der "caritas Christi" sein und Euch zu einer leidenschaftlichen Liebe zu Christus, zu seiner Kirche und zur Menschheit anregen. Jetzt habt Ihr einen weiteren Grund, nach derselben Gesinnung zu streben und diese Gesinnung von neuem zu erleben, die den fleischgewordenen Sohn Gottes dazu geführt hat, sein Blut als Buße für die Sünden der ganzen Menschheit zu vergießen. Ich zähle auf Euch, verehrte Brüder! Ich zähle auf das ganze Kollegium, dem Ihr nun beitreten werdet, um der Welt zu verkünden, dass "Deus caritas est" ["Gott die Liebe ist", Anm. d. Übers.], und um das vor allem durch das Zeugnis der aufrichtigen Gemeinschaft unter den Christen zu tun: "Daran" – sagt Jesus – "werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt" (Joh 13,35). Ich zähle auf Euch, liebe Brüder Kardinäle, damit es gelingt, dass das Prinzip der Liebe ausstrahlen kann und imstande ist, die Kirche in all ihren hierarchischen Ebenen, jede Gemeinde und jedes religiöse Institut sowie jede geistliche, apostolische und soziale Initiative neu zu beleben. Ich zähle auf Euch, auf dass die gemeinsame Anstrengung, den Blick auf das offene Herz Christi zu richten, den Weg zur vollen Einheit der Christen sicherer und schneller werden lasse. Ich zähle auf Euch, auf dass die Kirche dank einer aufmerksamen Wertschätzung der Armen und Schwachen in der Welt in einschneidender Weise die Verkündigung und die Herausforderung der Zivilisation der Liebe biete. Es gefällt mir, all dies im Purpur, mit dem ihr ausgezeichnet seid, symbolisiert zu sehen. Er möge wahrhaft Symbol einer brennenden christlichen Liebe sein, die durch Euer Sein hindurchscheint.

Ich vertraue diesen Wunsch den mütterliche Händen der Jungfrau von Nazareth an, von der der Sohn Gottes das Blut erhielt, das er dann am Kreuz vergossen hat – als größtes Zeugnis seiner Liebe. Im Geheimnis der Verkündigung, auf dessen Feier wir uns vorbereiten, wird uns offenbart, dass durch den Heiligen Geist das Göttliche Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. Auf die Fürsprache Mariens komme der Geist der Wahrheit und der Liebe auf die neuen Kardinäle und auf uns alle herab, auf dass wir Christus immer ähnlicher werden und uns so unermüdlich dem Aufbau der Kirche und der Verbreitung des Evangeliums in der Welt widmen können.

[ZENIT-Übersetzung; © Copyright 2006 des italienischen Originals - Libreria Editrice Vaticana]


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Kirsty1
Monday, March 27, 2006 6:55 PM
Publikationsdatum: 2006-03-27

"Wer liebt, vergisst sich selbst und stellt sich in den Dienst des Nächsten": Predigt Benedikts XVI. am Hochfest der Verkündigung des Herrn (25. März)


"Wie viel Licht dürfen wir aus diesem Geheimnis für unser Leben als Diener der Kirche schöpfen"

ROM, 27. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die Benedikt XVI. am Samstag, dem Hochfest der Verkündigung des Herrn, auf dem Petersplatz gehalten hat. Bevor der Heilige Vater den 15 neuen Mitgliedern des Kardinalkollegiums den Kardinalsring überreichte, betrachtete er das uneingeschränkte Ja der Jungfrau Maria zum göttlichen Willen. Dann sagte er zu ihnen: "Diese Hochzeitsgabe erinnert Euch daran, vor allem auf das Innigste mit Christus vereint zu sein, um die Sendung von Bräutigamen der Kirche zu erfüllen. Der Empfang dieses Ringes möge also für Euch die Erneuerung Eures Ja, Eures "Hier bin ich" sein, das gleichzeitig dem Herrn Jesus, der Euch gewählt und bestellt hat, und seiner heiligen Kirche gilt, der mit bräutlicher Liebe zu dienen Ihr gerufen seid."



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Meine Herren Kardinäle und Patriarchen,
verehrte Brüder im Bischofsamt und im Priesterdienst,
liebe Brüder und Schwestern!

Es ist für mich ein Motiv großer Freude, nach dem Konsistorium von gestern dieser Konzelebration mit den neuen Kardinälen vorstehen zu dürfen, und ich halte es für ein Werk der göttlichen Vorsehung, dass diese am liturgischen Hochfest der Verkündigung des Herrn und unter Sonnenschein stattfindet, den der Herr uns schenkt. In der Fleischwerdung des Sohnes Gottes können wir nämlich die Anfänge der Kirche erkennen. Alles kommt von dort. Jede geschichtliche Verwirklichung von Kirche sowie die Verwirklichung einer jeden ihrer Einrichtungen muss auf diese ursprüngliche Quelle zurückgehen, muss auf Christus zurückgehen, das Fleisch gewordene Wort Gottes. Er ist es, den wir immer feiern: der Emmanuel, der Gott mit uns, durch den sich der Heil bringende Wille Gott Vaters erfüllt hat. Und dennoch (gerade heute betrachten wir diesen Aspekt des Geheimnisses) fließt die göttliche Quelle durch einen privilegierten Kanal: die Jungfrau Maria. Der heilige Bernhard spricht diesbezüglich in einem sprechenden Bild vom "aquaeductus" ("Wasserleitung", Anm. d. Übers.; vgl. Sermo in Nativitate B.V. Mariae: PL 183, 437-44 . Wenn wir die Fleischwerdung des Sohnes feiern, müssen wir also die Mutter ehren. An sie wandte sich die Verkündigung im Evangelium. Sie nahm sie an, und als sie antwortete: "Mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,3 , begann das ewige Wort als menschliches Wesen in der Zeit zu existieren.

Von Generation zu Generation bleibt das Staunen über dieses unaussprechbare Geheimnis lebendig. Der heilige Augustinus stellt sich vor, er würde sich an den Engel der Verkündigung wenden und ihn fragen: "Sag mir, o Engel, warum ist das an Maria geschehen?" Die Antwort, erwidert der Bote, ist in den Grußworten enthalten: "Sei gegrüßt, die du voll der Gnade bis“ (vgl. Sermo 291,6). In der Tat, der Engel "tritt in sie ein", ruft sie dabei allerdings nicht bei ihrem irdischen Namen Maria, sondern bei ihrem göttlichen, so wie Gott sie seit je her sieht und bezeichnet: "Voll der Gnade" – "gratia plena" -, was im griechischen Original "κεχαριτωμένη" heißt. "Voll der Gnade"; und diese Gnade ist nichts anderes als die Liebe Gottes. So können wir schließlich dieses Wort mit "von Gott 'Geliebte'" übersetzen (vgl. Lk 1,2 . Origenes merkt an, dass nie ein vergleichbarer Titel an einen Menschen gerichtet worden war, und dass dieser an keiner anderen Stelle der Heiligen Schrift vorkommt (vgl. In Lucam 6,7). Es handelt sich um einen Titel, der in passiver Form ausgedrückt ist. Aber diese "Passivität" Mariens, die von je her und für immer die vom Herrn "Geliebte" ist, schließt ihr freies Einvernehmen ein, ihre persönliche und ursprüngliche Antwort: In ihrem Geliebtsein, im Empfangen der Gnade Gottes, ist Maria ganz aktiv, weil sie in persönlicher Bereitschaft die sich in sie ergießende Welle der Liebe Gottes annimmt. Auch hier ist sie vollkommene Jüngerin ihres Sohnes, der im Gehorsam dem Vater gegenüber seine eigene Freiheit ganz verwirklicht und gerade so seine Freiheit ausübt: im Gehorsam. In der zweiten Lesung haben wir den wunderbaren Abschnitt gehört, in dem der Autor des Hebräerbriefs den Psalm 40 gerade im Licht der Fleischwerdung Christi interpretiert: "Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus: Ja, ich komme… um deinen Willen, Gott, zu tun" (vgl. Hebr 10,5-7). Vor dem Geheimnis dieser beiden "Sieh, hier bin ich" – dem "Sieh, hier bin ich" des Sohnes und dem "Sieh, hier bin ich" der Mutter, die sich ineinander spiegeln und ein einziges Amen zum Liebeswillen Gottes bilden – verharren wir voller Staunen, um dankbar anzubeten.

Welch großes Geschenk ist es doch, Brüder, diese eindrucksvolle Feier am Tag des Hochfests der Verkündigung des Herrn begehen zu dürfen! Wie viel Licht dürfen wir aus diesem Geheimnis für unser Leben als Diener der Kirche schöpfen. Besonders Ihr, liebe neue Kardinäle: Welche Stütze werdet Ihr für Eure Sendung als herausragender "Senat" des Nachfolgers Petri haben! Dieses von der Vorsehung geschenkte Zusammenfallen hilft uns, das heutige Ereignis zu betrachten, in dem auf besondere Weise das petrinische Prinzip der Kirche im Licht des anderen, des marianischen Prinzips hervortritt, das noch ursprünglicher und grundlegender ist. Die Bedeutung des marianischen Prinzips in der Kirche wurde nach dem Konzil in besonderer Weise von meinem geliebten Vorgänger Papst Johannes Paul II. in Übereinstimmung mit seinem Wahlspruch Totus Tuus deutlich gemacht. In seiner spirituellen Richtung und in seinem unermüdlichen Dienst wurde vor den Augen aller die Gegenwart Mariens als Mutter und Königin der Kirche ersichtlich. Mehr denn je spürte er diese mütterliche Gegenwart im Moment des Attentats auf dem Peterplatz am 13. Mai 1981. Zur Erinnerung an dieses tragische Ereignisses wollte er, dass ein Mosaik, das die Madonna darstellt, von der Höhe des Apostolischen Palastes aus den Petersplatz beherrsche, um so die Höhepunkte und den geregelten Verlauf seines langen Pontifikats zu begleiten, das gerade vor einem Jahr in seine letzte schmerzhafte und zugleich triumphale, wirklich österliche Phase eintrat. Die Ikone der Verkündigung lässt uns besser als jede andere mit Klarheit erkennen, wie alles in der Kirche auf dieses Geheimnis der Annahme des göttlichen Wortes zurückgeht, wo durch das Werk des Heiligen Geistes der Bund zwischen Gott und der Menschheit in vollkommener Weise besiegelt worden ist. Alles in der Kirche, jede Einrichtung und jeder Dienst – auch der des Petrus und seiner Nachfolger –, liegt unter dem Mantel der Madonna, ist im Raum ihres Ja zum Willen Gottes, der voll der Gnade ist, angesiedelt. Es handelt sich um ein Band, das in uns allen natürlich ein starkes affektives Echo hat, das aber vor allem eine objektive Wertigkeit besitzt: Zwischen Maria und der Kirche existiert eine Konnaturalität, die das Zweite Vatikanische Konzil wirksam mit der glücklichen Entscheidung unterstrichen hat, die Abhandlung über die allerseligste Jungfrau Maria an den Schluss der Konstitution über die Kirche "Lumen Gentium" zu setzen.

Das Thema des Zusammenhangs zwischen dem petrinischen und dem marianischen Prinzip können wir auch im Symbol des Ringes, den ich Euch jetzt überreichen werde, wiederentdecken. Der Ring ist immer ein hochzeitliches Zeichen. Fast alle von Euch haben ihn bereits am Tag ihrer Weihe zum Bischof als Ausdruck der Treue und der Bemühung erhalten, die heilige Kirche, die Braut Christi ist (vgl. Ritus der Bischofsweihe) zu behüten. Der Ring, der der Würde eines Kardinals entspricht und den ich Euch heute verleihen werde, erfüllt den Zweck, diese Bemühung im Ausgang einer Hochzeitsgabe erneut zu bestätigen und zu stärken. Diese Hochzeitsgabe erinnert Euch daran, vor allem auf das Innigste mit Christus vereint zu sein, um die Sendung von Bräutigamen der Kirche zu erfüllen. Der Empfang dieses Ringes möge also für Euch die Erneuerung Eures Ja, Eures "Hier bin ich" sein, das gleichzeitig dem Herrn Jesus, der Euch gewählt und bestellt hat, und seiner heiligen Kirche gilt, der mit bräutlicher Liebe zu dienen Ihr gerufen seid. Die zwei Dimensionen der Kirche, die marinaische und die petrinische, treffen sich also in dem, was die Erfüllung beider bildet, das heißt im höchsten Wert der Liebe, im "größten" Charisma, im "besten Weg von allen", wie der heilige Apostel Paulus schreibt (1 Kor 12,31;13,13).

Alles in dieser Welt geht vorüber. Ewig bleibt nur die Liebe bestehen. Indem wir die Gunst der Fastenzeit nutzen, wollen wir uns darum bemühen, dass alles in unserem persönlichen Leben – wie auch alles in der kirchlichen Tätigkeit, in die wir eingegliedert sind – von der Liebe bewegt sei und zur Liebe hinstrebe. Auch hierzu erleuchtet uns das Geheimnis, das wir heute feiern. Denn die erste Handlung, die Maria nach dem Empfang der Botschaft des Engels vollzog, war, zum Haus ihrer Base Elisabeth zu "eilen", um ihr zu dienen (vgl. Lk 1,39). Diese Initiative der Jungfrau Maria war eine Initiative authentischer, demütiger und mutiger Liebe, die vom Glauben an das Wort Gottes und vom inneren Antrieb des Heiligen Geistes bewegt war. Wer liebt, vergisst sich selbst und stellt sich in den Dienst des Nächsten. Das ist das Bild, das Modell der Kirche! Jede kirchliche Gemeinschaft ist wie die Mutter Gottes dazu aufgerufen, in voller Bereitschaft das Geheimnis Gottes anzunehmen, das kommt, um in ihr zu wohnen, und das sie auf Wege der Liebe führt. Das ist der Weg, auf dem ich meinen Pontifikat beginnen wollte – indem ich alle mit der ersten Enzyklika dazu einlade, die Kirche in der Liebe aufzubauen: als "Gemeinschaft der Liebe" (vgl. Deus caritas est, zweiter Teil).

Bei der Verfolgung dieses Ziels, verehrte Brüder Kardinäle, ist mir Eure geistige und wirksame Verbundenheit eine große Unterstützung und ein großer Trost. Deshalb danke ich Euch, während ich Euch alle – Priester, Diakone, Ordensleute und Laien – dazu einlade, der Anrufung des Heiligen Geistes zu entsprechen, auf dass das Kardinalskollegium immer mehr von pastoraler Liebe erglühe und auf diese Weise der ganzen Kirche helfe, in die Welt hinein die Liebe Christi zum Lob und Ruhm der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auszustrahlen. Amen,

[ZENIT-Übersetzung; © Copyright 2006 des italienischen Originals – Libreria Editrice Vaticana]


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Kirsty1
Tuesday, March 28, 2006 6:56 PM
Publikationsdatum: 2006-03-28

Ansprache Benedikts XVI. zum 40. Jahrestag der Verkündigung des Konzilsdekrets "Ad gentes" über die Missionstätigkeit der Kirche (11. März 2006)

"Die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums sind der allererste Dienst"

ROM, 28. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am 11. März an die Teilnehmer des internationalen Kongresses zum 40. Jahrestag der Verkündigung des Konzilsdekrets "Ad gentes" gehalten hat.

Der Heilige Vater erinnerte seine Gäste daran, dass die Kirche dazu aufgerufen ist, "der Menschheit unserer Zeit dadurch zu dienen, dass sie einzig und allein auf Jesus vertraut, sich von seinem Wort erleuchten lässt und ihn in der hochherzigen Hingabe an die Brüder und Schwestern nachahmt." Als "Werkzeug in seinen Händen" verkünde sie allen Menschen unterschiedslos die Liebe Gottes. Diese Aufgabe sei keine "Option", sondern die Pflicht jedes Getauften.



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Meine Herren Kardinäle,
ehrwürdige Brüder im Bischofs- und im Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!

Herzlich begrüße ich euch alle, die ihr am internationalen Kongress teilgenommen habt, der von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und der Päpstlichen Universität Urbaniana zum 40. Jahrestag des Konzilsdekrets "Ad gentes" veranstaltet wurde. An erster Stelle begrüße ich Herrn Kardinal Crescenzio Sepe, den Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, und danke ihm für die Worte, die er in eurem Namen an mich gerichtet hat. Ich begrüße die anwesenden Bischöfe und Priester und alle, die sich an dieser Initiative beteiligt haben, die äußerst zweckmäßig ist, weil sie der Forderung nachkommt, die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils weiter zu vertiefen, um die von der Konzilsversammlung auf das Leben und die Sendung der Kirche übertragene Antriebskraft sichtbar werden zu lassen.

In der Tat hat die Mission der Kirche durch die Annahme und Verkündigung des Dekrets "Ad gentes" am 7. Dezember 1965 einen neuen Auftrieb erhalten. Die theologischen Grundlagen des missionarischen Einsatzes sowie sein Wert und seine Aktualität angesichts der Veränderungen der Welt und der Herausforderungen, vor welche sich die Verkündigung des Evangeliums durch die moderne Zeit gestellt sieht (vgl. Ad gentes, 1) sind besser herausgearbeitet worden. Die Kirche ist sich der fest in ihr verankerten missionarischen Berufung noch klarer bewusst geworden, da sie in ihr ein grundlegendes Element ihres eigentlichen Wesens erkannte. In Gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi, der seine Jünger aussandte, um allen Völkern das Evangelium zu verkünden (vgl. Mt 28,18-20), fühlt sich die christliche Gemeinschaft auch in unserer heutigen Zeit zu den Männern und Frauen des dritten Jahrtausends gesandt, um sie mit der Wahrheit der Botschaft des Evangeliums vertraut zu machen und ihnen auf diese Weise den Weg zum Heil zu eröffnen. Und das ist wie gesagt nicht als Option zu verstehen, sondern es stellt die eigentliche Berufung des Volkes Gottes dar, eine Verpflichtung, die ihm aufgrund des Auftrags des Herrn Jesus Christus selbst obliegt (vgl. Evangelii nuntiandi (pdf-Format), 5). Ja, die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums sind sogar der allererste Dienst, den die Christen jedem einzelnen Menschen und dem ganzen Menschengeschlecht leisten können, sind sie doch dazu aufgerufen, allen die Liebe Gottes zu vermitteln, die im einzigen Erlöser der Welt, Jesus Christus, ganz offenbart worden ist.

Die Veröffentlichung des Konzilsdekrets "Ad gentes", zu dem Ihr nutzbringende Überlegungen angestellt habt, hat es ermöglicht, die ursprüngliche Wurzel der Mission der Kirche besser herauszustellen, nämlich das trinitarische Leben Gottes, aus dem der Liebesstrom entspringt, der sich von den göttlichen Personen auf die Menschheit ergießt. Alles fließt aus dem Herzen des himmlischen Vaters, der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat (vgl. Joh 3,16). Durch das Geheimnis der Menschwerdung ist der einzige Sohn zum wahren und höchsten Mittler eingesetzt worden. In ihm, der gestorben und auferstanden ist, erreicht die fürsorgliche Liebe des Vaters jeden Menschen – in den Formen und auf den Wegen, die nur er kennt. Aufgabe der Kirche ist es, diese göttliche Liebe dank dem lebendig machenden Wirken des Heiligen Geistes unablässig zu vermitteln. Denn der Geist ist es, der das Leben der Gläubigen dadurch verwandelt, dass er sie von der Knechtschaft der Sünde und des Todes befreit und sie fähig macht, Zeugnis zu geben von der barmherzigen Liebe Gottes, der die Menschheit in seinem Sohn zu einer großen Familie machen will (vgl. Deus caritas est, 19).

Das christliche Volk hat von Anfang an erkannt, wie wichtig es ist, durch eine ständige Missionstätigkeit alle, die noch nichts von Christus wussten, an dem Reichtum dieser Liebe teilhaben zu lassen. Noch stärker empfand man in den letzten Jahren die Notwendigkeit, dieser Verpflichtung Nachdruck zu verleihen, weil die "missio ad gentes", wie mein geliebter Vorgänger Johannes Paul II. bemerkte, heute aufgrund von Schwierigkeiten, die durch das veränderte anthropologische, kulturelle, soziale und religiöse Bild der Menschheit bedingt sind, mitunter eine Phase des Rückgangs durchzumachen scheint. Die Kirche ist heute dazu aufgerufen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie ist dazu bereit, mit verschiedenen Kulturen und Religionen einen Dialog zu führen und so zusammen mit allen Menschen guten Willens nach dem Aufbau eines friedlichen Zusammenlebens der Völker zu trachten. Der Aufgabenbereich der "missio ad gentes" erscheint somit beachtlich erweitert und lässt sich nicht allein auf der Grundlage geographischer oder rechtlicher Überlegungen definieren. Tatsächlich sind nämlich nicht nur nichtchristliche Völker und ferne Länder, sondern auch die soziokulturellen Umfelder und vor allem die Herzen die wahren Adressaten der missionarischen Tätigkeit des Volkes Gottes.

Es geht um einen Auftrag, dessen getreue Umsetzung Geduld und Weitblick, Mut und Demut, Hören auf Gott und wachsames Erkennen der "Zeichen der Zeit" erfordert. Wie das Konzilsdekret "Ad gentes" hervorhebt, muss die Kirche wissen, dass es notwendig ist, denselben Weg zu gehen, den Christus gegangen ist, den Weg, der zum Tod am Kreuz führt, denn "so soll, was einmal für alle zum Heil vollzogen worden ist, in allen im Ablauf der Zeiten seine Wirkung erlangen" (3). In der Tat muss die Evangelisierungsarbeit "denselben Weg gehen, den Christus gegangen ist, nämlich den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienens und des Selbstopfers bis zum Tode hin, aus dem er dann durch seine Auferstehung als Sieger hervorging" (5). Ja, die Kirche ist dazu aufgerufen, der Menschheit unserer Zeit dadurch zu dienen, dass sie einzig und allein auf Jesus vertraut, sich von seinem Wort erleuchten lässt und ihn in der hochherzigen Hingabe an die Brüder und Schwestern nachahmt. Sie ist Werkzeug in seinen Händen und auf diese Weise tut sie das, was ihr möglich ist, wobei ihr bewusst bleibt, dass der, der alles bewirkt, immer der Herr ist.

Liebe Brüder und Schwestern, danke für die Überlegungen, die Ihr in diesen Tagen angestellt habt, für die Vertiefung der Inhalte der Missionsarbeit und ihrer Bedingungen in unserer Zeit, wobei euch ganz besonders daran gelegen war, die Aufgabe der Theologie zu beleuchten, zu der auch die systematische Darstellung der verschiedenen Aspekte der Mission der Kirche gehört. Durch den Beitrag aller Christen wird die Verkündigung des Evangeliums sicher immer verständlicher und wirksamer werden.

Maria, Stern der Evangelisierung, helfe und trage diejenigen, die in so vielen Gebieten der Welt dort tätig sind, wohin die Missionen ihre Grenzen ausgeweitet haben. Wie könnte ich in diesem Zusammenhang all jene unerwähnt lassen, die gerade auch in jüngster Zeit ihr Leben für das Evangelium hingegeben haben? Möge ihr Opfer einen neuen Frühling bewirken, reich an apostolischen Früchten für die Evangelisierung. Dafür beten wir und vertrauen all jene dem Herrn an, die auf unterschiedliche Weise im großen Weinberg des Herrn arbeiten. Mit diesen Empfindungen erteile ich euch, die Ihr hier anwesend seid, den Apostolischen Segen, den ich von Herzen auf die Menschen, die euch nahe stehen, und auf die kirchlichen Gemeinschaften, denen ihr angehört, ausweite.


[© Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]




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Kirsty1
Wednesday, March 29, 2006 7:36 PM
Publikationsdatum: 2006-03-29

Benedikt XVI.: Kirche ist "Gemeinschaft der Menschen mit dem dreifaltigen Gott und Gemeinschaft der Menschen untereinander"

Generalaudienz: Dritte Katechese über die Beziehung zwischen Christus und seiner Kirche

ROM, 29. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Katechese Benedikts XVI. von heute, Mittwoch. Während der Generalaudienz betrachtete der Heilige Vater die Kirche als Geheimnis der Gemeinschaft, "in dem sich bis zu einem gewissen Grad die Gemeinschaft der Dreifaltigkeit widerspiegelt", ein "von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeintes Volk". Die gelebte Gemeinschaft mit Gott und unter den Menschen bezeichnete der Heilige Vater als "das eigentliche Ziel der Verkündigung des Evangeliums, das Ziel der Bekehrung zum Christentum".



* * *



Liebe Brüder und Schwestern,

durch den apostolischen Dienst wird die Kirche, die eine vom fleischgewordenen Sohn Gottes versammelte Gemeinschaft ist, in der zeitlichen Abfolge leben, indem sie die Gemeinschaft in Christus und im Heiligen Geist errichtet und nährt, eine Gemeinschaft, zu der alle berufen sind und in der alle die Erfahrung des vom Vater geschenkten Heils machen können. Wie Papst Clemens, der dritte Nachfolger des Apostels Petrus, am Ende des ersten Jahrhunderts sagte, hatten die Zwölf in der Tat darauf geachtet, sich als Nachfolger einzusetzen (vgl. 1 Clem 42,4), damit der ihnen anvertraute Auftrag nach ihrem Tod fortgeführt werde. Im Lauf der Jahrhunderte fuhr die Kirche, die unter der Leitung der legitimen Hirten organisch strukturiert ist, fort, in der Welt als Geheimnis der Gemeinschaft zu leben, in dem sich bis zu einem gewissen Grad die Gemeinschaft der Dreifaltigkeit widerspiegelt.

Schon der Apostel Paulus weist auf diese höchsten trinitarischen Ursprung hin, wenn er zur seinen Christen sagt: "Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13). Diese Worte –wahrscheinlich ein Echo des Gottesdienstes der im Entstehen begriffenen Kirche – machen deutlich, wie das freie Geschenk der Liebe des Vaters in Christus sich in der vom Heiligen Geist vollbrachten Gemeinschaft verwirklicht und zum Ausdruck kommt. Diese Interpretation basiert auf dem strikten Parallelismus, den der Text zwischen den drei Genitiven ("die Gnade des Herrn Jesus Christus… die Liebe Gottes… und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes") festlegt. Sie präsentiert demnach die "Gemeinschaft" als wesenhaftes Geschenk des Heiligen Geistes, analog zur Liebe, die vom Vater geschenkt wird, und zur Gnade, die vom Herrn Jesus angeboten wird.

Der unmittelbare Zusammenhang, der vom Festhalten an der brüderlichen Gemeinschaft charakterisiert ist, führt uns allerdings dazu, in der "koinonia" des Heiligen Geistes nicht nur die "Teilhabe" am göttlichen Leben sozusagen des Einzelnen, jeder für sich, zu sehen, sondern logischerweise auch die "Gemeinschaft" unter den Gläubigen, die der Geist als ihr Urheber und vornehmlicher Handelnder bewirkt (vgl. Phil 2,1). Man könnte sagen, dass Gnade, Liebe und Gemeinschaft, die jeweils auf Christus, den Vater und den Heiligen Geist zurückgeführt werden, verschiedene Aspekte der einen göttlichen Handlung zu unserem Heil sind, einer Handlung, die die Kirche hervorbringt und aus der Kirche ein "von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeintes Volk" macht, wie der heilige Cyprian im dritten Jahrhundert sagte (vgl. Heilige Cyprian, De Orat. Dom., 23: PL 4,536; zitiert aus: Lumen gentium, 4).

Die Idee der Gemeinschaft als Teilhabe am Leben der Dreifaltigkeit wird mit besonderer Stärke im Johannesevangelium veranschaulicht, wo die Liebesgemeinschaft, die den Sohn mit dem Vater und den Menschen verbindet, gleichzeitig Vorbild und Quelle der brüderlichen Gemeinschaft ist, die die Jünger untereinander einen muss: "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe" (Joh 15,12; vgl. 13,34) "Sie sollen eins sein, wie wir eins sind" (Joh 17, 21.22). Also: Gemeinschaft der Menschen mit dem dreifaltigen Gott und Gemeinschaft der Menschen untereinander. In der Zeit der irdischen Pilgerschaft kann der Jünger durch die Gemeinschaft mit dem Sohn schon am göttlichen Leben des Sohnes und des Vaters teilhaben: "Wir haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus" (1 Joh 1,3). Dieses Leben der Gemeinschaft mit Gott und unter uns ist das eigentliche Ziel der Verkündigung des Evangeliums, das Ziel der Bekehrung zum Christentum: "Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt" (1 Joh 1,3). Diese doppelte Gemeinschaft mit Gott und unter uns ist also untrennbar. Wo die Gemeinschaft mit Gott – die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist – zerstört wird, wird auch die Wurzel und die Quelle der Gemeinschaft unter uns zerstört. Und wo die Gemeinschaft unter uns nicht gelebt wird, ist, wie wir gehört haben, auch die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott nicht lebendig und wahr.

Jetzt machen wir einen weiteren Schritt. Die Gemeinschaft – Frucht des Heiligen Geistes – wird vom eucharistischen Brot gespeist (vgl. 1 Kor 10,16-17) und drückt sich in den brüderlichen Beziehungen aus, in einer Art von Vorwegnahme der künftigen Welt. Jesus speist uns in der Eucharistie; er vereint uns mit sich, mit dem Vater, mit dem Heiligen Geist und untereinander, und dieses Netz der Einheit, das die Welt umspannt, ist in dieser unserer Zeit eine Vorwegnahme der künftigen Welt. Gerade als Vorwegnahme der künftigen Welt ist die Gemeinschaft ein Geschenk, das auch sehr reale Konsequenzen hat: Sie lässt uns aus unserer Einsamkeit, aus der Verschlossenheit in uns selbst herausgehen und Anteil haben an der Liebe, die uns mit Gott und untereinander verbindet. Es ist leicht zu verstehen, wie groß dieses Geschenk ist, wenn wir nur an die Spaltungen und Konflikte denken, die die Beziehungen zwischen einzelnen Menschen, Gruppen und ganzen Völkern trüben. Und wenn das Geschenk der Einheit im Heiligen Geist nicht da ist, ist die Aufsplitterung der Menschheit nicht zu vermeiden. Die "Gemeinschaft" ist wirklich die frohe Botschaft, die jede Einsamkeit, die heute alle Menschen bedroht, zu heilen vermag, das wertvolle Geschenk, das uns spüren lässt, dass wir in Gott, in der Einheit seines Volkes, das im Namen der Dreifaltigkeit versammelt ist, angenommen und geliebt sind. Sie ist das Licht, das die Kirche als Zeichen, das über den Völkern erhoben ist, zum Leuchten bringt: "Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander" (1 Joh 1,6f). Die Kirche offenbart sich so trotz aller menschlicher Gebrechlichkeit, die zu ihrer historischen Physiognomie gehört, als eine wunderbare Schöpfung der Liebe, die dazu gemacht worden ist, um Christus jedem Mann und jeder Frau, die ihn wirklich treffen wollen, bis zum Ende der Zeiten nahe zu bringen. Und in der Kirche bleibt der Herr immer ein Zeitgenosse von uns. Die Heilige Schrift ist keine Sache der Vergangenheit. Der Herr spricht nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart; er spricht heute mit uns, er schenkt uns Licht, er zeigt uns den Weg des Lebens, er schenkt uns Gemeinschaft und bereitet uns auf diese Wiese auf den Frieden vor und öffnet uns für ihn.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Im Anschluss verlas der Heilige Vater in verschiedenen Sprachen eine Zusammenfassung seiner Katechese und begrüßte die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!

"Wir haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus" (1 Joh 1,3), und wenn wir im Licht Christi leben, haben wir auch Gemeinschaft miteinander (vgl. 1 Joh 1,7). Die Verse aus dem ersten Brief des Johannes, die wir zu Beginn dieser Audienz gehört haben, beschreiben das Wesen der Kirche als Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Urbild und Quelle dieser Gemeinschaft ist der dreifaltige Gott. Vater, Sohn und Heiliger Geist bilden eine vollkommene Einheit und wollen, dass auch die Menschen in der Kirche am göttlichen Leben und an der göttlichen Gemeinschaft Anteil haben.

Die in Gott gegründete Gemeinschaft ist ein Geschenk der Liebe, die nach dem Beispiel Christi auch in unserem Leben sichtbar werden muss: "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe" (Joh 15,12). "Sie sollen eins sein, wie wir eins sind" (Joh 17,22). Zu Recht erwarten die Menschen von uns Christen, dass wir in dieser Liebe leben, damit in einer Welt voller Konflikte und Spaltungen das Licht der Vergebung und der Gemeinschaft in Christus aufstrahle.

Wir alle, liebe Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache, dürfen hier auf dem Petersplatz kirchliche Gemeinschaft erleben. Danken wir Gott für dieses Geschenk und öffnen wir unser Herz für die Gnade Christi und für die Liebe, durch die der Heilige Geist uns mit Gott und untereinander vereinen will.

Besonders begrüße ich heute den Bezirksfeuerwehrverband der Oberpfalz, die Journalisten aus Österreich in Begleitung von Diözesanbischof Egon Kapellari sowie die Gläubigen aus den vom Stift St. Florian betreuten Pfarren. Die Gemeinschaft mit Gott im Heiligen Geist präge euer ganzes Leben. Euch allen wünsche ich von Herzen einen frohen Tag!

[© Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]




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Kirsty1
Tuesday, May 09, 2006 4:24 PM
Predigt Benedikts XVI. zum 500-jährigen Bestehen der Schweizergarde (6. Mai 2006)



"Ein Schweizergardist zu sein bedeutet, Christus und seiner Kirche vorbehaltlos zu folgen – in der Bereitschaft, für sie das eigene Leben hinzugeben"

ROM, 8. Mai 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die Papst Benedikt XVI. am Samstag während des Festgottesdienstes zur 500-Jahr-Feier der Gründung der Schweizergarde im Petersdom gehalten hat.

Im Namen seiner Vorgänger bedankte sich der Heilige Vater bei der päpstlichen Leibgarde für ihren unermüdlichen Dienst. Ausgehend von den Schriftlesungen des Tages erinnerte er die Soldaten und alle Gläubigen an die Voraussetzungen für den wahren Friedensdienst und verwies dabei auf die Bedeutung der Tugend der Weisheit, vor allem aber auf die persönliche Freundschaft mit Jesus.

"Wer sich für Jesus entscheidet, findet den größten Schatz, die kostbare Perle, die allen anderen Dingen Wert verleiht, denn sie ist die fleischgewordene göttliche Weisheit, die in die Welt gekommen ist, damit die Menschheit das Leben in Fülle haben. Und wer die überragende Güte, Schönheit und Wahrheit Christi, in dem die ganze Fülle Gottes wohnt, aufnimmt, der tritt zusammen mit ihm ein in sein Reich, wo die Wertmaßstäbe dieser Welt verfallen und sogar auf den Kopf gestellt werden."



* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

In diesem Jahr begehen wir das Gedächtnis einiger bedeutsamer Ereignisse aus dem Jahr 1506, vor genau 500 Jahren: der Auffindung der Skulptur des Laokoon, auf die der Ursprung der Vatikanischen Museen zurückgeht; der Grundsteinlegung dieser Peterskirche, die auf der konstantinischen Basilika errichtet wurde, und der Entstehung der Päpstliche Schweizergarde. Heute wollen wir in besonderer Weise an dieses [zuletzt genannte] Ereignis erinnern.

Am 22. Januar vor 500 Jahren kamen die ersten 150 Gardisten auf den ausdrücklichen Wunsch von Papst Julius II. hin nach Rom und traten in seine Dienste im Apostolischen Palast. Dieser Spezialkorps wurde bald dazu gerufen, seine Treue zum Papst unter Beweis zu stellen: Im Jahr 1527 wurde Rom eingenommen und geplündert, und am 6. Mai fielen 147 Schweizer Gardisten bei der Verteidigung Clemens VII. Die übrigen 42 konnten ihn in der Engelsburg in Sicherheit bringen. Warum denken wir heute an Ereignisse, die so weit entfernt sind und in einem so ganz anderen Rom und Europa stattgefunden haben als dem heutigen? Vor allem, um dem Korps der Schweizergarde die Ehre zu erweisen. Seit damals wurde er immer in seinem Auftrag wiederbestätigt, selbst im Jahr 1970, als der Diener Gottes Paul VI. alle anderen Militärkorps des Vatikans auflöste. Zugleich bringen wir uns aber diese historischen Ereignisse vor allem deshalb in Erinnerung, um daraus im Licht des Wortes Gottes eine Lehre zu ziehen. Die Lesungen aus der Bibel der heutigen Liturgie kommen uns dabei entgegen, und der auferstandene Christus, den wir in der Osterzeit mit besonderer Freude feiern, öffnet uns den Geist für das Verständnis der Schrift (vgl. Lk 24,45), damit wir den Plan Gottes erkennen und seinem Willen folgen können.

Die erste Lesung stammt aus dem Buch der Weisheit, das nach der Überlieferung dem großen König Salomo zugeschrieben wird. Dieses Buch ist ein einziger Lobpreis auf die göttliche Weisheit, die als der kostbarste Schatz dargestellt wird, den der Mensch ersehnen und entdecken kann; als das höchste Gut, von dem alle anderen Güter abhängen. Für die Weisheit lohnt es sich, auf alles andere zu verzichten, denn nur sie gibt dem Leben seinen letzten Sinn – einen Sinn, der sogar den Tod überwindet, weil die Weisheit in eine wirkliche Gemeinschaft mit Gott einführt.

Die Weisheit, so heißt es im Text, "schafft Freunde Gottes" (Weish 7,27) – eine wunderschöne Formulierung, die einerseits den "gestaltenden" Aspekt hervorhebt, dass nämlich die Weisheit die Persönlichkeit formt, die sie durch das innere Wachstum zu ihrer vollen Reife gelangen lässt, und die zugleich besagt, dass diese Fülle des Lebens in der Freundschaft mit Gott besteht, in der innigen Übereinstimmung mit seinem Sein und seinem Wollen. Der innere Ort, in dem die göttliche Weisheit wirkt, ist jener, den die Bibel das "Herz" nennt; er bildet den geistigen Mittelpunkt der Person. Darum haben wir im Refrain des Antwortpsalms gebetet: "Gib uns, o Gott, die Weisheit des Herzens!"

Der Psalm 89 [9 erinnert uns dann daran, dass diese Weisheit demjenigen gewährt wird, der lernt, seine "Tage zu zählen" (12), das heißt demjenigen, der erkennt, dass alles andere im Leben flüchtig, vergänglich, hinfällig ist und dass sich der sündige Mensch vor Gott nicht verstecken kann und darf, sondern sich als das erkennen muss, was er ist: als Geschöpf, das des Erbamens und der Gnade bedarf. Wer diese Wahrheit akzeptiert und sich darauf vorbereitet, die Weisheit aufzunehmen, der empfängt sie als Geschenk.

So lohnt es sich also, zugunsten der Weisheit auf alles zu verzichten. Dieses Thema des "Loslassens", um zu "finden", steht im Zentrum des Abschnittes aus dem 19. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, den wir soeben gehört haben. Nach der Episode vom "reichen Jüngling", der nicht den Mut besaß, sich von seinem "großen Vermögen" zu trennen, um Jesus nachzufolgen (vgl. Mt 19,22), fragt der Apostel Petrus den Herrn, welchen Lohn sie, die Jünger, erhalten werden, die "alles verlassen" haben, um bei ihm zu bleiben (vgl. Mt 19,27). Die Antwort Christi offenbart die grenzenlose Weite seines Herzens: Er verspricht den Zwölfen, dass sie an seiner Herrschaft über das neue Israel teilhaben werden; dann sichert er allen zu, dass "jeder, der um seines Namens willen" die irdischen Güter "verlassen hat", dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen wird (vgl. Mt 19,29).

Wer sich für Jesus entscheidet, findet den größten Schatz, die kostbare Perle (vgl. Mt 13,44-46), die allen anderen Dingen Wert verleiht, denn sie ist die fleischgewordene göttliche Weisheit (vgl. Joh 1,14), die in die Welt gekommen ist, damit die Menschheit das Leben in Fülle haben (vgl. Joh 10,10). Und wer die überragende Güte, Schönheit und Wahrheit Christi, in dem die ganze Fülle Gottes wohnt (vgl. Kol 2,9), aufnimmt, der tritt zusammen mit ihm ein in sein Reich, wo die Wertmaßstäbe dieser Welt verfallen und sogar auf den Kopf gestellt werden.

Eine der schönsten Definitionen des Reiches Gottes finden wir in der zweiten Lesung, einem Text, der zum ermahnenden Teil des Römerbriefs gehört. Nachdem der Apostel Paulus die Christen ermahnt hat, sich immer von der Liebe leiten zu lassen und in der Schwachheit nicht zum Ärgernis Anlass zu geben, erinnert er sie daran, dass das Reich Gottes "Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist" ist (Röm 14,17), und fügt hinzu: "Wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt" (Röm 14,18-19).

Die "Werke des Friedens" sind ein synthetischer und vollendeter Ausdruck der biblischen Weisheit im Licht der Offenbarung Christi und seines Heilsgeheimnisses. Wer in Christus die fleischgewordene Weisheit erkannt und für ihn alles andere verlassen hat, wird in der Gemeinde und inmitten der Welt ein "Arbeiter des Friedens", das heißt, er wird Samenkorn des Reiches Gottes, das schon gegenwärtig ist und auf seine vollkommene Manifestation zugeht. In der Perspektive des Binoms Weisheit-Christus bietet uns das Wort Gottes deshalb eine vollendete Sicht des Menschen in der Geschichte: Wer sie, fasziniert vom Reich Gottes, sucht und in Christus findet, der verlässt alles für ihn und erhält dafür die unschätzbare Gabe des Reiches Gottes; der lebt inmitten der Kirche das Zeugnis der Liebe, weil er sich Mäßigung, Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit – die "Kardinaltugenden" – aneignet.

Man könnte sich fragen, ob diese Sicht des Menschen nicht auch ein Lebensideal für die Menschen unserer Zeit sein kann, vor allem für die Jugendlichen. Dass das möglich ist, zeigen die unzähligen Zeugnisse des persönlichen und gemeinschaftlichen christlichen Lebens, an denen das durch die Geschichte pilgernde Gottesvolk auch heute reich ist.

Unter den vielfältigen Ausdrucksformen der Gegenwart der Laien in der katholischen Kirche findet sich auch jene ganz einzigartige der Päpstlichen Schweizergarde: Es handelt sich um junge Männer, die von der Liebe zu Christus und zur Kirche motiviert sind und sich so in den Dienst des Nachfolgers Petri stellen. Für einige von ihnen ist die Zugehörigkeit zum Korps der Garde zeitlich begrenzt, für andere verlängert sie sich so, dass sie zu einer Entscheidung für das ganze Leben wird.

Für einige, und das sage ich mit großer innerer Freude, hat der Dienst im Vatikan die Antwort auf die Berufung zum Priester- oder Ordensleben reifen lassen. Ein Schweizergardist zu sein bedeutet aber für alle, Christus und seiner Kirche vorbehaltlos zu folgen – in der Bereitschaft, für sie das eigene Leben hinzugeben. Der aktive Dienst mag zu einem Ende kommen, im Innern aber bleibt man immer ein Schweizergardist. Das haben die ungefähr achtzig Ex-Gardisten zeigen wollen, die vom 7. April bis zum 4. Mai einen außerordentlichen Marsch von der Schweiz nach Rom gemacht haben und größtenteils der Via Francigena folgten.

Sie und alle Schweizergardisten will ich erneut aus ganzem Herzen grüßen. Ich wende mich auch an die eigens aus der Schweiz angereisten Autoritäten und an die anderen zivilen und militärischen Autoritäten; an die Kapläne, die mit dem Evangelium und der Eucharistie den täglichen Dienst der Gardisten belebt haben, wie auch an die zahlreichen Familienangehörigen und Freunde.

Liebe Freunde, ich widme diese Eucharistiefeier, die den geistlich gesehen bedeutendsten Moment eurer Feierlichkeiten darstellt, in besonderer Weise euch und den Verstorbenen eures Korps. Nährt euch vom eucharistischen Brot und seid in erster Linie Männer des Gebets, auf dass die göttliche Weisheit aus euch echte Freunde Gottes und Diener seines Reichs der Liebe und des Friedens mache.

Im Opfer Christi nimmt der Dienst, der in diesen 500 Jahren von eurer großen Schar geleistet worden ist, an Bedeutung und Wert zu. Ich mache mich im Geist zum Interpreten jener Päpste, denen euer Korps im Lauf der Jahrhunderte treu gedient hat, und bringe euch gegenüber den verdienten und aufrichtigen Dank zum Ausdruck, während ich euch im Blick auf die Zukunft dazu auffordere, "acriter et fideliter" – "mit Mut und Treue" – weiterzugehen. Die Jungfrau Maria und eure Schutzpatrone, der heilige Martin, der heilige Sebastian und der heilige Nikolaus von der Flüe, mögen euch beistehen, damit ihr eure tägliche Arbeit mit großzügiger Hingabe verrichtet und euch dabei stets vom Geist des Glaubens und der Liebe zur Kirche beleben lässt.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen; © Copyright 2006 des Originals – Libreria Editrice Vaticana]




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Kirsty1
Tuesday, May 09, 2006 4:24 PM
Predigt Benedikts XVI. während der Priesterweihe im Petersdom (7. Mai 2006)

"Die Eucharistie muss für uns eine Schule des Lebens werden, in der wir lernen, unser Leben zu verschenken"

ROM, 9. Mai 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die der Heilige Vater am Weltgebetstag für geistliche Berufungen im Petersdom gehalten hat.

Benedikt XVI. spendete am Sonntagvormittag 13 Diakonen der Diözese Rom sowie zwei Ordensmitgliedern der Unbeschuhten Karmeliten die Priesterweihe. Nach dem Wortgottesdienst betrachtete er die Lesungen des Tages, um den Priesteramtskandidaten ihre Hirtenberufung vor Augen zu halten.

"Wir müssen unser Leben Tag für Tag hinschenken", betonte der Papst. "Es ist notwendig, täglich zu lernen, dass ich mein Leben nicht für mich selbst besitze. Tag für Tag muss ich lernen, mich selbst zu verlassen; ganz für das zur Verfügung zu stehen, wofür er, der Herr, mich im Augenblick braucht, selbst wenn mir andere Dinge schöner und wichtiger erscheinen. Es geht darum, das Leben zu geben, nicht zu nehmen. Gerade so machen wir die Erfahrung der Freiheit – der Freiheit von uns selbst, der Weite des Seins. Gerade indem wir nützlich sind, wird unser Leben wichtig und schön. Nur wer sein eigenes Leben verschenkt, findet es."



* * *



In dieser Stunde, in der Ihr, liebe Freunde, durch das Sakrament der Priesterweihe in den Hirtendienst des großen Hirten Jesus Christus eingeführt werdet, ist es der Herr selbst, der zu uns im Evangelium vom Dienst für die Herde Gottes spricht.

Das Bild des Hirten kommt von weit her. Im antiken Orient bezeichneten sich die Könige gewöhnlich selbst als Hirten ihrer Völker. Im Alten Testament waren Moses und David vor ihrer Berufung zu Oberhäuptern und Hirten des Volkes Gottes wirklich Hirten von Herden. In der qualvollen Zeit des Exils zeichnete der Prophet Ezechiel angesichts des Versagens der Hirten Israels, das heißt der politischen und religiösen Oberhäupter, ein Bild Gottes als Hirt seines Volkes: "Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert… so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben" (Ez 34,12).

Jetzt verkündet Jesus, dass diese Stunde gekommen ist: Er selbst ist der Gute Hirt, durch den sich Gott seines Geschöpfs, des Menschen, annimmt, indem er die Menschen sammelt und sie zur wahren Weide führt. Der heilige Petrus, dem der auferstandene Herr die Aufgabe übertragen hat, seine Schafe zu weiden und mit ihm und durch ihn Hirte zu werden, bezeichnet Jesus als den "archipoimen" – den "Erzhirten" (vgl. 1 Petr 5,4); und er will damit sagen, dass man nur durch ihn und in der innigsten Gemeinschaft mit ihm Hirte der Herde Jesu sein kann. Gerade das kommt im Weihesakrament zum Ausdruck: Der Priester wird gänzlich in Christus eingegliedert, auf dass er von ihm ausgehend, im Blick auf ihn und in Gemeinschaft mit ihm den Dienst des einzigen Hirten Jesu verrichte, in dem Gott als Mensch unser Hirt sein will.

Das Evangelium dieses Sonntags ist nur ein Teil der großen Rede Jesu über die Hirten. In diesem Abschnitt sagt der Herr uns drei Dinge über den wahren Hirten: Er gibt sein eigenes Leben hin für die Schafe; er kennt sie und sie kennen ihn; er steht im Dienst der Einheit. Bevor wir über diese drei wesentlichen Charakteristiken des Hirtenseins nachdenken, ist es vielleicht von Nutzen, kurz den vorhergehenden Teil dieser Rede über die Hirten in Erinnerung zu rufen. Bevor er sich als Hirte bezeichnet, sagt dort Jesus zu unserer Überraschung: "Ich bin die Tür" (Joh 10,7). Durch ihn muss man in den Hirtendienst eintreten.

Jesus hebt sehr deutlich diese Grundbedingung hervor, wenn er sagt: "Wer anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber" (Joh 10,1). Das Wort "einsteigen" lässt an das Bild desjenigen denken, der an einem Gatter hochklettert, um dort hin zu gelangen, wo er eigentlich nicht hinkommen darf. "Hinaufsteigen": Man kann darin auch das Bild des Karrierestrebens sehen, des Versuchs, "nach oben" zu kommen, sich durch die Kirche eine besondere Stellung zu verschaffen: sich zu bedienen, und nicht zu dienen. Es ist dies das Bild eines Menschen der durch das Priestertum wichtig, eine Persönlichkeit werden will; das Bild desjenigen, der seine eigene Erhöhung im Auge hat und nicht den demütigen Dienst für Jesus Christus.

Der einzig legitime Aufstieg zum Dienstamt des Hirten ist aber das Kreuz. Das ist die Tür: nicht danach zu streben, persönlich etwas zu werden, sondern stattdessen da zu sein für den anderen, für Christus; und so durch ihn und mit Ihm für die Menschen da zu sein, die er aufsucht, die er auf den Weg des Lebens führen will. Man tritt in das Priestertum durch das Sakrament ein, und das bedeutet eben: durch die völlige Hingabe seiner selbst an Christus, auf dass er über mich verfüge; auf dass ich ihm diene und seinem Ruf folge, auch wenn dies zu meinen Wünschen nach Selbstverwirklichung und Selbstverherrlichung im Widerspruch stehen sollte. Durch die Tür zu schreiten, die Christus ist, heißt, ihn immer mehr zu kennen und zu lieben, damit unser Wille mit dem seinigen eins wird und unser Handeln ganz sein Handeln. Liebe Freunde, für diese gute Absicht wollen wir immer neu beten. Wir wollen uns nämlich gerade darum bemühen, dass Christus in uns wachsen kann und dass unsere Einheit mit ihm immer tiefer wird, damit es Christus selbst ist, der durch uns seine Schafe weidet.

Betrachten wir jetzt näher die drei Grundaussagen Jesu über den Guten Hirten. Die erste, die mit großer Kraft die ganze Rede über die Hirten durchdringt, besagt: Der Hirt gibt sein Leben für die Schafe.

Das Geheimnis des Kreuzes steht im Mittelpunkt des Dienstes Jesu als Hirte: Das ist der wahrhaft große Dienst, den er uns allen erweist. Er gibt sich selbst hin. Deshalb steht aus gutem Grund die Eucharistie, in der das Opfer Jesu auf dem Kreuz kontinuierlich unter uns gegenwärtig bleibt, im Mittelpunkt des priesterlichen Lebens. Und von daher lernen wir auch, was es bedeutet, Eucharistie in angemessener Weise zu feiern: Sie ist eine Begegnung mit dem Herrn, der sich für uns seiner göttlichen Herrlichkeit entkleidet, der sich erniedrigen lässt bis zum Tod am Kreuz und sich so für uns alle hingibt. Für den Priester ist die tägliche Eucharistie sehr wichtig: In ihr setzt er sich immer wieder von neuem diesem Geheimnis aus. Immer wieder legt er sich selbst in die Hände Gottes und erfährt auf diese Weise auch die Freude über das Wissen, dass Gott gegenwärtig ist, dass er mich annimmt, dass er mich immer wieder von neuem aufhebt und trägt. Die Eucharistie muss für uns eine Schule des Lebens werden, in der wir lernen, unser Leben zu verschenken.

Das Leben gibt man nicht nur im Moment des Todes hin, und auch nicht nur durch das Martyrium. Wir müssen unser Leben Tag für Tag hinschenken. Es ist notwendig, täglich zu lernen, dass ich mein Leben nicht für mich selbst besitze. Tag für Tag muss ich lernen, mich selbst zu verlassen; ganz für das zur Verfügung zu stehen, wofür er, der Herr, mich im Augenblick braucht, selbst wenn mir andere Dinge schöner und wichtiger erscheinen. Es geht darum, das Leben zu geben, nicht zu nehmen. Gerade so machen wir die Erfahrung der Freiheit – der Freiheit von uns selbst, der Weite des Seins. Gerade indem wir nützlich sind, wird unser Leben wichtig und schön. Nur wer sein eigenes Leben verschenkt, findet es.

Zum zweiten sagt der Herr: "Ich kenne meine Schafe, und die meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne" (Joh 10,14-15). Es sind dies zwei anscheinend völlig verschiedene Beziehungen, die sich hier ineinander verwoben vorfinden: die Beziehung zwischen Jesus und dem Vater, und die Beziehung zwischen Jesus und jenen Menschen, die ihm anvertraut sind. Beide Beziehungen hängen miteinander in Verbindung, weil die Menschen schließlich dem Vater angehören und auf der Suche nach ihm sind. Wenn sie merken, dass einer nur im eigenen Namen spricht und nur aus sich selbst schöpft, dann erkennen sie intuitiv, dass er nicht das sein kann, wonach sie suchen. Wo aber in einer Person das Wort des Vaters widerhallt, öffnet sich die Tür der Beziehung, die der Mensch erhofft. So muss es also auch in unserem Fall sein.

Vor allem anderen müssen wir in unserem Innersten die Beziehung mit Christus und durch ihn die Beziehung mit dem Vater leben. Nur dann können wir wirklich die Menschen verstehen, und dann können die Menschen auch erkennen, dass sie den wahren Hirten gefunden haben. Es ist offensichtlich: In den Worten Jesu ist auch die ganz praktische Aufgabe des Hirten eingeschlossen, die Menschen zu begleiten – sie aufzusuchen, für ihre Bedürfnisse und Fragen offen zu sein. Es ist offensichtlich: Die praktische, konkrete Kenntnis der mir anvertrauten Menschen ist grundlegend, und es ist klar, dass dieses "Kennen" im biblischen Sinn sehr wichtig ist: Es gibt kein wahres Kennen ohne Liebe, ohne einen inneren Bezug, ohne eine tiefe Annahme des anderen. Der Hirt darf sich nicht damit begnügen, Namen und Daten zu kennen. Seine Kenntnis muss immer auch ein Kennen mit dem Herzen sein. Das ist aber im Grunde nur verwirklichbar, wenn der Herr unser Herz geöffnet hat; wenn unser Kennen die Personen nicht an unser kleines privates Ich, an unser eigenes kleines Herz bindet, sondern es sie das Herz Jesu, das Herz des Herrn, spüren lässt. Es muss eine Kenntnis mit dem Herzen Jesu sein, ein auf Jesus ausgerichtetes Kennen, ein Kennen, das den Menschen nicht an mich bindet, sondern zu Jesus hinführt und ihn somit frei und offen macht. Auf dass uns das geschenkt werde, darum wollen wir immer wieder neu den Herrn bitten.

Der Herr spricht zu uns schließlich vom Dienst an der Einheit, der dem Hirten anvertraut ist: "Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten" (Joh 10,16). Es handelt sich dabei um das, was Johannes nach der Entscheidung des Hohen Rates, Jesus zu töten, wiederholt, als Kaiphas sagt, dass es besser sei, wenn nur einer für das Volk stirbt, als dass die ganze Nation untergeht. Johannes erkennt darin ein prophetisches Wort und fügt hinzu: "Aber er sollte nicht nur für das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln" (11,52). Es offenbart sich hier der Zusammenhang zwischen Kreuz und Einheit: Die Einheit wird mit dem Kreuz bezahlt. Vor allem aber tritt hier der universale Horizont des Handelns Jesu hervor.

Wenn Ezechiel in seiner Prophezeiung über den Hirten auf die Wiederherstellung der Einheit unter den zerstreuten Stämmen Israels abzielte (vgl. Ez 34,22-24), so geht es jetzt um die Einung aller Söhne Gottes, der ganzen Menschheit, der Kirche der Juden und Heiden. Die Sendung Jesu betrifft die gesamte Menschheit, und deshalb ist der Kirche die Verantwortung für die ganze Menschheit übertragen worden, auf dass diese Gott erkenne, jenen Gott, der für uns alle in Jesus Christus Mensch geworden ist, der gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. Die Kirche darf sich nie mit der Schar derer begnügen, die sie in einem bestimmten Augenblick erreicht hat. Sie darf sich nicht bequem in die Grenzen ihres eigenen Umfelds zurückziehen. Sie besitzt den Auftrag zur universalen Sorge, sie muss sich um alle kümmern.

Diese große Aufgabe müssen mir entsprechend unserer jeweiligen Berufung "übersetzen". Es ist offensichtlich, dass sich der Priester als Seelenhirte vor allem um diejenigen kümmern muss, die glauben und mit der Kirche leben, die in ihr den Weg des Lebens suchen und ihrerseits die Kirche als lebendige Steine aufbauen und auf diese Weise gemeinsam auch den Priester erbauen und unterstützen. Nichtsdestoweniger müssen wir auch immer erneut – wie der Herr sagt – "auf die Landstraßen und vor die Stadt hinausgehen", um die Einladung Gottes, zu seinem Tisch zu kommen, auch jenen Menschen zu bringen, die bisher noch nichts davon gehört haben, oder die in ihrem Innern davon noch nicht berührt worden sind. Der Dienst an der Einheit hat viele Formen. Ein Bestandteil ist immer auch das Bemühen um die innere Einheit der Kirche, damit sie jenseits aller Verschiedenheit und Grenzen ein Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt sei, der allein eine derartige Einheit stiften kann.

Die antike Kirche fand in der Kunst der Skulptur ihrer Zeit die Gestalt des Hirten, der ein Schaf auf den Schultern trägt. Vielleicht sind diese Bilder Teil eines idyllischen Traums des Landlebens, das die damalige Gesellschaft faszinierte. Für die Christen aber wurde diese Gestalt in aller Natürlichkeit zum Bild dessen, der sich auf den Weg gemacht hat, um das verlorene Schaf, die Menschheit, zu suchen; das Bild dessen, der uns bis in unsere Wüsten und Verirrungen hinein folgt; das Bild dessen, der das verlorene Schaf, das die Menschheit ist, auf seine Schultern genommen hat und es nach Hause bringt. Diese Gestalt ist zum Bild des wahren Hirten Jesus Christus geworden. Ihm vertrauen wir uns an. Ihm vertraue ich Euch an, liebe Brüder, besonders in dieser Stunde, auf dass Er Euch leite und Euch alle Tage trage; auf dass er Euch helfe, durch ihn und mit ihm gute Hirten seiner Herde zu werden. Amen.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen; © Copyright 2006 des Originals – Libreria Editrice Vaticana]





Kirsty1
Tuesday, May 09, 2006 4:28 PM
Ansprache Benedikts XVI. an die Mitglieder der "Papal Foundation"

"Unser Osterglaube gibt uns die Hoffnung, dass der auferstandene Herr die Welt wahrhaftig verändern wird"

ROM, 9. Mai 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am 5. Mai an die Mitglieder der US-amerikanischen Papal Foundation ("Päpstlichen Vereinigung") gerichtet hat, die die armen Menschen in den Entwicklungsländern unterstützt.



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Liebe Freunde in Christus,

In dieser freudigen Zeit, da wir Gott für den Sieg Christi über Sünde und Tod loben und danken, freut es mich, Sie, die Mitglieder der "Papal Foundation", auf Ihrer alljährlichen Pilgerfahrt nach Rom begrüßen zu dürfen. "Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus" (Phil 1,2).

Unser Osterglaube gibt uns die Hoffnung, dass der auferstandene Herr die Welt wahrhaftig verändern wird. In seiner Auferstehung erkennen wir die Erfüllung des Versprechens, das Gott seinem im Exil lebenden Volk Israel gemacht hat: "Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel" (Ez 37,12). Der erstandene Christus schenkt wahrlich vielen, die in der heutigen Welt Ungerechtigkeit oder Mangel leiden und sich danach sehnen, in der Freiheit und mit der Würde der Kinder Gottes leben zu können, neue Hoffnung und Stärke.

Christus hat versprochen, uns den Heiligen Geist zu senden, um die Herzen der Gläubigen zu entflammen und sie dazu zu führen, ihre Brüder und Schwestern so zu lieben, wie Christus sie geliebt hat, und durch ihren Liebesdienst die Liebe des Vaters zur Menschheit zu bezeugen (vgl. Deus caritas est, 19).

Die Frucht dieser Gabe des Heiligen Geistes wird deutlich in jener Hilfe sichtbar, die die Päpstliche Stiftung in Christi Namen in den Entwicklungsländern leistet, in Form von Hilfsprojekten, Ausbildungsförderungen und Stipendien. Ich bin Ihnen zutiefst dankbar für Ihre Unterstützung und Ihre Hilfe, mit der Sie mir bei meiner Sendung beistehen, mich in jedem Winkel der Erde um die Schafe Jesu Christi zu kümmern.

Ich versichere Ihnen, dass Ihre Liebe zur Kirche und Ihre Hingabe an die Ausübung der christlichen Nächstenliebe größte Wertschätzung erfahren. In der Vorbereitung auf die Feier der großen Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten ermutige ich Sie, ihr großherziges Engagement fortzusetzen, damit die Flamme der göttlichen Liebe weiterhin hell in den Herzen der Gläubigen überall auf der Welt erstrahlen möge. Ich vertraue Sie der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, an und erteile Ihnen meinen apostolischen Segen.


www.zenit.org/german/
Kirsty1
Thursday, May 11, 2006 7:02 PM
Publikationsdatum: 2006-05-11

Benedikt XVI.: Christus gelangt dank der apostolischen Nachfolge bis zu uns


Katechesenreihe über Christus und seine Kirche

ROM, 11. Mai 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Mittwoch, während der Generalaudienz in Rom gehalten hat. Vor Tausenden von Gläubigen aus aller Welt, die auf dem Petersplatz zusammengekommen waren, zeigte der Heilige Vater, dass die apostolische Nachfolge die Authentizität der Lehre Jesu garantiert.



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Liebe Brüder und Schwestern!

In den letzten beiden Audienzen haben wir betrachtet, was die Tradition der Kirche ist, und wir haben gesehen, dass sie die andauernde Gegenwart des Wortes und des Lebens Jesu in seinem Volk ist. Aber damit das Wort gegenwärtig sein kann, bedarf es einer Person, eines Zeugen. Auf diese Weise entsteht die folgende Gegenseitigkeit: Auf der einen Seite braucht das Wort die Person, aber auf der anderen ist die Person, der Zeuge, an das Wort gebunden, das ihm anvertraut worden ist und das er nicht selbst erfunden hat. Diese Gegenseitigkeit zwischen dem Inhalt – dem Wort Gottes, dem Leben des Herrn – und der Person, die es weitergibt, ist ein Charakteristikum der Struktur der Kirche. Und heute wollen wir über diesen personalen Aspekt der Kirche nachdenken.

Der Herr hat ihn, wie wir gesehen haben, mit der Berufung der Zwölf eingeführt, die das zukünftige Volk Gottes repräsentieren. In der Treue zum Auftrag, den sie vom Herrn empfingen, vervollständigen die Zwölf nach dessen Auferstehung in einem ersten Moment ihre ursprüngliche Zahl mit der Wahl von Matthias anstelle des Judas (vgl. Apg 1,15-26), und dann ziehen sie nach und nach andere hinzu, denen sie die ihnen anvertrauten Aufgaben übergeben, auf dass ihr Dienst fortgeführt werde. Der Auferstandene selbst beruft den Paulus (vgl. Gal 1,1), und dennoch vergleicht dieser – obwohl er vom Herrn selbst zum Apostel berufen wurde – sein Evangelium dem Evangelium der Zwölf (vgl. ebd., 1,1 , sorgt sich darum, das weiterzugeben, was er empfing (vgl. 1 Kor 11,23; 15,3-4), und ist bei der Verteilung der missionarischen Aufgaben zusammen mit anderen, zum Beispiel mit Barnabas, mit den Aposteln verbunden (vgl. Gal 2,9). So wie am Anfang des Aposteldaseins eine Berufung und Sendung durch den Auferstandenen steht, so wird die nachfolgende Berufung und Einladung an andere dank der Kraft des Heiligen Geistes durch das Werk dessen stattfinden, der bereits in das apostolische Amt eingeführt wurde. Das ist der Weg, auf dem dieses Amt fortdauern wird, das in der zweiten Generation "Bischofsamt" heißen wird, "episcopé".

Vielleicht ist es nützlich, kurz zu erklären, was "Bischof" bedeutet. Es handelt sich um die italienische Form ["vescovo", Anm. d. Übers.] des griechischen Wortes "epískcopos". Dieses Wort meint jemanden, der eine Sicht von oben hat, der mit dem Herzen schaut. So nennt der heilige Petrus selbst in seinem ersten Brief den Herrn Jesus den "Hirten und Bischof eurer Seelen" (2,25). Und nach diesem Vorbild des Herrn, der der erste Bischof ist – Beschützer und Hirte der Seelen –, wurden die Nachfolger der Apostel später "Bischöfe" – "episkopoi" – genannt. Ihnen ist das Amt der "episkopé" anvertraut. Genau diese Aufgabe des Bischofs wird sich vom Ursprung ausgehend nach und nach entwickeln, bis es jene Gestalt annimmt, die bereits von Ignatius von Antiochien zu Beginn des zweiten Jahrhunderts in aller Deutlichkeit bezeugt wird (vgl. "Ad Magnesios", 6,1: PG 5,66 : das dreifache Amt des Bischofs, des Priesters und des Diakons. Es handelt sich um eine Entwicklung, die vom Geist Gottes geführt worden ist, der der Kirche bei der Unterscheidung der wahren Formen der apostolischen Nachfolge beisteht, die in der Mannigfaltigkeit der Erfahrungen und charismatischen und amtlichen Ausdrucksformen, die in der Urgemeinde gegenwärtig sind, immer besser definiert werden.

Auf diese Weise erweist sich die Nachfolge im Bischofsamt als Kontinuität des apostolischen Amtes, Garantie für das Verbleiben in der apostolischen Tradition, die Wort und Leben ist und uns vom Herrn anvertraut wurde. Das Band zwischen dem Bischofskollegium und der Urgemeinde der Apostel versteht man vor allem in der Linie der geschichtlichen Kontinuität. Wie wir gesehen haben, wird den Zwölfen zuerst Matthias hinzugefügt, dann Paulus und danach Barnabas; und später kommen andere, bis es in der zweiten und dritten Generation zur Ausformung des Bischofsamtes kommt. So kommt die Kontinuität in dieser geschichtlichen Kette zum Ausdruck. Und in der Kontinuität der Nachfolge liegt die Garantie für das Ausharren in der kirchlichen Gemeinschaft, im Apostelkollegium, das Christus um sich gesammelt hat. Aber diese Kontinuität, die wir zunächst in der historischen Kontinuität der Ämter sehen, muss auch im geistigen Sinn verstanden werden, denn die apostolische Nachfolge im Amt wird als bevorzugter Ort des Wirkens und der Weitergabe des Heiligen Geistes betrachtet. Ein unmissverständliches Echo dieser Überzeugungen kann beispielsweise im folgenden Text des Irenäus von Lyon (zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts) entdeckt werden: "Die in der ganzen Welt sichtbare Tradition der Apostel zeigt sich in jeder Kirche all denjenigen, die die Wahrheit sehen wollen, und wir können die Bischöfe aufzählen, die von den Aposteln in den Kirchen eingesetzt wurden, und deren Nachfolger bis zu uns(...) [Die Apostel] hatten den Wunsch, dass diejenigen, die sie als ihre Nachfolger zurückließen, in allem 'vollkommen und ohne Tadel' seien (1 Tim 3,2; Tit 1,6-7), und übertrugen ihnen so die ihnen eigene Sendung der Lehre. Wenn sie richtig verstanden hätten, so hätten sie weiterhin große Vorteile geerntet; wenn sie gefehlt hätten, so hätten sie einen sehr großen Schaden erlitten" ("Adversus haereses" III, 3,1: PG 7,84 .

Irenäus stellt anschließend dieses Netz der apostolischen Nachfolge als höchsten Garant für das Verbleiben im Wort des Herrn vor und geht dann gezielt auf jene "höchste und älteste und allen bekannte" Kirche ein, "die von den beiden glorreichsten Aposteln Petrus und Paulus in Rom gegründet und eingerichtet worden ist". Damit betont er die Tradition des Glaubens, die in ihr von den Aposteln über die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt. Für Irenäus und die universale Kirche wird die bischöfliche Nachfolge der Kirche Roms auf diese Weise Zeichen, Kriterium und Garantie
der ununterbrochenen Weitergabe des apostolischen Glaubens: "Aufgrund ihrer besonderen Vorrangigkeit ('propter potiorum principalitatem') mit dieser Kirche muss eine jede Kirche in Einklang stehen, das heißt die Gläubigen überall auf der Welt, weil in ihr die Tradition der Apostel immer bewahrt worden ist("Adversus haereses" III, 3, 2: PG 7,84 .

Die apostolische Nachfolge, die auf der Basis der Gemeinschaft mit der Kirche Roms verifiziert wird, ist also das Kriterium für das Verbleiben jeder einzelnen Kirche in der Tradition des gemeinsamen apostolischen Glaubens, der durch diesen Kanal vom Ursprung bis zu uns gelangen konnte: "Durch diese Ordnung und durch diese Sukzession sind die Tradition, die in der Kirche seit den Aposteln vorhanden ist, und die Verkündigung der Wahrheit bis zu uns gelangt. Und das ist der vollständigste Beweis dafür, dass der Glaube der eine und derselbe lebendig machende Glaube ist, der von den Aposteln herkommt, der bis heute in der Wahrheit bewahrt und weitergegeben worden ist" (ebd. III, 3, 3: PG 7,851).

Nach diesen Zeugnissen der antiken Kirche besteht die Apostolizität der kirchlichen Gemeinschaft in der Treue zur Lehre und Praxis der Apostel, durch die die historische und geistige Einheit der Kirche mit Christus garantiert wird. Die apostolische Nachfolge des Bischofsamtes ist jener Weg, der die getreue Weitergabe des apostolischen Zeugnisses gewährleistet. Das, was die Apostel in der Beziehung zwischen dem Herrn Jesus und der Kirche der Anfänge darstellen, das stellt auf analoge Weise die amtliche Nachfolge in der Beziehung zwischen der Kirche der Anfänge und der gegenwärtige Kirche dar. Es handelt sich nicht um eine rein materielle Verkettung; es handelt sich vielmehr um das historische Werkzeug, dessen sich der Geist bedient, um den Herrn Jesus, Haupt Seines Volkes, durch diejenigen gegenwärtig zu machen, die für das Amt durch die Handauflegung und das Gebet der Bischöfe geweiht worden sind. Durch die apostolische Nachfolge ist es Jesus Christus, der zu uns kommt: im Wort der Apostel und ihrer Nachfolger ist Er es, der mit uns spricht; durch ihre Hände ist Er es, der in den Sakramenten wirkt; in ihrem Blick ist es Sein Blick, der uns umfängt und uns spüren lässt, dass wir geliebt werden und im Herzen Gottes geborgen sind. Und auch heute – genauso wie am Anfang – ist Christus selbst der wahre Hirte und Hüter unserer Seelen, dem wir voller Vertrauen, in großer Dankbarkeit und Freude folgen wollen.

[Am Ende der Generalaudienz begrüßte der Papst in verschiedenen Sprachen die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Kirche hat ihren Ursprung im Willen und im historischen Wirken Christi, der die Apostel um sich gesammelt und sie mit seiner Vollmacht als Hirten der Kirche eingesetzt hat. Die Zwölf berufen ihrerseits weitere Männer und senden sie aus, damit sie in der Kraft des Geistes Aufgaben der missionarischen Verkündigung und der Gemeindeleitung übernehmen. Auch der vom Auferstandenen selbst berufene Apostel Paulus übt seinen Dienst in Übereinstimmung mit den übrigen Aposteln aus. Unter der Führung des Geistes Gottes nimmt so das von Christus begründete kirchliche Amt der Bischöfe, Priester und Diakone konkrete Formen an.

Die apostolische Sukzession, die ununterbrochene Kette der Inhaber des Bischofsamtes, verbindet die Kirche unserer Zeit auf historische und auf geistliche Weise mit dem Apostelkollegium des Ursprungs. Sie gibt die Garantie für das treue Festhalten an Worten und Werken der Apostel und damit an Jesus Christus selbst. Der Heilige Geist bewirkt, dass in den jeweils von ihren Vorgängern geweihten Bischöfen Christus selbst als Haupt und Hirte seines Volkes gegenwärtig ist.

Als Bischof der Kirche von Rom, die auf dem Fundament der Apostel Petrus und Paulus gegründet ist und in der durch Gottes Gnade die apostolische Tradition immer bewahrt worden ist, begrüße ich euch alle, liebe Pilger und Besucher aus den deutschsprachigen Ländern. Danken wir Christus für das Geschenk der Kirche, für die Worte, die er durch ihre Hirten an uns richtet, und für die Sakramente, mit denen er uns heiligt. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Tag!

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen; © Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana]



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