Benedikt XVI. beim Angelusgebet: "Christus ist der wahre 'Arzt' der Menschheit"
"Die 'Hand', die Gott der Menschheit entgegenstreckt"
ROM, 10. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Sonntag vom Fenstersims seines Arbeitszimmers aus gehalten hat. Vor dem Gebet des "Engel des Herrn" erinnerte der Papst tausende Gläubige aus aller Welt, die auf dem Petersplatz zusammengekommen waren, an die Bereitschaft Gottes, "sein gefallenes Geschöpf zu heilen, indem er ihm das Leben wiedergibt, und zwar das Leben in Fülle: vollständiges, glückliches, ewiges Leben".
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Liebe Brüder und Schwestern!
Gestern, am 11. Februar, dem Festtag Unserer Lieben Frau von Lourdes, haben wir den Welttag der Kranken begangen, dessen Hauptfeierlichkeiten in diesem Jahr in Adelaide, Australien, stattfanden. Zu ihnen gehörte auch ein internationaler Kongress über das stets dringliche Thema der psychischen Gesundheit. Die Krankheit ist ein typisches Merkmal der menschlichen Beschaffenheit und kann sogar eine realistische Metapher für sie werden, wie es der heilige Augustinus in einem seiner Gebet treffend zum Ausdruck bringt: "Herr, erbarme dich meiner. Weh mir! Siehe, meine Wunden verberge ich nicht: Du bist der Arzt, ich der Kranke; du bist barmherzig, ich erbarmenswürdig" ("Bekenntnisse", Zehntes Buch, 2 .
Christus ist der wahre "Arzt" der Menschheit, den der himmlische Vater in die Welt gesandt hat, um den Menschen zu heilen, der in Leib und Seele von der Sünde und ihren Folgen gezeichnet ist. Gerade an diesen Sonntagen zeigt uns das Markusevangelium Jesus, der sich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens ganz der Verkündigung des Evangeliums und der Heilung der Kranken in den Dörfern von Judäa widmet. Die unzähligen Wunderzeichen, die er unter den Kranken wirkt, bekräftigen die "Frohe Botschaft" des Königreiches Gottes. Das heutige Evangelium erzählt die Heilung eines Aussätzigen und drückt auf kraftvolle Weise die Intensität der Beziehung zwischen Gott und Mensch aus, zusammengefasst in einem wunderschönen Dialog: "Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde", sagt der Aussätzige. "Ich will es – werde rein!", antwortet Jesus, indem er ihn mit seiner Hand berührt und vom Aussatz heilt (vgl. Mk 1,40-42). In dieser Textstelle sehen wir die ganze Heilsgeschichte verdichtet: Diese Geste Jesu, der seine Hand ausstreckt und den wunden Leib jenes Menschen berührt, der ihn anruft, offenbart auf vollkommene Weise den Willen Gottes, sein gefallenes Geschöpf zu heilen, indem er ihm das Leben wiedergibt, und zwar das Leben "in Fülle" (Joh 10,10): vollständiges, glückliches, ewiges Leben. Christus ist "die Hand", die Gott der Menschheit entgegenstreckt, damit sie aus dem Morast von Krankheit und Tod herauskommen und wieder aufstehen kann, gestützt auf den festen Fels der göttlichen Liebe (vgl. Ps 40,2-3).
Ich möchte heute der Jungfrau Maria, "Heil der Kranken", besonders all jene in allen Teilen der Welt anvertrauen, die nicht nur leiden, weil ihnen gesundheitlich etwas fehlt, sondern auch, weil sie einsam oder erbärmlich arm sind und ausgegrenzt werden. Ich denke auch besonders an alle, die sich in Krankenhäusern oder anderen Gesundheitseinrichtungen um die Kranken kümmern und sich ihrer Heilung widmen. Möge die allerseligste Jungfrau jedem helfen, an Leib und Seele Trost zu erfahren – dank einer angemessenen medizinischen Versorgung und dank einer brüderlicher Liebe, die in einer konkreten, solidarischen Fürsorge zum Ausdruck kommt.
[Nach dem Angelus-Gebet wandte sich der Heilige Vater an die Gläubigen und sagte:]
Vor zwei Tagen wurden in Turin die 20. Olympischen Winterspiele eröffnet. Herzlich grüße ich die Veranstalter, die Verantwortlichen des Internationalen Olympischen Komitees und die Sportler, die aus allen Teilen der Welt hergekommen sind. Ich wünsche mir, dass dieser schöne Sportwettkampf von den Olympischen Werten Loyalität, Freude und Brüderlichkeit gekennzeichnet sein wird und auf diese Weise zum Frieden unter den Völkern beitragen kann.
Am heutigen 12. Februar wird der 75. Jahrestag der Eröffnung von "Radio Vatikan" und der ersten Welt-Radio-Botschaft von Papst Pius XI. gefeiert, der den Wissenschaftler Guglielmo Marconi gebeten hatte, den vatikanischen Radiosender aufzubauen. Durch das Radio – und später durch das Fernsehen – haben die Botschaft des Evangeliums und das Wort des Papstes alle Völker noch schneller und einfacher erreicht.
[ZENIT-Übesetzung des italienischen Originals. Anschließend grüßte der Papst die Gläubigen aus aller Welt. An seine Landleute richtete er folgende Worte:]
Einen frohen Gruß richte ich an die deutschsprachigen Pilger hier auf dem Petersplatz. Das Evangelium des heutigen Sonntags berichtet von einem Aussätzigen, der Jesus demütig um Hilfe bittet und von ihm geheilt wird. Bringen auch wir unsere Anliegen auf die Fürsprache Mariens voll Vertrauen vor Gott. Jesus, der Sohn Gottes, heilt auch uns. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Tag.
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